7. Kapitel

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A R Y A




Ich brauchte eine Weile, bis ich wieder wusste, wo ich war. Das Gästezimmer, das mir Xenos für die Nacht gegeben hatte, war wunderschön. Obwohl es nicht ganz so schön war, wie mein Baumhaus, das sich genau an den Baum anpasste und sich um seinen dichten Stamm schlang, war es hübsch. Es war nicht das grosse Bett oder der wunderschöne, begebbare Schrank, der mich überzeugte. Es war das riesige Fenster, das einen direkten Blick auf die satt grünen Bäume eröffnete, die vor dem Haus lauerten.

Ich trat näher ans Fenster und streckte meine Hand aus. Als hätten die Bäume mich gehört, reckten sie ihre Äste nach mir aus und ihre Blätter berührten die vor nächtlichem Frost beschlagene Scheibe. Die einzelnen Sonnenstrahlen erwärmten meine kalte Haut und langsam wurde mir wärmer. Ich war das nördliche Klima nicht gewohnt und meine knappe Lederkleidung half auch nicht gerade weiter.

Meine Finger bewegten sich und die Zweige amten meine Bewegungen nach, tanzten in der Luft. Lächelnd atmete ich tief durch und mein beunruhigter Puls kam langsam zur Ruh. Die Begegnung mit Xenos gestern hatte mir wieder einmal kurz den Boden unter den Füssen gerissen. Die ganze Nacht durch hatten mich meeresblauen Augen verfolgt und nicht mehr losgelassen. Immer noch sah ich sie vor mir. Ein stiller Sturm, der vor ungeheurer Gewalt um sich schlug und mein Herz schneller schlagen liess. Ich hatte vergessen, wie es war, in seiner Gegenwart zu sein. Ein Blick auf ihn genügte und schon kribbelte mein Körper. Diese breiten Schultern und diese kurzen blonden Haare, durch die ich nur zu gerne fahren und in alle Richtungen verstrubeln würde.

Mein Atem wurde flacher und beschlug die Fensterscheibe, als die Erinnerungen mich einholten. Feste, harte Lippen auf meinen – heiss und fordernd. Zitternd berührte ich meine Lippen, während ich immer noch in den Erinnerungen schwelgte. Er war nur ein Kuss, ein einziger Kuss. Doch so schlicht und einfach er auch war, hinterliess er eine so grosse Leere in meiner Brust, die zuvor nicht da war. Ich wollte das seine grossen Hände mich berührten, wollte diesen herrlichen Mund auf meinem.

Abrupt wandte ich mich von der Fensterfront ab. Ich wurde verrückt – völlig verrückt. Xenos war nicht anders als alle anderen Männer, vielleicht sogar schlimmer, schliesslich war er der König. Seine enorme Dominanz war förmlich greifbar, selbst wenn er sie nicht zur Schau stellte. Und dominante Männer bekamen immer was sie wollten – jedoch nicht bei mir. 

Hier zu sein, lenkte mich ab. Xenos lenkte mich ab. Und das durfte nicht sein. Mein Stamm wurde immer noch bedroht und währenddessen stand ich hier rum und dachte über einen mürrischen Wolf nach, der nichts in meinem Kopf zu tun hatte. Ich stöhnte verärgert auf. Was stellte er mit mir an? Wieso?

Ich schüttelte den Kopf, als könnte ich ihn einfach abschütteln. Ich war hier wegen einer Mission. Xenos ging mich nichts an. Er bedeutete mir nichts. Entschlossen griff ich nach der Tür und schritt nach draussen in den Gang.

Das Packhaus – oder eher Packvilla - war riesig. Es besass über hundert Gästezimmer, ein Ballsaal, Trainingsräume, eine grosse Küche im Erdgeschoss sowie mehrere kleine Küchen in jedem Stockwerk verteilt – damit sich alle Rudelmitglieder wie Daheim fühlen konnten. Es war wunderschön, nicht ganz so naturverbunden wie mein Zuhause, aber schön.

Ich tapste mit meinen nackten Füssen über den kalten Marmorboden und betrachtete die atemberaubende Landschaft durch die grossen Fenster an meiner linken Seite. Das Packhaus befand sich mitten in der rauen Wildnis, hoch im Norden, wo das riesige Territorium der Moonwater-Wölfe lag – das stärkste Pack ganz Semeera und Anifeira eingeschlossen. Das Moonwater Rudel war eines der ältesten Packs je und ich fragte mich, wie alt Xenos wohl war. Tausendjahre? Oder älter?

X E N O S | ✔️Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt