1976

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Sirius lag im Gryffindor Schlafsaal auf seinem Bett, die Füße an einen der Bettpfosten gestemmt und las liegend in irgendeinem Buch, welches Lily ihm zugesteckt hatte. Konzentrieren konnte er sich sowieso nicht, da diese Nacht Vollmond gewesen war und Remus jeden Moment zurück kommen sollte. Es waren Ferien und nur Sirius, James und Remus hatten sich entschieden, über die Ferien in Hogwarts zu bleiben, weshalb die drei Jungen den Schlafsaal für sich alleine hatten.

James lag auf seinem eigenen Bett rum, offensichtlich dachte er sich wieder irgendwelche romantischen Szenarien mit Lily aus, während auch er zusammen mit Sirius auf Remus' Rückkehr wartete. Natürlich, so wie jedes Mal baten sie ihre Hilfe an, aber Remus ließ sie nie bei ihm bleiben, auch wenn sie versprachen in ihrer Animagus Gestalt zu sein. Er verschwand für diese Nacht bloß, sperrte sich lediglich in der Heulenden Hütte ein und wartete ab.
Sirius und James hatten extra viel geschlafen, um diese Nacht wach bleiben und dann Remus bei eventuellen Verletzungen helfen zu können.

Plötzlich ging die Tür auf und eine humpelnde Gestalt stürmte rein. Remus. Sirius schmiss das Buch zur Seite, sofort alarmiert, und sprang vom Bett auf, während James sich überrascht hinsetzte.

„Rem-", begann Sirius, doch der angesprochene Junge beachtete ihn nicht einmal, sondern rannte ins Badezimmer, wo er die Tür sofort von innen verschloss. Ein einziger, besorgter Blickwechsel zwischen Sirius und James reichte, sie sprachen sich stumm ab, sodass James davonlief, um Heiltränke bei Madam Pomfrey zu holen und Sirius zum Bad ging.

„Moony? Darf ich bitte rein kommen?", er klopfte sanft an das Holz, die Angst in seiner Stimme zu unterdrücken versuchend.

„Geh weg", hörte er Remus schwach von der anderen Seite und zuckte zusammen, als ihm plötzlich der metallische Blutgeruch in die Nase stieg. Dadurch, dass seine Animagus Form ein Hund war, war auch Sirius' Geruchsinn stärker ausgeprägt.

„Remus, was geht da vor sich? Bist du verletzt?", als Antwort hörte Sirius nur, wie Remus vor Schmerzen wimmerte und es zerriss Sirius praktisch innerlich. Auf einmal kam es ihm vor, als würde der Raum sich drehen, als würden die Wände immer näher kommen. Er hörte nur noch das Rauschen seines viel zu schnell gehenden Pulses in den Ohren und Remus' gequältes Schluchzen aus dem Bad.
„Mach auf", bat er nochmal.

Sirius' Geruchsinn war von Blut penetriert, er vernahm nur Remus' leidendes Weinen, aber das Schlimmste daran war, dass er den Anderen nicht sehen, ihm nicht helfen konnte. Er war dazu bestimmt nur wenige Meter von ihm entfernt zu sein, seine Schmerzen zu hören und seine Verletzungen erahnen zu können, doch er konnte ihn nicht greifen, nicht bei ihm sein, ihn nicht halten oder beruhigen. Sirius hasste es hilflos zu sein, konnte es nicht leiden, wenn er nur zusehen konnte, wie seine Geliebten litten, es quälte ihn selber.

Er schlug mit der Faust gegen die Tür, ließ die Panik in sich die Kontrolle über die Situation übernehmen. „Lass mich rein!", rief er laut, nun garnicht mehr versuchend, beruhigend auf Remus einzureden und ihn so zu überzeugend, schließlich stand Sirius selber kurz vor einer Panikattacke.
Remus antwortete schon gar nicht mehr, sondern stöhnte nur vor Schmerzen, was Sirius Tränen in die Augen jagte. Es war eine reine Qual, einen ihm so wichtigen Menschen leiden lassen zu müssen, schlimmer als jeder Folterfluch der Welt, qualvoller als jedes Wort seiner Mutter und schmerzhafter als die Vorstellung, dass seine schrecklichsten Albträume wahr wurden. Es fühlte sich an, als würde jemand Sirius Messer in den Bauch stechen, immer wieder, bei jedem von Remus' Schluchzen ein neuer Schnitt. Sirius' Hände zitterten und durch den aufdringlichen Blutgeruch, hatte er das Gefühl, sich übergeben zu müssen oder ohnmächtig zu werden.

„Pad-", James kam reingelaufen, eine kleine Phiole in der Hand und sah seinen besten Freund besorgt an. Sirius bebte am ganzen Körper, lehnte mit dem Rücken an der Tür und drückte die Augen immer fest zusammen, wenn Remus auf der anderen Seite ein Geräusch von sich gab. James legte mitfühlend, aber gleichzeitig etwas überrumpelt, da nun beide seiner Freunde litten und der eine kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, eine Hand auf Sirius' Schulter und klopfte mit dem Knöcheln der anderen an die Tür.

drarry & wolfstar & jily oneshotsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt