58. Einsicht der Tochter

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"Ich bin davon ausgegangen, dass das leicht wird. Aber dem ist nicht so. Und das war mir zu Anfang und bis vor kurzem auch nicht bewusst!" gestand er und seufzte verzweifelt...

"Kleine, er liebt dich über alles! Bitte glaub ihm. Er wollte dir nie wehtun! Und er wollte dich auch nicht anschreien. Aber er hat auch seine Themen, über die er nicht reden will. Das verstehst du hoffentlich. Und eines dieser Themen kam zufällig auf und so kamen die Erinnerungen hoch. Ich hab dir doch davon erzählt, oder?" fragte Marcus und strich mir sanft über die Wange. Vorsichtig nickte ich und lehnte mich gegen seine wunderbar kalte Hand. "Siehst du? Also kannst du ihn ein kleines Stück weiter verstehen!" flüsterte mein Bruder und küsste meine Stirn.

"Liv, dein Vater und Marcus haben Recht!" sagte nun auch Caius und ich bekam nicht mit, wie Dad ihn überrascht ansah. "Er wollte und will dir auch jetzt nichts Böses! Er möchte nur das Beste für dich. Und ihr habt unterschiedliche Vorstellungen davon. Gib ihm eine Chance, dass ihr eure Vorstellungen miteinander teilt. Er erklärt dir seine Meinung und du erzählst von deinem Stand aus!" redete Caius und hatte sich neben mich gehockt. "Und wenn du es nicht für dich oder ihn tust, dann gib dir einen Ruck und mach es trotzdem. Für Marcus. Und für... Mich! Bitte Prinzessin, tu es für mich!" bat er und wurde immer leiser.

"Rede weiter Aro!" flüsterte Marcus hinter mir aufmunternd zu ihm. Dad holte tief Luft und sprach weiter. "Und ich weiß, dass ich mich falsch benommen habe. Es war nicht meine Absicht dich anzuschreien oder gar zu verletzen. Liv du musst mir glauben. Das war nie das, was ich wollte! Ich habe jederzeit versucht der perfekte Vater zu sein, dass mir nicht aufgefallen ist, dass ich auf der falschen Bahn bin! Es tut mir Leid für das, was ich dir angetan habe. Wirklich!" sagte er verzweifelt und wurde zum Schluss immer leiser. Immer noch mit zitterndem Atem öffnete ich meine Augen. Dad saß vor mir auf dem Stuhl, wo ich zu Beginn gesessen hatte. Voller Verzweiflung in seinen Augen. "Dad!" hauchte ich und sah ihn an. Er sah mich aus einem traurigen Gesicht an, dass mir mein Herz fast brach. "Liv bitte vergib mir!" sagte er und seine Stimme klang so, als ob er weinte. Ich stand von Marcus Schoß auf und fiel ihm um den Hals. "Dad, es tut mir auch so Leid!" schluchzte ich und vergrub mein Gesicht inklusive der tränenden Augen in seiner Brust. Erleichtert zog er mich auf seinen Schoß und schlang seine Arme um mich. Ich zitterte am ganzen Körper und weinte stark. "Liv es wird alles gut! Ich verspreche es dir! Wir fangen nochmal von vorne an, okay?", fragte er und strich mir über die Wange, "Wir vergessen das alles, was schlecht war und bessern uns. Wir versuchen es einfach nochmal! Bist du einverstanden?" Hektisch nickte ich und schluchzte lauter. "Alles wird gut Liv!", sagte Dad und streichelte meinen Rücken, "Alles wird gut! Ich bin da und lasse dich nicht mehr allein!" Ich nickte und drückte mich stark an ihn. "Ich liebe dich Liv! Und das wird auch immer so bleiben! Egal was passiert. Merk dir das!" flüsterte er. "Ich liebe dich auch, Daddy!" weinte ich. Ich bekam nicht mit, wie er Marcus überrascht und irritiert ansah. Und das dieser ihm aufmunternd zunickte und mit Gesten klar machte, dass das sehr gut war. "Sch! Alles wird gut Liv!"

"Dad, es geht wieder!" flüsterte ich und löste mich so von ihm, sodass ich andersherum auf seinem Schoß saß und mich mit dem Rücken gegen seine Brust lehnen konnte. "Wirklich?" fragte er besorgt und legte wieder seine Arme um mich. "Ja, wirklich!" schmunzelte ich leicht. Caius, der sich inzwischen wieder erhoben hatte, beugte sich mit einem so unglaublich charmanten Lächeln zu mir runter, dass ich fasst keuchen musste. Er reichte mir ein sauberes schwarzes Taschentuch aus Stoff. Ich lächelte schüchtern zurück und nahm es dankend an. Als ich mir mein Gesicht abtrocknete und die Nase säuberte, kam mir der wunderbare Duft von Caius an die Riechzellen. Er roch so unglaublich gut! Ich genoss es und trocknete deswegen mein Gesicht doppelt und dreifach ab, was Marcus und Dad leicht zum Lachen brachte. Als wirklich alles sauber und trocken war, musste ich es ihm leider zurückgeben. Doch als ich ihm das edle Tuch hinhielt, schüttelte er mit einem so unglaublich klaren Lachen den Kopf und meinte, ich könne es behalten. Ich spürte, wie ich etwas rosa wurde und senkte deswegen etwas meinen Blick.
Plötzlich ging ein Wecker los, dem Ton zufolge war er vom einen Handy. Marcus holte seines raus und tippte ein zwei Mal darauf und dann war es vorbei. "Es ist soweit Liv!" sagte er. Irritiert sah ich ihn an und fragte: "Was ist soweit?" "Italienisch ist vorbei. Du musst jetzt was essen und dann geht es mit Geografie weiter!" schmunzelte er. Ich dagegen konnte nur genervt Stöhnen und mich nach hinten fallen lassen. Sowohl Marcus, als auch Dad und Caius schüttelten lachend den Kopf, als ich fragte, ob der Unterricht auch ausfallen könnte. "Liv, geh bitte mit Marcus mit!" bat mich mein Vater. "Aber Daaad! Ich will nicht zum Unterricht!" jammerte ich. "Liv komm mal mit!" schmunzelte Caius und deutete an, zu ihm zu gehen. Was ich nach kurzem Zögern auch tat. Wir gingen kurz vor die Tür.

"Hör mir zu Prinzessin!", begann er und zog mich in seine Arme, "Heute wird nicht mehr viel passieren. Und im Unterricht schon gar nicht. Aber dein Vater hat sich so viel Mühe beim Ausdenken und Organisieren gemacht, dass es doch unfair wäre, wenn du es einfach so hinschmeißt. Oder?" Ich seufzte und nickte mit dem Kopf. "Ja, das wäre es!" murmelte ich und sah zur Seite. Vorsichtig legte er seine Hand unter mein Kinn und hob es sachte an...

Back to Volterra {1} Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt