Ein penetrantes Piksen lässt mich aus meinem heiligen Schlaf auftauchen. Murrend drehe ich mich um, um dem nervigen Etwas zu entgehen. Dabei fällt irgendein ein Gewicht von meinem Rücken.
"Och Manno, ich hatte gerade meinen Rekord erreicht."
"Click! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht einfach Munition auf dem Rücken meiner Patienten stapeln sollst! Sie braucht Ruhe! Raus hier, aber sofort!"
"Aber Hudson schickt mich. Er will wissen wann sie mit der Ausbildung beginnen kann."
"Wenn du weiter meine Patienten störst, braucht sie noch länger. Sag Hudson, dass er sie spätestens heute Nachmittag bekommt. Und jetzt raus hier. Aber dalli."
"Jawohl, Doc."
Schnell entfernen sich die Schritte und es kehrt wieder Ruhe ein. Doch jetzt bin ich wach. Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken wie ich hier hergekommen bin, wo hier überhaupt ist und wie ich von hier wieder wegkomme.
So vorsichtig wie möglich, um ja keine Geräusche zu machen, drehe ich mich auf den Rücken. Die Augen öffne ich nur so weit, dass ich etwas erkennen kann. Augenscheinlich bin ich in einer Art Krankenhaus. In dem großen Raum stehen auf jeder Seite an den Wänden jeweils fünf Betten und daneben ein Nachttisch. Vorhänge können für etwas Privatsphäre sorgen, doch gerade sind sie alle an die Wand geschoben. Liegt vielleicht daran, dass nur eine weitere Person mit mir hier liegt. Neugierig betrachte ich die Person genauer. So weit ich es erkennen kann handelt es sich um einen Mann. Ein militärgrünes T-Shirt lässt die kräftige Statur erahnen. An einem Bein umgibt ein Gips den Fuß und die Cargo-Hose ist hochgeschoben. Vermutlich ist er die Person, die heute Nacht den Arzt gerufen hat, als ich mich übergeben musste und zusammen geklappt bin. Der Arzt ist gerade aber zum Glück nicht da.
Vorsichtig setzte ich mich auf und lasse meinen Kreislauf in Gang kommen. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich nicht mehr die Jeans und mein weißes New York T-Shirt trage, sondern auch so eine Militärhose und ein schwarzes T-Shirt. Wann wurde ich umgezogen und warum habe ich nichts davon mitbekommen? Nicht einmal meine Socken trage ich noch. Wehe die haben auch meine Unterwäsche gewechselt!
Langsam lasse ich mich auf den Boden gleiten, nur um auch wirklich sicher zu gehen, dass meine Beine mich tragen. Auf leisen Socken schleiche in Richtung Tür. Immer ein Auge auf dem Typen mit dem verletzten Fuß. Falls ich entdeckt werde kann er mich wenigstens nicht verfolgen. Bei jedem kleinen Geräusch zuckt mein Blick zu ihm rüber. Normalerweise knacken meine Knöchel doch nicht so oft.
Endlose kleine Mäuseschritte später stehe ich endlich vor der Tür. So sanft wie möglich drücke ich die Klinke herunter und ziehe die Tür auf. Mein Stoßgebet wurde erhöht und die Tür geht ohne ein Geräusch auf. Danach hat der heilige Herr im Himmel allerdings kein Mitleid mehr mit mir. Mit einem echt-jetzt-nicht-schon-wieder-dieser-Mist Blick blickt der Schwarzhaarige von seinem Klemmbrett auf.
"Eh, is was, Doc?"
Echt jetzt? Du wurdest beim abhauen erwischt und dir fällt nichts besseres als ein Bugs Bunny Zitat ein?
"Was hast du denn anderes erwartet. Bei den Welpen ist es doch nur eine Frage der Zeit bis sie den ersten Fluchtversuch unternehmen. So dumm hat sie sich auch nicht angestellt. Nur das ich sie mit der Rückkamera meines Handys beobachtet habe, hat sie nicht bemerkt."
