"Besser?" hakte er nach. Ich nickte und sah ihn dankbar an. "Alles ist gut!" versicherte er mir. "Machst du den Mund auf?" fragte Marcus...
Ich nickte zögernd und tat was er sagte. Marcus machte seine kleine Lampe an und leuchtete in meinen Mund, während er mit einem Spiegel hineinging. Er sah sich alles genau an und stellte sich dann wieder gerade hin. "Und?" fragte Dad ihn ungeduldig. "Sie hat sich die eine Innenseite der Wange aufgerissen. Aber dank des feinen Bisses verheilt es sehr schnell. Heute wird es noch wehtun, aber morgen kannst du wieder wie gewohnt vorgehen. Nur nichts Heißes oder zu scharfes essen. Sonst entzündet sich die Stelle!" erklärte er. "Musst du das Nähen?" fragte Dad besorgt. "Nein, erstmal nicht. Ich würde vorschlagen, dass ich eine Watterolle reinlegte. Die kann das Blut auffangen. In einer Stunde kann Liv sie rausnehmen und spült den Mund ganz vorsichtig aus. Dann kann das über Nacht anfangen zu heilen und morgen kann sie wieder ohne Probleme sprechen!" erklärte Marcus uns. "Okay...", sagte Dad erleichtert, "Dann mach das!" Mein Bruder holte mit einer Pinzette die Watterolle. Kritisch besah ich sie. "Die beißt nicht!" lachte Marcus, was nicht dazu beitrug mich umstimmen zu lassen. "Entspann dich Liebling!" sagte Dad küsste meine Stirn. Ich sah ihn an und nickte. Etwas widerwillig öffnete ich wieder meinen Mund. Marcus leuchtete hinein und positionierte die Watte, was an manchen Stellen wirklich wehtat. Doch Dad streichelte trotz unserer verschränkten Finger mit seinem Daumen über meinen Handrücken und redete beruhigend auf mich ein. Als mein Bruder endlich fertig war, atmete ich erleichtert aus. "Entschuldige, aber das war komplizierter als gedacht!" rechtfertigte er sich. Ich nickte ihm müde zu. "Deine scharfen Zähne hast du von deinem Vater!" grinste Marcus plötzlich. Ich grinste nun Dad an. "Den Grund dafür erzähl ich dir ein anderes Mal okay?" fragte er. Irritiert sah ich ihn an. Welchen Grund, dachte ich. "Wir erklären dir alles noch ganz genau, okay?" Ich nickte und lehnte mich gegen ihn. "Du siehst müde aus, Liv!" schmunzelte er, als ich mir meine Augen rieb. Ich wollte schon protestieren, als ich wieder an Caius Worte dachte... Also lieber nicht. Ich beließ es dabei und stand auf. "Wo willst du hin Liv?" rief Dad und kam mir nach. Dicht gefolgt von Marcus. "Aro, sie sollte heute nicht mehr reden! Und ich denke sie möchte aufs Zimmer. Es ist schon acht Uhr. Lass ihr Freiraum!" sagte mein Bruder und hielt Dad auf. "Okay... Schlaf gut Liv!" rief er mir nach. Ich hörte es, obwohl ich schon auf dem Gang war. Marcus hatte Recht. Ich wollte auf mein Zimmer und mich ausruhen. Morgen waren die ersten beiden Stunden Mathe bei Caius. Da darf ich auf gar keinen Fall verschlafen! Im Zimmer angekommen zog ich mir Schlafzeug an und machte mich im Bad fertig. Ich schaute noch kurz auf mein Handy. Was mir jetzt erst auffiel war, dass hier kein Netz war. Hoffnungsvoll schaltete ich mein WLAN an, nur um dann wütend zu schnauben. Passwort! Woher soll ich das wissen? Wütend legte ich mein Handy beiseite und schaute auf die Uhr. Eine Stunde war um. Ich ging ins Bad und öffnete vorsichtig den Mund. Die Watterolle war, wie Marcus befürchtet hatte, blutgetränkt. Behutsam nahm ich sie heraus und stellte fest, dass die Blutung aufgehört hatte. Ich schmiss die vollgesaugte Rolle weg und ließ mich erschöpft auf mein Bett fallen. Der Tag war nicht gerade leicht. Ich meine schaffe das doch mal, die ganze Zeit im Thronsaal zu sitzen und dann auch noch nicht einzuschlafen, während dein Vater Regeln predigt. Das ist fast unmöglich! Doch Caius schuldete ich meinen Dank und vielleicht einen Gefallen. Das werde ich ihm morgen in Mathe ausrichten. Auch wenn ich immer noch nicht von der Entscheidung meines Vaters, was den Unterricht und die Nachtruhe angeht, überzeugt bin. Doch darüber kann ich später noch nachdenken. Schnell stellte ich mir einen Wecker auf um 6.00 Uhr und kuschelte mich in meine Decke. "Nacht Marcus! Nacht Dad! Schlaf gut Caius!" murmelte ich und schlief keine Sekunde später ein...
Die Musik meines Handyweckers weckte mich am nächsten Morgen mit dem Lied 'Alles was zählt' von Namika. Toll..., dachte ich mir. Jetzt muss ich aufstehen. Die Nacht war nicht schlimm, aber auch nicht wirklich erholsam. Ich ließ das Lied einmal komplett durchlaufen, bis ich mich dazu bequemen konnte aufzustehen. Im Bad schaute ich in den Spiegel und musste feststellen, dass ... Warte! Stopp! Ich hielt inne und starte ungläubig vor mich hin. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Heute hatte ich meinen ersten Tag mit Unterricht. Aber was eigentlich relevant war, waren die ersten beiden Stunden Mathe. MIT CAIUS! OMG! So wie er sich gestern mir gegenüber verhalten hat, muss ich heute pünktlich kommen. Und dann noch der Kuss! Ich war sprachlos und regungslos...
Erst als ich wieder zu mir kam, bemerkte ich, dass ich seit einer halben Stunde im Bad stehe und alles, was gestern passiert ist, mir noch einmal durch den Kopf gehen lasse. Scheiße! In 30 Minuten geht der Unterricht los! Wie ein Löwe auf der Jagd sprang ich unter die Dusche und machte mich fertig. Heute mal kalt, denn das warm duschen dauert zu lange. Dann komme ich hier nicht mehr raus. Mit zitternden Gliedmaßen stieg ich aus der Dusche, trocknete mich ab und zog mich an. Noch 8 Minuten. Meine Haare trocknete ich leicht an, da für mehr keine Zeit da war. In schwarzer Jeans und schwarzem Hoodie schnappte ich mir meine Tasche, in die ich gestern noch meine Federtasche und zwei Blöcke geschmissen habe und stürmte aus meinem Zimmer...
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Back to Volterra {1}
FanfictionLivs Leben war perfekt. Sie hatte ihre Mutter und mehr brauchte sie nicht. Doch der Krieg zieht seine Spuren durch das Militär. So auch in Spanien... Liv lernt ihren Vater kennen, der sie aber alles andere als interessiert. Während der sie mit nach...
