Katrina erwachte von dem merkwürdigen Kribbeln, das sie schon einmal verspürt hatte. Sie fluchte innerlich, als eine Woge des Schmerzes über sie hinweg rollte und kniff in stummer Qual die Augen zusammen.
Verdammt, wie lange hatte sie denn geschlafen? War es wirklich schon wieder Morgen?
Ihre Glieder zuckten, als der sanfte Lichtschein über sie hinweg rollte und die Verwandlung sich vollständig vollzog.
Einen Wimpernschlag später steckte sie wieder im kleinen Körper von Ayesha und war hoffnungslos in dem schwarzen Kleid und dem Umhang verheddert, die sie noch eben am Leib getragen hatte.
Sie fauchte wütend und versuchte sich aus dem Haufen Stoff zu befreien ohne diesen mit ihren scharfen Krallen zu beschädigen. Mühsam wand sie sich Stück für Stück unter der Kleidung hervor, ehe ihr kleines Köpfchen aus dem dunklen Stoffberg hervor lugte. Sie zwängte sich vollends heraus und schüttelte sich dann.
Noch etwas unsicher auf vier Pfoten tapste sie den Gang entlang in Richtung des großen Gewölbes, das Eriks Heim beherbergte. Am Rande des Sees angelangt setzte sie sich auf ihre Hinterpfoten, legte den Kopf schief und ließ den überwältigenden Anblick auf sich wirken. Von ihrer Perspektive aus wirkte alles noch beeindruckender und gigantischer als es ohnehin schon war.
Unglaublich was er hier unten für ein Reich erschaffen hatte. Auf sie wirkte es keineswegs düster und abschreckend, sondern besaß eine ungeahnte Anziehungskraft. Sie war fasziniert von der hohen Decke des Gewölbes, auf der sich die Reflexionen des Seewassers im Licht der unzähligen Kerzen brachen, so dass wunderschöne sich ständig veränderte Muster entstanden. Die Flammen tanzten hin und wieder im schwachen Lufthauch und tauchten die Umgebung in sanftes Licht.
Katrinas Blick schweifte zum Herzstück, der großen Orgel, die matt golden im Kerzenschein glänzte. Wenn sie daran dachte welch zauberhafte Töne er vergangene Nacht aus diesem Instrument hatte erklingen lassen, wurde ihr ganz wehmütig ums Herz. Seine Musik war so schön und zugleich so melancholisch gewesen, dass sie etwas tief in ihrer Seele berührt hatte. Aus ihr hatte die unendliche Einsamkeit gesprochen, die er empfand, und sie wünschte nichts mehr als diese Einsamkeit zu lindern.
Sie brachte einen Laut zustande, der verdächtig nach einem Seufzen klang.
Sie musste zu ihm. Sofort. In der Gestalt seiner Katze Ayesha war es ihr vergönnt ihm Trost zu spenden und ihm ganz nah zu sein. Das musste sie nutzen, um für ihn da sein. Etwas anderes blieb ihr vorerst verwehrt.
Suchend sah Katrina sich nach einer Möglichkeit um den See zu überqueren ohne nass zu werden. Einige Schritte von ihr entfernt befand sich ein schmaler Steg, der breit genug war, um es ihr in ihrer jetzigen Gestalt zu erlauben hinüber zu spazieren. Entschlossen trabte sie darauf zu und setzte dann vorsichtig eine Pfote vor die andere. Beinahe schon tänzelnd überquerte sie den Steg und gelangte sicher auf die andere Seite.
Wo Erik wohl stecken mochte? Langsam schritt sie umher und gab leise miauende Laute von sich, um ihn auf sich aufmerksam zu machen. Zwischendurch lauschte sie immer wieder gespannt, ob er auf ihre Rufe reagierte.
Dann hörte sie schließlich die ersehnten Schritte, die von seiner nahenden Ankunft kündeten. In freudiger Erwartung blickte sie mit ihren tiefblauen Katzenaugen in die Richtung aus der seine Schritte erklangen. Ihr Herz klopfte rasend schnell, als er schließlich in Sichtweite kam.
„Hey du kleine Ausreißerin, da bist du ja wieder", sagte er mit sanfter Stimme und ging vor ihr in die Knie um sie auf seinen Arm zu heben.
Katrina schmiegte sich eng an ihn und genoss die zärtlichen streichelnden Bewegungen, als er über ihr Fell strich. Sie schnurrte zufrieden und fühlte sich wunderbar geborgen. Wenn das vorerst die einzige Möglichkeit darstellte um ihm ganz nahe zu sein, dann würde sie eben damit vorlieb nehmen und jede Sekunde auskosten.
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No backward glances
FanfictionEin Mann, gezeichnet von einem grausamen Schicksal, gefangen in unendlicher Einsamkeit. Eine Frau, die alles zu tun bereit ist, um ihn aus diesem Elend zu befreien und ihm den Weg ins Licht zu weisen. Göttliche Einmischung, die alles durcheinander w...
