2. Let the dream begin

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Katrina schwebte im Dunkeln. Wohlige Wärme hüllte sie ein als befände sie sich in einem kuscheligen Kokon. Sie fühlte sich an einen lauschigen Sommerabend erinnert, bei dem man selbst nach Verschwinden der Sonne noch den warmen Windhauch des Sommers auf der Haut spüren konnte. Es war angenehm sich einfach nur in der endlosen Dunkelheit treiben zu lassen und dieses anheimelnde Gefühl voll auszukosten.

Katrina fühlte sich unglaublich schläfrig und ein wenig benebelt. Was war noch einmal das letzte gewesen was sie getan hatte? Sie konnte sich nicht mehr erinnern, egal wie sehr sie sich auch bemühte. Da war nur noch ein nebeliger Dunst wo ihre Erinnerung hätte sein müssen.

Sie runzelte die Stirn. Ein ungutes Gefühl bemächtigte sich ihrer. Irgendetwas Wichtiges war ihr entgangen.

Nur was?

Plötzlich veränderte sich die Luft, die sie umgab. Die Wärme wurde intensiver, heißer, bedrohlicher.

Katrina wollte entsetzt auf keuchen, als um sie herum wie aus dem Nichts orangerote Flammen hoch züngelten und gierig nach ihren Kleidern und Haaren griffen, doch sie bekam keine Luft mehr.

Sie fasste sich an die Kehle und sank röchelnd zu Boden. Verzweifelt nach Luft ringend lag sie da, während die Hitze des Feuers sie zu versengen drohte.

Gerade als sie glaubte qualvoll ersticken zu müssen, geschah es. Ein heller Lichtstrahl durchbrach die Finsternis und tauchte sie in einen Kreis aus Licht. Die Flammen flackerten zornig, so als würden sie gegen diese Tat aufbegehren, dann wurden sie immer kleiner, ehe sie schließlich gänzlich erloschen.

Das beklemmende Gefühl des Erstickens verschwand augenblicklich und gierig sog Katrina die Luft ein, die wieder in ihre Lungen strömte.

Eine unheimliche Stille hatte sich über den Ort, an dem sie sich befand, gelegt. Schwankend erhob sie sich und blickte sich um. Da war nichts als undurchdringliche Schwärze, abgesehen von dem sanft schimmernden Lichtkegel, in dem sie stand.

Wo war sie hier? Und was zum Teufel war da gerade mit ihr geschehen? Es hatte sich angefühlt als würde sie sterben.

„Katrina."

Katrina wirbelte erschrocken herum, als sie die Stimme vernahm, die ihren Namen rief. Hinter ihr, umgeben von dem selben Licht, in das auch sie getaucht war, stand eine junge Frau gekleidet in einem cremefarbenen Gewand. Katrina kniff die Augen zusammen und sah genauer hin. Gütiger Himmel, war das etwa eine Toga?

Sie nahm die Frau näher in Augenschein und befand, dass sie aussah wie eine Nymphe, die direkt der griechischen Mythologie entsprungen zu sein schien. Ihr liebliches Gesicht wurde von kastanienbraunen Haaren umrahmt, die zu einer komplizierten geflochtenen Frisur aufgesteckt worden waren. Sie war barfuß und hatte etwas Kindliches, Unschuldiges an sich wie sie so da stand und Katrina stumm betrachtete.

Doch der melancholische Ausdruck in ihren sanften braunen Augen widersprach dem Bild der unschuldigen Nymphe. Dort stand so viel Leid und Traurigkeit geschrieben, dass es Katrina eine Gänsehaut verursachte.

„Wer bist du?" wollte sie schließlich neugierig wissen, obwohl sich ein Teil von ihr zugleich vor der Antwort fürchtete.

Das engelsgleiche Wesen vor ihr lächelte. „Ich bin Melpomene, die Muse der Tragödie."

Katrina stockte der Atem und sie riss ungläubig die Augen auf. Diese junge Frau sollte eine der berühmten neun Musen sein? Unmöglich! Die Musen gehörten ins Reich der griechischen Mythologie. Sie existierten nicht in der Wirklichkeit.

„Das kann nicht sein", stammelte sie geschockt. „Ich muss träumen. Das ist doch ein schlechter Scherz, nicht wahr? Sie wollen mich auf den Arm nehmen, habe ich recht?"

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