Harry
Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Was könnte wohl in der Nachricht stehen. Es könnte alles sein. Von - ich will dich nie wieder sehen, bis - ich habe mich in dich verliebt und möchte den Rest meines Lebens mit dir verbringen. Einfach alles. Eine Nachricht die über mein Leben entscheidet. Klingt irgendwie dramatisch. Fühlt sich auch dramatisch an. Ich kann mich kaum auf die Straße konzentrieren. Mein Herz schlägt schnell und meine Hände verkrampfen sich so fest um das Lenkrad, dass meine Knöchel weiß herausstechen. Ich hasse dieses Gefühl. Ich wollte nie wieder so abhängig von einer Entscheidung sein, die nicht meine eigene ist. Vielleicht haben die anderen Recht, wenn sie sagen, June wäre nicht die Richtige. Man, warum muss immer alles so kompliziert sein? Ich sollte mich von der Vorstellung verabschieden, ein einfaches Leben zu führen. Was nützt mir das ganze Geld und der Erfolg, wenn ich am Ende des Tages wieder alleine bin? Einfach gar nichts.
Nur noch eine Kreuzung und ich bin zu Hause. Ich habe es heil nach Hause gechafft. Mein Nacken tut weh, weil ich so verkrampft gefahren bin. Ein paar mal habe ich überlegt einfach anzuhalten, um die Nachricht zu lesen. Aber ich konnte mich bremsen. Wenn sie negativ ist, wäre ich lieber zu Hause und nicht auf einem Standstreifen. Ich parke den Wagen in der Einfahrt und nehme mir nicht mehr die Zeit, um meine Golfschläger in die Garage zu räumen. Ich lass einfach alles wie es ist und gehe direkt ins Haus. Meine Schuhe fliegen in die Ecke, ich mache mir nicht die Mühe meine Jacke auszuziehen. Ich setzte mich aufs Sofa und halte mein Telefon in der Hand. Sei nicht so feige. Blafft mich meine innere Stimme an. Ich atme tief durch und streiche eine Strähne aus meinem Gesicht, die mir ständig in die Stirn fällt.
Können wir uns sehen?
June
In einem Stoß entweicht mein angehaltener Atem. Sofort rasen meine Gedanken wieder. Will sie mich sehen, um mir zu sagen, dass es nun endgültig vorbei ist oder wir zusammen in den Sonnenuntergang reiten. Ich werde es wohl nicht erfahren, wenn ich weiter dämlich auf meine Telefon starre.
Gern. Wann und wo?
H.
Meine Antwort fällt knapp aus, obwohl ich ihr so viel zu sagen habe. Ein ungutes Gefühl macht sich in meiner Magengegend breit. Ich atme noch einmal tief ein und aus und beschließe duschen zu gehen. Das wird mich auf andere Gedanken bringen und hat schon oft geholfen, solche Gefühle weg zu spülen. Ich setze gerade einen Fuss auf die erste Treppenstufe als ich mein Telefon aus dem Wohnzimmer höre. Sofort drehe ich um und gehe mit schnellen Schritten zurück zum Sofa.
Könnte in 30 Minuten bei dir sein. Ist das okay?
Okay, damit habe ich nicht gerechnet. Es muss wirklich dringend sein. Und was so schnell besprochen werden muss, ist meistens nichts gutes. Ich reiße mich zusammen und tippe nur ein schnelles: Geht klar. und verschwinde dann wirklich in die Dusche.
Nach dem Duschen fühle ich mich nicht wirklich besser. Mein Kopf tut weh und ich bin müde. Wenn Gefühle sich so anfühlen, scheinen sie einfach nicht die richtigen zu sein. Wenn man jemanden kennen lernt sollte man sich nicht so fühlen. Es sollte viel einfacher sein. So wie es jetzt ist, will ich es einfach nicht. Unser Gespräch ist wirklich dringend nötig und egal wie June sich entscheidet, so funktioniert es auf keinen Fall.
Ich entscheide mich für eine graue Jogginghose und ein schwarzes Shirt. Ich kämme mir meine nassen Haare nach hinten, putze mir schnell die Zähne, creme mir mein Gesicht ein und trage etwas Deo und Parfüm auf. Das komische Gefühl in meinem Bauch wird immer stärker. Es ist keine Nervosität. Es ist irgendetwas anderes, was ich nicht greifen kann. Mein Schädel fühlt sich an als würde er gleich platzen. Ich wühle in meiner Schublade nach einer Schmerztablette und spüle sie mit einem Schluck Wasser aus dem Hahn runter. Das letzte mal als ich eine Tablette genommen habe, war die Zeit kurz nach Paris. Mein Megaabsturz. Kurz nach dem Absturz habe ich June getroffen, die wieder Licht in mein Leben gebracht hat. Gerade fühle ich mich wie in der Zeit. Nicht mit der Panik, aber mein Körper fühlt sich genauso fertig an und der Sport den ich mittlerweile fast jeden Tag treibe, um nicht an sie und das was wir sein könnten zu denken, hilft schön lange nicht mehr und scheint auch meine restlichen Reserven zu vertilgen. Ein ständiges auf und ab. Mir geht es schlecht, dann wieder gut und wieder schlecht. Ich hasse es. Ich verdrehe genervt die Augen und werfe einen letzten Blick in den Spiegel. Augenringe und fahle Haut. Läuft. Das Klingeln an der Tür reißt mich aus dem Strudel an Gedanken. Jetzt macht sich doch etwas Nervosität breit.
Ich trete nach draußen, um June das Tor zu öffnen. Diesmal habe ich sogar an Schuhe gedacht, um nicht wieder mit nackten Füßen auf den kalten Steinen zu stehen. June tritt durch das Tor und kommt mit langsamen Schritten und gesenktem Kopf auf mich zu. Erst als sie kurz vor mir stehen bleibt, schafft sie es mich anzusehen. Ich halte die Luft an, sie sieht genauso fertig aus wie ich. Ihre Augenringe sind so tief, als hätte sie Nächte lang nicht geschlafen. Ihr wirrer Knoten aus Haaren sitzt schief auf ihrem Kopf und einzelne Strähnen stehen in verschiedene Richtungen. "Hi." begrüße ich sie vorsichtig. Ich würde sie gerne in den Arm nehmen, aber mir fehlt der Mut und ich ich bin mir nicht sicher, ob es die Situation noch unangenehmer machen würde. "Hi" flüstert sie zurück und knetet sich die Hände. "Komm rein. Ich mach uns einen Tee." Nickend macht sie einen Schritt auf mich zu. Bleibt dann aber stehen. Ich mache es nicht noch komplizierter als es eh schon ist, drehe mich um und gehe ins Haus. Ich höre wie June mir folgt und die Tür hinter sich schließt. "Ich bin kurz in der Küche. Leg ab und dann kannst du gerne im Wohnzimmer warten oder mit in die Küche kommen. Du kannst aber auch gerne wo anders warten oder einfach stehen bleiben. Unten im Studio steht auch noch ein Sofa oder du wartest oben..." "Harry, geh den Tee kochen. Ich komme klar." Gott wie peinlich. Ich plappere nie. Es muss die Aufregung und die Unsicherheit sein. Schnell gehe ich in die Küche und lass sie einfach im Eingangsbereich stehen. Sie ist nicht das erste mal hier und wird es wohl schaffen.
In der Küche angekommen wühle ich durch mein Teesortiment. Ich habe sie gar nicht gefragt, welchen Tee sie trinken möchte. Jetzt noch einmal zurück und fragen wäre auch schon wieder komisch. Mag sie lieber Früchte oder Kräutertee. Vielleicht schwarzen oder grünen Tee. Hör auf zu denken Styles. Mach einfach irgendeinen, sie wird ihn schon trinken. Ich nicke meiner inneren Stimme zu und entscheide mich für eine Kräutermischung, die mir Gemma aus ihrem letzten Urlaub mitgebracht hat. Ich entscheide mich für die große Glaskanne und gieße heißes Wasser über die lose Mischung. Die kleinen Kräuter und Blüten tanzen wild in dem Strudel aus Wasser und ich merke wie mich der Anblick etwas beruhigt. Durchatmen. So lange der Tee zieht, stelle ich Tassen und Zucker auf ein Tablett. Dazu einen Teller für das Teesieb und die Teekanne. Vorsichtig trage ich alles zusammen ins Wohnzimmer wo June auf dem Platz sitzt den sie immer wählt. Ich stelle alles auf dem kleinen Sofatisch ab, gieße ein und nehme auf der anderen Seite gegenüber von June platz. Die Stimmung ist komisch und niemand traut sich die Stille zu brechen.
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Touchless \\Harry Styles
Fanfic*** Hände, überall sind Hände die nach mir greifen. Ich bekomme keine Luft, mein Herz rast, Schweiß steht mir auf der Stirn. Mir wird schwindelig und ich falle. Es stürzen dunkle Gestalten ohne Gesicht auf mich. Hände berühren mich und ich schreie...
