29. Kapitel

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A R Y A




Murrend nahm ich das gefühlt tausendste Buch von dem dicken Stapel, der sich auf dem Massivholztisch häufte. Schon seit Zaira und Reah gestern Morgen angekommen waren, hatten wir drei uns in die Heilkammer, die in den unteren Etagen des Pack-Hauses lag, der alten Frau verzogen und etliche Bücher durchwühlt, auf der Suche nach den passenden Lösungen für zig Blutbindungen.

Ich seufzte und schlug das leicht verstaubte Buch auf. Obwohl ich nichts mehr hasste, als unendlich lange und langweilige Paragraphe auf einer Seite zu lesen, fühlte ich mich in diesem Zimmer puddelwohl. Ich hatte die vielen Pflanzen das erste Mal, als ich in diesem Raum war und auf der kargen Schrage gelegen hatte, nicht den richtigen Respekt gezollt – sie waren wunderschön. Stechen grün mit bunten Blüten überall, wo man hinsah. Dann waren da noch die haufenweisen Elixiere und Kräuter, die mich an die Zelte der Ältesten unseres Stammes erinnerten. Und das war nicht einmal das Einzige, das mich heute glücklich stimmte. Joy hatte mir heute neue Kleidung gebracht, enge schwarze Hosen, die sich wie eine zweite Haut anfühlten und perfekt an mich schmiegten, dazu ein anliegendes marineblaues Top, das kurz oberhalb des Hosenbundes aufhörte; zwar nicht ganz so Bauchfrei wie ich es mit meinem Lederband war, dennoch fühlte sich der Lufthauch auf meiner nackten Haut fantastisch an.

Blutschwüre der Versprechen – stand in grosser Schrift auf der ersten Seite. Wie bei allen anderen Blutschwüren suchte ich nach der genauen Zubereitung des Zaubertranks, mit dem man den Schwur brechen sollte und schrieb die Zutaten sowie die genaue Anleitung auf das leicht gelbliche Pergamentblatt nieder, das vor mir auf der Ahorntischplatte lag.

Es gab etliche verschiedene Blutschwüre. Blutschwüre der Versprechen zum Beispiel, die meist vollzogen wurden, um eine Person an sich zu binden, bis sie das jeweilige Versprechen einlöste und somit aus dem Schwur treten konnte – ansonsten wäre sie verflucht dazu, all die Wünsche, die man hegte, zu erfüllen. Dann gab es noch Blutschwüre der Ehre, sowie Blutschwüre der Treue, die meist für einen Häuptling vollzogen wurde. Es gab auch Schwurbrüder und Schwurschwestern, die sich als Kampfgeschwister verewigten und dem anderen schworen, bis zum letzten Atemzug an seiner Seite zu kämpfen – etwas, das Rowtag und ich immer hatten vollziehen wollen.

Seufzend blickte ich auf die Uhr und stellte betrübt fest, dass erst drei Minuten vergangen waren, seit ich das letzte Mal nachgeschaut hatte. Kurz nach Mittag. Es dauerte noch gute drei Stunden, bis ich Georgie auf dem Trainingsplatz treffen sollte, um ihre Kampfkunst zu verbessern. Bis dahin musste ich mich wohl oder übel mit Lesen beschäftigen. Teeruk.

Nachdem ich die letzte Zeile abgeschrieben hatte, schlug ich das Buch zu und griff bereits nach dem nächsten, als jemand in der offenen Tür erschien.

»Arya. Ich muss etwas mit dir besprechen.«

Würde ich mich irgendwann an seinen Anblick gewöhnen, oder würde er mir immer die Sprache verschlagen? Ein bisschen atemlos, ihn ohne Hemd nur mit einer schlichten Hose zu sehen, bemühte ich mich die Feder niederzulegen und zu nicken, anstatt ihn weiterhin anzugaffen und mich vor Reah und Zaira zu blamieren, die ebenfalls am Tisch anwesend waren, auf der Suche nach weiteren Blutschwüren. »Ich komme.«

Ruhig, bemüht nicht zu eilig zu wirken, erhob ich mich von meinem Holzhocker und trat zu Xenos. »Um was geht's?« fragte ich und folgte ihm die getäfelten Gänge entlang.

»Um die Patrouille. Wenn wir heute Abend zu den Felswänden aufbrechen und wie besprochen den Höhleneingang besichtigten, werden wir ...«

Weiter sprach er nicht, da wir in diesem Moment eine Tür passierten und er sie rasch öffnete, mich an der Hüfte packte und uns hineinverfrachtete.

Bevor ich überrascht auf quietschen konnte, legte er mir eine Hand auf den Mund und schloss gleichzeitig die Tür hinter uns zu. Jetzt war es stockdunkel, nur der feine schein unter dem Türspalt schenkte uns ein spärliches Licht.

»Was sollte das?« mummelte ich hinter seiner vorgehaltenen Hand.

Er liess seine Hand sinken. »Du dachtest doch nicht tatsächlich, dass ich mich mit dir über Patrouillengänge unterhalten möchte?«

Ich schob die Brauen zusammen und mein Herz verkrampfte sich. »Doch natürlich. Wieso solltest du nicht?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein. Ich werde dir von etwas viel interessanterem erzählen.« Ein anzügliches Grinsen. »Oder, vielleicht zeige ich es dir lieber.«

»Oh!« Ich hatte das ganz falsch verstanden.

»Hm.« Seine Hände legten sich auf meine Hüfte und berührten meine bare Haut. »Ich habe nur von den Grenzgängen angefangen, damit Zaira nicht auf die Gedanken kommt, dass ich nicht andere, lustvollere Dinge mit dir vorhabe.«

Ich biss mir auf die Lippen.

»Ich hab mich die ganzen Stunden heute auf dem Trainingsplatz nach dir gesehnt.« Er leckte über meine Unterlippe.

Ich keuchte und presste mich an ihn. »Ich auch. Ich habe dich hier gespürt.« Meine Hand legte sich auf mein Herz. »Direkt hier.«

»Oh Baby, du wirst mich noch an ganz anderen Stellen spüren.« Seine heissen Worte, die mich am Nacken streiften, versprachen viel und als seine wandernden Hände langsam meinen Rücken hinunterwanderten und mein Po umklammerten, stiess ich einen überraschten Aufschrei aus, der mehr ein Stöhnen als etwas anderes war.

»Aber du darfst nicht zu laut werden, Kätzchen. Ausser du möchtest, dass unsere Rudelmitglieder mitbekommen, was wir hier treiben.«

Das Funkeln in seinen Augen verriet mir, dass ihm das überhaupt nichts ausmachen würde.

»Ich werde leise sein.« Ich zeichnete seine Lippen nach. »Nur eins noch.«

Er sah mich gespannt an.

»Lass mich diesmal beginnen.« Als ich mich bereits auf die Knie sank, riss er seine Augen so weit auf, dass sie fast herausquollen und als ich seine harte Erektion durch den Lederstoff seiner Hosen berührte, warf er fluchend den Kopf in den Nacken.

»Einverstanden, du darfst zuerst. Doch dann werde ich dich so hart lecken, dass du mich bis in die Morgenstunden noch spüren kannst.«

Mit einem aufreizenden Lächeln blickte ich zu ihm hoch, öffnete seine Hose und genoss es, wie sehr verletzlich er sich mir gegenüber zeigte. Der dominante Wolf lies mich gewähren und mein Herz öffnete sich ein Stückchen mehr für diesen Mann.





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