Lässt der, doch nicht schlafende, Mann von seinem Bett verlauten.
Immer noch guckt mich der Arzt mit diesem Bitch-Blick an. Zögerlich gehe ich zurück und mache die Tür wieder zu.
"Ha ha, geil Kleine. Ha ha."
Vor Lachen fällt er fast aus dem Krankenbett und kann sich nur noch durch seinen schweren Gipsfuß retten. Warum ich das jetzt gemacht habe weiß ich selber gar nicht. Vielleicht war es die Hoffnung, dass, wenn ich die Tür wieder auf mache, durch einen Zaubertrick die Person verschwunden ist und ich ungesehen rauskomme. Doch als der Doc die Tür von seiner Seite öffnet wird endgültig klar, dass er nicht einfach so verschwindet.
"Zurück ins Bett Hoppelhäschen. Du hast noch Bettruhe. Glaub mir, du wirst dich noch früh genug wieder zurück wünschen."
Wie ein Reh im Scheinwerferlicht bleibe ich auf meinen Platz verwurzelt stehen. Seufzend klemmt er sich das Klemmbrett unter den Arm und will mich an den Schultern zurück zum Bett schieben. Kurz bevor er mich berührt, legt sich ein Schalter in meinem Kopf um. Mit mir unbekannter Energie schubse ich ihn zur Seite und sprinte durch die Tür. Auf den Socken rutsche ich um die Ecke. Da meine Mutter mir nie erlaubt hat Eislaufen zu gehen, weil es ja angeblich viel zu gefährlich ist, bin ich immer mit meinen Socken über den Fliesenboden gerutscht, wenn sie nicht hingeschaut hat. Wenn es eine Socken-Rutsch-Weltmeisterschaft geben würde, wäre ich definitiv auf dem Podium. Wie auf Seife rutsche ich um die Ecken ohne auch nur im geringsten Abzubremsen.
"Bleib sofort stehen!"
Seid ihr schonmal angehalten, wenn ihr wegrennt und eurer Verfolger euch sowas hinterherbrüllt? Nein? Ich auch nicht. Auch wenn ich noch nicht viele Verfolgungsjagden hatte, sowas bringt ja ein hohes Verletzungsrisiko mit sich. Oder eine hohe Chance, dass man jemanden über den Haufen rennt. Pech hat man nur, wenn man versucht einen zwei Meter Riesen über den Haufen zu rennen. Mit schmächtigen fünfzig Kilo prallt man von so einem nur ab wie von einer Wand. Tut scheußlich weh und man wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit gefasst. Macht es also besser als ich und macht einen großen Bogen um solche Leute, wenn ihr weglauft.
Noch angepisster als vorhin schon, biegt der Arzt und sein wehender weißer Mantel um die letzte Ecke.
"Ich glaube du wirst nachlässig. Sonst ist dir doch nie ein Welpe abhanden gekommen."
"Sie ist mir nicht abhanden gekommen. Ich hätte sie schon noch eingeholt."
"Na klar. Ist ja jetzt auch egal. Ich wollte die Klein eh mitnehmen. Das geht doch schon oder? Die anderen Welpen sind auch durch den Test und nach dem Mittagessen geht es los."
"Wenn es sein muss. Sie gehört ganz dir. Versuch dieses Jahr nicht wieder so viele Welpen zu mir zu schicken."
Mit riesigen Pranken schiebt mich der Riese in die Richtung, in die ich flüchten wollte.
"Na, dann wollen wir mal sehen wie lange du halbe Portion durchhälts."
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Wolves- We will hunt you down
AdventureWas passiert, wenn man dem stillen Mädchen eine Waffe in die Hand drückt und ihr erklärt wie man eine Bombe baut? Richtig, sie geht zum nächsten Kiosk und holt sich so viele Süßigkeiten wie sie tragen kann. Und wenn sie nicht gerade am essen ist, so...
