49. "Das Leben ist nicht fair!"

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Vollkommen überrascht erstarrte ich. "Was wird das Dad?" fragte ich unsicher, denn ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte...

"Ich möchte mich mit dir nicht streiten. Liv, ich liebe dich und ich kann dich verstehen. Aber du musst auch verstehen, dass ich nur das Beste für dich möchte, Liebling!" sagte er und strich mir über den Rücken. "Aber Dad das hier ist-" "Liv das hier ist gut für dich! Das brauchst du für dein späteres Leben. Du bist schlau und klug, aber du versteckst das. Wir werden das Beste aus dir herausholen. Ich möchte dir helfen, Liv. Verstehst du?" fragte er. Ich nickte leicht. Auch wenn ich mich nicht gerne geschlagen gab. "Danke Schatz!" sagte er ehrlich lächelnd und küsste meine Stirn. Dad ging nach vorne und begann zu erzählen. Ich verdrehte die Augen und stöhnte innerlich ein auf. Der Funken Hoffnung, dass er vielleicht doch keinen Unterricht machte, war verschwunden. Er seufzte über diese Geste, fuhr jedoch fort. Ich mag ja Italienisch, aber vier Stunden in der Woche mit Dad? Nein, danke! Dennoch konnte ich an der Tatsache, dass ich hier saß und er redete, nichts ändern. Aber ich konnte sie erträglicher machen. Auch, wenn Dad ziemlich harte Strafen vorgab, war es mir im Moment egal. Denn nach einer halben Stunde war ich kurz vorm Einschlafen. Unauffällig holte ich mein Handy aus der Tasche und lehnte mich nach hinten an. Unter dem Tisch begann ich zu lesen. Einen Artikel über die Jahrhunderte Verfeindung von Werwölfen und Vampiren. Ich glaubte an die Existenz von Kreaturen der Nacht. Sie faszinieren mich jedes Mal aufs Neue und meine Phantasie war sehr kreativ, was das bildliche Vorstellen anging. Ich grinste sadistisch, als der Autor beschrieb, wie ein blonder Vampir dem Werwolf alle Knochen einzeln brach...

Urplötzlich wurde mir das Handy aus der Hand gerissen. "Hey!" rief ich und sprang auf. "HINSETZEN. SOFORT!" sagte Dad drohend langsam mit gefährlichen Blick. Ich wollte etwas erwidern, doch er knurrte mich an und zischte: "Setz. Dich. Hin." Ich schloss meinen Mund und biss mir auf die Zunge. Kein Kommentar abgeben Liv! Ermahnte ich mich selbst. Tief durchatmen. Ich setzte mich wieder hin. "Liv!" begann er und hielt mein Handy in die Höhe. "Was?" zischte ich genervt. "Ein anderer Ton Fräulein!" ermahnte er mich. Ich schnaubte. Als ob ich darauf höre. Er stand vor mir und nahm mein Kinn in seine Hand. Er hatte es fest in Daumen und Zeigefinger im Griff. Und zwar sehr fest. Ich wollte seine Hand abschütteln, was dazu führte, dass es noch fester wurde. "Liv!" sagte er mit Nachdruck. Ich hielt still und verzog schmerzerfüllt mein Gesicht! "Liv! Schlage einen anderen Ton auf, wenn du mit mir sprichst! Ich wiederhole mich nicht noch einmal! Haben wir uns verstanden?" fragte er streng. Ich wollte eigentlich nicht nachgeben, doch als ich ihm in die Augen sah, loderten diese. Sie loderten vor Besessenheit, vor Kontrolle und vor Entschlossenheit. Ich schluckte, was seine Mundwinkel kurz nach oben zucken ließ. "Ja", flüsterte ich, "Ja ich habe dich verstanden!" "Gut. Sehr gut!" sagte er und ließ von meinem Kinn ab. Ich jedoch traute mich nicht zu rühren. "Was hast du gemacht?" fragte er. "Gelesen", gab ich zu. "Und was?" fragte er weiter nach. Ich hatte das Gefühl, dass es im Moment besser war, wenn ich die Wahrheit sagte. Also antwortete ich wahrheitsgemäß: "Einen Artikel über Werwölfe und Vampire!" Er nickte. "Du bekommst dein Handy vielleicht morgen wieder. Je nachdem, wie ich mich heute Nachmittag entscheide!" sagte Dad, drehte sich um und ging nach vorne. Ich konnte gar nicht so schnell denken, da rief ich schon: "Das ist nicht fair!" Er hielt in seiner Bewegung inne und stand mit dem Rücken zu mir. "Das Leben ist nicht fair, Liv!" flüsterte er und klang traurig. Mitgenommen. "Aber Dad ich-" "SCHWEIG!" schrie er. Ich erstarrte. "DAS LEBEN IST NICHT FAIR LIV! AKZEPTIERE ES!" schrie er und drehte sich um. Sein Gesicht war wutverzerrt. Ich hatte Angst. Ich hatte ihn noch nie so wütend, traurig und mitgenommen zugleich gesehen. Und das machte mir Angst. Das und die Tatsache, dass er mich, seine Tochter, gerade lauthals anschrie. Ich schluckte und versuchte die Tränen zu unterdrücken. Doch meine Augen wurden feucht und das hoffnungsvolle Wegblinzeln half auf nicht. Schließlich rannten sie mir in Unmengen über die Wangen. Als er die Tränen sah, riss er geschockt die Augen auf. Das Lodern verschwand und machte Platz für Besorgnis. "Liv!" hauchte er und schien erst jetzt zu merken, was er gesagt hatte. Ich schluchzte laut auf, nahm meine Tasche und rannte raus... Erstmal brauchte ich Ruhe!

Ich ging in die Küche, um mit einen warmen Kakao zu machen. Es war gleich sowieso Pause, also war das nicht das Problem. Ich ließ meine Tasche fallen und holte Milch und eine Tasse. Ich erhitzte es auf dem Herd etwas und mischte Kakao hinein. Danach setzte ich mich an den Tisch und trank ganz langsam und genüsslich aus...

Dann machte ich mich rechtzeitig zum Philosophieunterricht auf. Marcus Raum war in der 1. Etage. Also musste ich nicht so viele Treppen hoch steigen. Auf dem Weg überlegte ich, wie ich das mit Dad verkraften sollte. Ich meinte, er hat mich angeschrien und mir mega Angst gemacht. Und das ist echt schwer!

Vielleicht wäre es das Beste, wenn wir eine Zeit lang nicht reden. Dann kann ich darüber nachdenken und er kann... Auch darüber nachdenken. Ja so wird es sein. Ich klopfte erst gar nicht an der Tür an, sondern ging so rein. Marcus stand an seinen Schreibtisch gelehnt und unterhielt sich stirnrunzelnd mit meinem Vater. Warte,... was macht der denn hier?

Back to Volterra {1} Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt