23. Kapitel

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D E V O N





Ich lauschte dem Rauschen des Ayrunflusses, der sich nicht weit von hier befinden musste und genoss den kühlen Nachtwind, der mich streifte, während ich an das dachte, was Xenos und Reah zusammen besprochen hatten. Ich kannte mehr Werwölfe, als ich an den Finger abzählen konnten, die ihr ganzes Leben lang auf ihren Mate - auf den einen Seelenpartner, den man zu lieben auserwählt wurde - gewartet hatten, nur um dann bevor sie ihn gefunden hatten, zu sterben. 

Ich schlenderte durch den Wald und warf einen der vielen Kieselsteine, die ich in der Hand hatte, in die Ferne. Wenn das stimmte, was Reah behauptet hatte – und bei den Monden, ich glaubte es ihr - dann gab es noch eine andere Option für mich. Ich könnte selbst entscheiden, wen ich mir als Gefährtin nehme, ich könnte sie bewusst zu meiner Frau machen – unsere Seelen auf immer verbinden.

Ich warf den nächsten Stein in das dichte Unterholz und grinste. Scheisse ja! Ich würde nicht mehr dumm wie trübes Bohnenstroh herumsitzen, ich hatte einen Plan. Einen Plan, in dem Joy und ich endlich eine Zukunft hatten. Wir mussten uns nicht mehr zurückhalten.

Mein Mund verzog sich zu einem Lächeln bei dem Gedanken und als ich sie vor mir sah, mit ihrem hübschen braunen Pferdeschwanz und ihren grossen Augen, die zu leuchten begannen, wenn sie zu mir hochsah, wurde es grösser. Ich konnte Joy zu meiner Gefährtin machen - endlich.

So tief in meine eigenen Gedanken eingetaucht, roch ich die Gefahr hinter mir nicht. Zu spät erst hörte ich das Trommeln von Tatzen auf der Erde, als ich auch schon gewaltig zurückgerissen wurde. Ich brüllte auf, als mein Schädel vor Schmerz explodierte und meine Sicht schwarz wurde.









X E N O S





Die Zweige knirschten bei jedem Schritt, den ich über den moosbewachsenen Waldboden setzte. Ich wäre leiser gewesen, wäre ich nicht so sehr in Gedanken versunken. Nach der Besprechung heute hatte ich keine Zeit gehabt, um mit Devon alleine zu sprechen. Hatte er schon Neuigkeiten über den Attentäter gefunden, den Arya letzte Nacht verletzt hatte? Ich öffnete knurrend meine Fäuste und streckte meine Finger. Es musste ein Gi sein. Welcher Werwolf würde sich sonst die Mühe machen, das Petaloudagift aus dem Süden zu besorgen, und dann eine Gikriegerin umzulegen – ohne Grund? Ich schüttelte den Kopf. Nein, es war jemand den sie kannte. Arya war eine sture, willensstarke Frau. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann würde sie es auch genauso verfolgen – egal wer etwas dagegen hatte. Mein Wolf reckte sich stolz bei der Stärke dieser Frau und schnitt ein wölfisches Grinsen. Dennoch... Sicherlich hatte sie schon einigen Leute damit den letzten Nerv geraubt.

Sobald ich diesen törichten Krieger gefunden hätte, der es gewagt hatte, etwas zu verletzten, das mir heilig war, würde ich-

Ich erstarrte zu Eis, als ich den markerschütternden Schrei hörte. »Devon?«

Nichts.

Ich rannte los. »DEVON!« Doch egal wievielmal ich seinen Namen schrie, er gab mir keine Antwort. So schnell ich konnte jagte ich durch den Wald, folgte seiner Witterung, als ich plötzlich etwas anderes in der Luft roch. Abrupt kam ich zum Halt, und meine Augen huschten durch den Wald, bis ich es gefunden hatte. Einzelne Bluttropfen auf einem grossen Felsbrocken. Ich witterte erneut - eindeutig Devons Blut.

Abermals schlug sich mein Wolf gegen sein Gitter und diesmal hielt ich ihn nicht auf. Breitwillig nahm ich die Wut an, die durch meine Adern flutete, öffnete die tief verschlossenen Türen und hörte das Reissen meiner Kleidung, als ich mich wandelte. Sei gewarnt Daemon, niemand rührte mein Pack an.








A R Y A




Reahs Beine baumelten genauso wie meine in die Tiefe, als sie sich in eine Astgabel neben mich hingesetzt hatte. »Kann ich dich kurz sprechen?«

Ich nickte. 

»Nun, es gibt da etwas, dass du über Xenos wissen solltest.« Sie lehnte sich an den Baumstamm und wollte schon etwas hinzufügen, als die Stille durchbrochen wurde.

Sobald ich den Schrei gehört hatte, war ich bereits auf dem Waldboden und riss mir Köcher und Bogen über den Rücken. Dann rannte ich, ohne auf Reah zu warten, in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Übernatürlich schnell tapsten meine nackten Füsse über den kalten Waldboden, wichen jedem Strauch und Zweig aus, während ich die Äste der Tannen herbeirief und mich wie ein geschickter Affe immer einen grossen Sprung weiter schwang – Reah die ganze Zeit neben mir. Gekonnt huschte sie über die Äste und sprang von Baum zu Baum, ihren Speer fest im Griff, doch es war nicht genug. Wir waren nicht annähernd schnell genug.

»XENOS!« schrie ich, während ich keinen meiner Schritte verlangsamte. Eine eisige Hand um mein Herz. »XENOS!«

Stille.

Ich rannte weiter, bis ich schlitternd zum Stehen kam. Das Brennen meiner Fusssohlen, die sich an den kleinen Zweigen und Ästen auf dem Boden aufgeschnitten hatten, ignorierte ich, als ich auf die dunkelroten Blutflecken auf dem Gestein starrte und die Hand um mein Herz zudrückte.

Reah trat neben mich. »Wir werden sie finden.«

Doch das erdrückende Gefühl wich nicht aus meinen Knochen. Immer wieder hörte ich die letzten seiner Worte an mich.

Du könntest nie nichts für mich sein.

Wie hatte ich mich ihm gegenüber nur so kalt verhalten können? Das waren seine letzten Worte an mich, und was hatte ich ihm gesagt? Nichts. So kühl wie die tiefsten Orte das Fyrsaldwaldes hatte ich ihm den Rücken zugedreht und ihm kein Wort geehrt. Das würde ich mir nie vergeben.

Eine tödliche Ruhe breitete sich in mir aus. »Ich bring ihn um. Wenn er ihn mir wegnimmt, bring ich ihn um.«

»Hey« Reah legte ihre Hand auf meine Schulter. »Xenos ist stark, er ist der König. Er wir nicht verletzt. Und Devon auch nicht.«

Ich nickte und fand mich dabei, nach meinem Bogen zu greifen, als ich ein Heulen hörte und den brennenden Schwall sah, der durch das Dickicht schoss, gefolgt von zig Wölfen, die dem Heulen nachrannten.

Ein grauenerregendes Grinsen schmückte meine Lippen. Aee, rennt weg. Denn sobald mein Pfeil angelegt wäre, würdet ihr umfallen wie tote Fliegen.


X E N O S | ✔️Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt