A R Y A
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Das Trainingsfeld lag verlassen vor mir. Auch wenn ich froh war, dass all das mit Echinda nun vorbei war, war es komischerweise ein trauriger Anblick, das Feld so verlassen vorzutreffen. Es mangelte an Lebendigkeit, die damit zusammenhing, dass alle an einem Strang zogen. Man hatte genau gewusst, für was man kämpfte, doch jetzt...
Ich trat aus dem Wald hinaus auf das Feld und sah das riesige Anwesen an, das Xenos gehörte. Ich musste ihn finden. Irgendwo hier musste er sich aufhalten. Reahs Worte hallten immer noch in meinem Kopf und ich ballte meine Hände zusammen, entschlossen ihren Worten nachzukommen, als ich jemand anderes auf der Wiese stehen sah.
Seine Lederweste wehte im Wind und vereinzelte dunkle Strähnen hatten sich aus seinem zusammengebundenen Knopf gelöst. Ich stiess ein kleines ersticktes Japsen aus und rannte dann bereits über das Feld in seine Arme.
»Hast du mich etwa vermisst?« fragte Rowtag lachend, nach dem er mich fest in seine Arme geschlossen hatte und mich nun an sich drückte.
»Aee, Purasu.« Eine Weile standen wir einfach so da und ich kostete die Freude aus, die mich erfüllte, weil ich wusste, dass es ihm gut ging.
»Tz, diese kleine Schlangenschlampe hatte von Anfang an keine Chance. Irgendwann hätte ich sie mit meinem Speer aufgespiesst.« gab er heiter an, als wir uns voneinander gelöst hatten und grinste sein mir allzu vertrautes, schwachsinniges Rowtag-Grinsen.
Ich boxte ihm in den Arm. »Vielleicht hätte ich dich doch dort unten verschmoren lassen. So gut wie es deinem Ego geht, könntest du noch ein paar Kratzer vertragen.«
Doch mein bemühter Witz schlug fehl und sein Grinsen verflog. »Rya, vosheea ehsa... Dort unten, in den Zellen...« Er rieb sich übers Gesicht.
Ich zog seine Hand weg. »Du musst mir gar nichts erklären, ich weiss bereits alles.«
»Ich kann mich noch genau an alles erinnern...«
»Weisst du noch, wie du die hier bekommen hast?« Ich streckte seinen Arm und zeigte auf eine Stelle seines Unterarmes, wo eine lange Narbe prangte. »Speerkunst war wohl noch nie so mein Metier...«
»Was das?« Er zog seinen Arm zurück und machte eine wegwerfende Handbewegung. »Ach, pfff... Das ist doch nichts.«
»Gut. Dann solltest du kein Problem haben, mit dem, was in der Zelle geschehen ist. Immerhin hast du mich bis heute mit Narben verschont. Und ausserdem bin ich auch nicht wirklich nachsichtig mit dir umgegangen...« Ich warf ein Blick auf seinen oberschenkel, der an meine Bogenkünste hatte glauben müssen.
»Verziehen und vergessen.«
Er schnipste gegen meine Nase, so wie er es immer tat, und ich funkelte ihn an – so wie ich es immer tat.
Dann meinte er leicht verkniffen. »Danke Rya, dass du mich da rausgeholt hast.« Eine leichte Röte breitete sich auf seinen Wangen aus.
Meine Mundwinkel hoben sich. Ich war so froh, dass er endlich zurück war, hier bei mir, so wie er es schon mein ganzes Leben lang war. Ich streckte ihm meinen Kleinfinger hin. »Beste Freunde, weisst du noch?«
Er verhakte seinen Kleinfinger mit meinem und einen Moment lang sah ich ihn vor mir, wie er mir zum ersten Mal seinen Kleinfinger reichte und mich dabei ernst angesehen hatte. Er versprach das Gleiche, wie auch schon achtzehn Jahre zuvor. »Beste Freunde. Für immer.«
Er neigte langsam seinen Kopf, seine Augen fest auf mein Gesicht gehaftet. »Rya... Ich...«
»Schön dich auch wieder zu sehen, du Dummkopf, der sich einfach einfangen liess.«
Der strube Augenblick, der gerade noch geherrscht hatte, verrauchte unverzüglich.
»Nun, ich wollte schon immer mal den Norden erkunden, weisst du.« schoss Rowtag zurück, doch seine ernste Haltung währte nicht lange und die zwei Trottel zogen sich in eine männliche Umarmung, die aus Schulterklopfen und Gegröle bestand.
»Chief, wir haben da etwas, das dich vielleicht erfreuen könnte.«
Ich blickte Cha'tima missmutig an und verschränkte meine Arme. »Cha'tima, wievielmal denn noch. Nenn mich nicht so.«
Doch er lächelte nur. »Wir sind Stamm. Wir sind Familie.«
Rowtag, der sich zu mir gebeugt hatte, flüsterte: »Ich hab dich gesucht, sobald du verschwunden bist. Wir haben alle keine Sekunde an dir gezweifelt.«
Cha'tima hob eine Holzschüssel hoch und wölbte anreizend seine Brauen. »Also, der Stamm und ich haben uns etwas überlegt.«
Ich schnappte nach Luft, als etwas in mir Klick machte. »Erzähl es mir später. Ich muss etwas in Ordnung bringen.« Ich war ausgetickt zuvor in der Höhle, hatte nichts mehr klarsehen können, die Schmerzen der Erinnerungen, der Vergangenheit hatten alles in mir beschlagnahmt. Aber jetzt nicht mehr.
Obwohl das Verlangen, mich aus diesem mittlerweile verunstalteten bordeauxroten Kleid zu schälen, fast übermächtig wurde, siegte der Drang, ihn zu finden. Ich rannte durch die Eingangshalle, wo Georgie mich mit weit aufgerissenen Augen anglotzte und dann in die Richtung des Zwischentrakts zeigte. »Im Wintergarten.« sagte sie und sah mir dann nach, als ich auch schon mit einem kleinen Danke davonstürmte.
Die kühle Abendluft stieg mir in die Nase, als ich den Arkadentrakt durchquerte und die schwere Glastür zur Kuppel öffnete. Ich wischte den Blättervorhang beiseite und trat hinein in eine andere Welt. Mit einem leisen Klicken schloss sich die Tür hinter mir und ich drehte mich atemlos um meine eigene Achse. Wow. Es war überwältigend.
Schmetterlinge, die Gaia sei Dank nichts mit der Petaloudaart am Hut hatte, flogen durch das dichte Gestrüpp, zwischen den Lianen und dem Gebüsch hindurch. Riesige Bäume, die bis an die Decke reichten und dichtes, sattgrünes Unterholz, dass mich so sehr an meine Heimat erinnerte, das Tränen in meine Augen stiegen. Schwüle, dicke Luft, die sich schwer auf mich legte und einen zarten, feuchten Schimmer heraufzauberte. Ich sog die Luft tief in meine Lungen. Geruch nach Dschungel.
Ich lächelte. Es war wunderschön.
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X E N O S | ✔️
Werewolf*ABGESCHLOSSEN* ➳ ZWEITES BUCH DER " a mate's call " SERIE ➳ (Kann unabhängig vom 1. Teil der Serie gelesen werden) Sturmblaue Augen, blonde zerzauste Haare und eine mürrische verzogene Miene. Er ist der König der Werwölfe. Er ist der Mann, d...
