Harry's Haus

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Harry

Sie küsst mich sanft, vorsichtig und abwartend. Mein Körper spielt verrückt, mir wird warm, dann wieder kalt. Meine Hände fangen an zu zittern und ich kralle sie krampfhaft in meine Jogginghose. Mein verräterisches Herz schlägt viel zu laut und viel zu schnell. Unbewusst halte ich die Luft an und meine Schultern verkrampfen sich. June zieht ihr Gesicht zurück und schaut mich fragend an. "Alles okay? Ich dachte für dich... naja... wäre es auch okay?" Ihre Wangen sind noch immer so wunderschön rot und ihre Lippen glänzen. Stell dich nicht so an Styles, als hättest du noch nie ein Mädchen geküsst. Du hast schon ganz andere Sachen gemacht. Ich kann es und ich will es. Ich kann es und ich will es. Ich versuche mich zu entspannen und wage einen neuen Versuch. Diesmal bin ich es, der den Abstand zwischen uns verringert und es fühlt sich richtig an. June wirkt überrascht fällt aber im Gegenteil zu mir nicht in einen Starre. Vorsichtig bleibt der Kuss trotzdem, nicht fordernd oder tief. Je länger der Kuss andauert umso mehr entspanne ich mich, bin sogar soweit, um mich aus meiner Starre zu lösen und meine Hand in ihren Nacken zu legen. Es scheint ihr zu gefallen, denn ein kleines Seufzen löst sich aus ihrem Mund. June riecht wie der Frühling. Ihre nackte Haut am Hals ist warm, fast heiß. Vorsichtig legt sie ihre Hände auf meine Oberarme und es ist okay. Es ist wirklich okay, außer Wärme in meinem Bauch, spüre ich nichts. Ich atme hörbar aus und ziehe sie noch etwas in meine Richtung. June bewegt ihr Hände meine Oberarme hinauf, über die Schultern bis in meinen Nacken. Ihre Berührungen sind so leicht, dass sie eine Gänsehaut hinterlassen. Es gefällt mir. Es gefällt mir wirklich sehr.

Atemlos trennen sich unsere Lippen. Stille liegt im Raum und es ist wirklich unangenehm. Wer sagt Stille kann angenehm sein, ist ein Lügner. 

comfortable silence is so overrated

Ich komme mir so blöd vor, es sollte nicht so sein. Es sollte nicht so sein, wenn man sich gerade das erste Mal geküsst hat. Wieder kommen Zweifel in mir hoch. Ich Zweifel nicht an June. Ich Zweifel an mir selbst. Ich bin nicht gut für sie. Sie hat etwas besseres verdient. Ich weiß sie tut mir gut, aber ich sollte sie nicht mit meinem Kram belasten. Es ist so falsch, ich bin so falsch. Ich bin einfach zu abgefuckt. Sie sollte nicht hier sein. Sie sollte so schnell wie möglich von hier verschwinden, bevor alles den Bach runter geht. Meine Hände schwitzen und ich schaffe es nicht meine Atmung zu regulieren. Wenn sie nicht geht, sollte ich vielleicht gehen, aber wohin? Immerhin wohne ich hier. Vielleicht sollte ich ausziehen, auf eine einsame Insel. Ohne Kontakt zu anderen Menschen. Warum habe ich mich auf sie eingelassen? Warum habe ich es so weit kommen lassen? Wusste ich doch gleich, dass ich es verbocken werde.

Sie dreht sich ein Stück in meine Richtung und ich traue mich nicht in ihre Augen zu sehen. Mal wieder bin ich zu schwach. "Harry lass das. Hör bitte auf damit." Ich öffne meinen Mund um ihr zu antworten, schließe ihn aber gleich wieder. Vorsichtig schiebt sie ihre Hand auf meine. "Kannst du mich bitte ansehen?" Langsam drehe ich meinen Kopf in ihre Richtung. Wenn sie meine Augen sieht, wird sie den Kampf sehen der sich hinter ihnen abspielt. Aber wahrscheinlich hat sie es eh an meiner verkrampften Körperhaltung bemerkt. Ich bin kurz vor einer Panikattacke. Super Styles, total perfekter Moment, um June zu zeigen was für ein toller Kerl du bist. Ich zwinge mich in ihre Augen zu sehen. "Schalte es aus Harry. Egal was gerade in deinem Kopf los ist. Dein Kopf ist dein Haus. Du allein hast die Kontrolle über dein Haus. Das ist Harry's Haus!" Sie tippt mit einem Finger gegen meine Schläfe. "Du kannst selbst entscheiden was in deinem Kopf los ist. Nur du bist der Herrscher über deine Gedanken." Mit dieser Anspielung auf meinen Namen habe ich nicht gerechnet und ich kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken. "Es ist nicht so einfach. Ich denke es ist besser, wenn du jetzt gehst." Mein Herz ist schwer, mein Kopf ist voll. Ich habe das Gefühl nicht richtig atmen zu können. "Ist es das was du möchtest? Ist es das, was dein Herz will oder sind es deine Gedanken, die dich das sagen lassen? Ich möchte nicht gehen. Ich möchte wirklich gerne bei dir sein. Kannst du deinem Kopf nicht eine Pause geben und stattdessen einfach auf dein Herz hören?" Sie sieht traurig aus. Ich möchte nicht, dass sie traurig ist. Ich kann nicht verstehen, dass sie bei mir sein möchte. Guck mich doch an. Ich bin ein Wrack. "Ich denke, dass mit uns ist ein Fehler." Ich schaffe es nicht mehr ihrem Blick stand zu halten und wende mich ab. Ich höre sie laut ausatmen. "Okay, wenn es das ist was du fühlst, ist es wirklich besser wenn ich gehe." Sie steht auf, sammelt ihre Sachen ein und geht. Da ich das letzte Arschloch bin, bleibe ich sitzen und bringe sie nicht zu Tür. Ein lauter Knall, Stille und dieses lähmende Gefühl setzt ein. June ist gegangen. Ich fühle mich beschissen, aber ich habe es einfach nicht anders verdient. Noch ist es nicht zu spät, wenigstens sie zu retten. 

Ich bin mir nicht sicher, wie lange ich hier auf dem Boden sitze. Beim Aufstehen sind meine Beine taub und wackelig. Könnte auch an der Flasche Wein liegen, die ich alleine getrunken habe. Es reicht aber nicht. Meine Gedanken sind noch immer so laut, dass ich etwas stärkeres gebrauchen kann. Ich stolpere die Treppen runter in mein Studio. In dem kleinen Kühlschrank müsste noch eine Flasche Wodka sein. Sie wird mir helfen zu vergessen. Mein Gewissen meldet sich mal wieder im ungünstigsten Moment. Du wolltest nicht mehr trinken. Du wolltest nicht mehr den einfachen Weg nehmen und deine Probleme wegspülen. Ich bin so schwach und greife zur Flasche. 

Just take the pain away

Ich flehe die Flasche im Stillen an. Nimm den Schmerz. Hilf mir. 



Touchless \\Harry StylesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt