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Jenna wirbelte zufrieden das Messer zwischen den Fingern. Sie war wirklich froh, Felician gefragt zu haben.
„Ich komme mit einkaufen, wenn das für dich in Ordnung ist." Er nickte.
„Okay, ähm, wir müssen jetzt wieder hier raus. Schaffst du das?"
Er konnte sich vorstellen, dass es vor allem psychisch eine Belastung war, noch einmal durch den vollen Schankraum zu gehen.
„Ich schaff das schon.", versicherte sie ihm fröhlich.
„Schlitz aber bitte niemanden auf.", lachte er und öffnete die Tür. Sicherheitshalber nahm er das Messer an sich, als sie aus der Tür hinaus in den Schankraum traten. Gem schluckte.
„Ganz ruhig, ich bin direkt hinter dir. Da drüben ist die Tür, siehst du? Geh einfach dahin, ohne stehenzubleiben.", flüsterte er ihr beruhigend zu und sie nickte, dann ging sie los. Wie versprochen blieb Felician bei ihr, doch das anhängliche Flittchen von vorhin vertrat ihm den Weg.
„Für die da hast du Zeit, aber für mich nicht?", beschwerte sie sich. Gem bemerkte das Ganze und blieb stehen.
„Ich habe meine Vorlieben.", sagte Felician knapp mit verschlossenem Blick und hoffte, dass Gem das nicht ernst nahm.
„Aber mit mir hättest du so viel mehr Spaß.", schnurrte sie und fuhr mit den Fingern über seine Brust, bis er ihre Hand abfing. Sie versuchte es weiter:
„Was kann sie denn? Ich kann gleichzeitig mit-"
„Ich will es wirklich nicht wissen!", würgte Felician sie schnell ab.
„Ich werde jetzt gehen.", verkündete er bestimmt und schob sie zur Seite, dann bahnte er sich mit Gem den restlichen Weg durch die Menge nach draußen. Er seufzte genervt auf und entschuldigte sich, während er sie leicht nach rechts dirigierte. Sie liefen den Gang entlang aus dem heruntergekommen Viertel hinaus, als Gem bemerkte:
„Du scheinst ja ziemlich herumzukommen in der Damenwelt." Dazu fiel ihm nichts ein, also schwieg er.
„Dabei hätte ich bei dir sogar gedacht, du hättest eine Freundin."
Jetzt sah er überrascht auf.
„Wieso das denn?"
„Na du spielst gerne den Retter, bist nett, siehst gut aus, kümmerst dich um deine Schwester..." Er wollte gerade ein gewinnendes Grinsen aufsetzten, als sie fortfuhr:
„Aber dann wirst du gefeuert, hast kein Geld und gehst in solche Kneipen wie den betrunkenen Stiefel, wo du dir dann immer mal eine andere anlachst. Ich weiß nicht, was ich von dir halten soll." Nachdenklich sah er auf den Boden, dann sagte er bitter:
„Vielleicht so viel wie alle anderen. Gar nichts."
„Das sehen doch nicht alle so!", protestierte sie.
„Ach, wer denn nicht? Weißt du, warum ich gefeuert wurde? Weil ich mit der Tochter von meinem Chef geschlafen habe!"
Darauf folgte betretenes Schweigen, dann antwortete sie leise:
„Deine Schwester. Für Shenni bist du ein Held." Er machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Sie versteht das noch nicht."
„Dann solltest du vielleicht dieser Held werden, bevor sie es versteht."
Jenna runzelte unter ihrer Kapuze ungläubig die Stirn. Sie kannte Felician seit zwei Tagen und gab ihm schon Ratschläge, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Er musste sie ja für total bescheuert halten. Vielleicht sollte sie das Thema wechseln.
„Ähm, was kaufen wir denn?", fragte sie, unsicher, ob er jetzt vielleicht sauer war, weil sie versuchte, sich in sein Leben einzumischen.
In Felicians Kopf hatte es gerattert. Wo kam dieser Ratschlag her? Er wusste nicht, wie alt sie war, noch hatte er je ihr Gesicht gesehen, doch er schätzte sie auf höchstens fünf Jahre älter als er selbst. Wo kamen dann solche weisen Sprüche her? Seine Gedanken wurden von ihrer Frage unterbrochen und er zog seufzend seinen viel zu leichten Geldbeutel hervor. Er öffnete ihn und betrachtete die gähnende Leere darin, dann räusperte er sich.
„Das ist tatsächlich eine gute Frage."
„Das kannst du ja entscheiden, wenn wir da sind, aber du könntest mir zeigen, wo man hier etwas kaufen kann, dann sehe ich heute auch noch etwas anderes von Fandrum."
Also führte er sie in die Marktstraße, während er seine bitteren Gedanken weiter spann. Er konnte entscheiden, was er kaufte. Wenns so aussah, gab's gar nichts. Aber er würde sie ganz bestimmt nicht um Geld fragen, so tief war er nicht gesunken, er war schließlich kein Bettler. Schon das Schwert hätte er eigentlich gar nicht annehmen sollen.
„Oh, riechst du das?", schwärmte Gem und sog den Duft nach frisch gebackenem Brot tief ein. Auch Felician schnupperte, bereute es aber, als sein Magen sich lautstark meldete. Es war fast Abend und er hatte am Morgen bereits Shennon sein Brot gegeben, Mittag und Nachmittag hatte er mit Gem verbracht, jetzt hatte er nur noch Hunger und kein Geld. Auch Gem hatte seit dem Frühstück nichts gegessen und kaufte sich nun ein knuspriges, noch ofenwarmes Brot und riss sich Stücke ab, um sie sich in den Mund zu stopfen. Sie drehte sich zu ihm um und fragte mit vollem Mund:
„Magst du?"
Felician zwang seine Augen, nicht dem Brot zu folgen und rang sich ein Lächeln ab.
„Nein, danke. Ich habe keinen Hunger."
Sein undankbarer Magen strafte seine Schauspielkünste Lügen und Gem hielt ihm das Brot vor die Nase.
„Ich möchte nicht, dass du mir etwas schenkst.", erklärte er fast trotzig.
Sie zuckte mit den Schultern und riss sich ein weiteres Stück ab, während sein sehnsüchtiger Blick dem Essen folgte. Sie schluckte und legte dann fast nachdenklich den Kopf schief, dann stellte sie überrascht fest:
„Oh! Ich habe gar keinen Hunger mehr. Ich glaube, ich schaffe das Brot nicht." Er kaufte ihr den bereuenden Ton keine Sekunde ab und schüttelte entschieden den Kopf.
„Ich nehme dein Essen nicht, Gem."
Trotzig verschränkte sie die Arme.
„Na schön. Dann halt das kurz, ich kaufe mir Käse." Mit diesen Worten drückte sie ihm das Brot in die Hand und verschwand wieder zwischen den Leuten, um sich beim Käsestand anzustellen.

JennaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt