25. Kapitel

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A R Y A




Ich schob meine Brauen zusammen, als ich mich im dichten Wald umsah. Wir waren weder bei unserem Nachtlager noch auf Moonwater-Pack Gelände. »Wieso hast du uns nicht zu deinem Anwesen portiert?«

»Wir sind nicht weit davon entfernt, nur einige Stunden.«

Mehr sagte er dazu nicht. Ich schwang meinen Bogen über meinen Rücken und zog meinen Umhang enger. »Was ist da mit Devon passiert?«

»Ich fand ihn neben dem Ayrunfluss wieder. Bewusstlos und dem Sterben nahe. Doch weit und breit keine Wölfe zu sehen, nur ihre Spuren, die vor dem Fluss aufhörten.« Sein nackter blutverschmierter Oberkörper schimmerte leicht im Morgengrau, während er mich stumm aus brennenden Augen betrachtete. »Und als ich euch nicht am Nachtlager fand, bin ich eurem Geruch gefolgt.«

Ich verschränkte meine Hände hinter dem Rücken und unterdrückte das Bedürfnis, nervös von einem Bein auf das andere zu tappen. Ich wich seinem Blick aus. »Wie kannst du dir so sicher sein, dass es nicht Daemon gewesen ist? Immerhin waren es eindeutig Wölfe.« Die Spuren und Krallenrisse, die das Fleisch unzähliger Opfer zerrissen hatten, waren Beweis genug.

»Ich habe ihre Witterung aufgenommen. Und kein einziger Rogue aus Daemons Rudel wies Ähnlichkeiten damit auf – sie rochen alle nach Daemon selbst. Welcher Wolf auch immer diese Gräueltaten getan hat, es war keiner unter Daemons Befehl.«

»Du sagtest, mehrere Werwölfe sind verschwunden und werden vermisst. Was ist mit den Gis?«

Im Augenwinkel sah ich, wie er sich über seinen Bartschatten rieb. »Darüber weiss ich nichts.«

Was nicht verwunderlich war. Wieso sollten die Häuptlinge unserer Stämme auch einem Werwolf Berichte über ihre Angelegenheiten anvertrauen?

Ich krallte meine Hände in den Wollstoff meines Umhangs. Echinda hatte zuerst das Blut der Opfer ausgesaugt, damit sie an Stärke gewinnt, nur um dann noch mehr Werwölfe und Gis zu entführen und sie an sich zu Binden. Sie wollte volle Kontrolle. Und Kontrolle bedeutete Macht. Wenn die Legenden richtig lagen, dann würde Echinda nicht eher ruhen, bis alle Wesen ganz Semeera und Anifeira in ihren Händen lägen. »Denkst du, es kommt zu einem Krieg?«

Ruhig nickte er. »Wenn wir es nicht verhindern. Ja.«

Er war ehrlich, verheimlichte oder verschönerte mir nichts. Also schob ich meinen Stolz beiseite. Ich betrachtete die grauen Wolken vor meinem Mund, als ich tief ausatmete. »Wie lautet dein Plan?«

»Ich werde Aramis rufen. Er sollte uns helfen, und vielleicht kann er Gaia und Luna zu Rate ziehen. Derweilen werden wir versuchen zu verhindern, dass noch mehr entführt werden und herausfinden, wie wir den Blutsbund brechen können, ohne den Unschuldigen zu schaden.«

Ich konnte nichts mehr hinzufügen, ich wäre gleich vorgegangen. »Das ist ein guter Plan.« Ich knöpfte meinen Umhang zu, nestelte noch eine Weile unnötig daran herum, bis mir schlussendlich nichts mehr einfiel, was ich tun oder welches Thema ich anschneiden könnte, um dem Eigentlichen aus dem Weg zu gehen. Also hob ich meinen Kopf.

Automatisch richteten sich meine Augen auf das dunkelrote verschmierte Blut auf seiner nackten Haut und ich ballte meine zitternden Hände zu Fäusten. »Ich habe dich gerufen.« Meine Stimme war nichts weiter als ein Wispern, und ich hätte mich geschämt, sässe die Furcht um ihn nicht immer noch tief in meinen Gliedern. »Als du mir nicht geantwortet hast...« Ich schüttelte wie ein nasser Hund den Kopf, so als könnte ich damit die grausamen Bilder von meinem Kopf verbannen. »Und dann habe ich das Blut gesehen ...« Ich wendete den Blick von ihm ab. »Ich dachte... Ich dachte, du wärst in Gefahr. Ich hörte nur immer wieder deine letzten Worte...« Meine Stimme brach und ich schlug meine Hand vor den Mund, als ich zu ihm aufblickte. Tränen brannten in meinen Augen. »Und ich war so grausam zu dir.« Ich konnte genauso wenig die Schluchzer, die meinen Körper schüttelten, verhindern, ebenso wie den Tränenfluss, der mir ungehalten über die Wangen lief. »Vosheea ehsa! Es tut mir so leid!«

X E N O S | ✔️Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt