65. Kapitel

6.5K 225 123
                                        




A R Y A







Ich liebte es, ihn zu beobachten, während er schlief. Er sah immer so entspannt aus. Seine Gesichtsmuskulatur vollends gelockert und seine Hände leicht geöffnet. Ich war die ganze Nacht kontinuierlich aufgewacht, bereit, ihn aus seinen Alpträumen aufzuwecken, doch er schlief ruhig neben mir weiter. Seine Arme um meine Hüften geschlungen, tiefe regelmässige Atemzüge und ein gemächlicher Herzschlag. Sowie jede Nacht vor dem Einbruch, die ich bei ihm verbracht hatte. Zwar würde ich die nächsten paar Nächte ein Auge auf ihn haben, doch ich war mir fast zu hundert Prozent sicher, dass ihn seine Dämonen nicht verfolgten, solange ich bei ihm war. Solange er mich in Sicherheit wusste.

Lächelnd fuhr ich mit meinen Fingern über seinen nackten Oberkörper und genoss das leise Vogelgezwitscher im Hintergrund, das die kleine Lichtung erfüllte. Wir langen nach wie vor auf der Blumenwiese. Seine gebräunte Haut glänzte in den zarten morgendlichen Sonnenstrahlen.

Gestern hatte ich mich noch gefragt, ob wir es jemals wieder hinbekommen konnten. Sein Eigenhass dem gegenüber, was er getan hatte, ruhten schwer auf ihm; drohte, ihn zu verzerren. Unterdessen lag mein Vertrauen in Trümmern, obwohl ich versuchte, einen Stein nach dem anderen wieder aufzubauen. Ich hatte mich gefragt, ob nicht einfach zu viel kaputt gegangen war. Ob der Schmerz all der Verletzungen und Wunden, die wir uns gegenseitig angetan hatten, zu tief reichten.

Aber hier in seinen Armen, weigerte ich mich, diesen Zweifeln nachzugeben und ihnen leichtfertig Gehör zu verschaffen. Ich hatte ihm einen Schwur geleistet, und ich würden ihn nicht brechen – keiner von uns würde das.

Er hatte mein Gesicht in seine Hand genommen, seinen Daumen über meine Kinnlinie gestrichen und sich dann ganz langsam zu mir heruntergebeugt. »Ich würde doch nie Hand an dich anlegen.« Tief erschüttert hatte er meine verfärbte Haut geküsst. »Ich würde doch nie mein Kätzchen schlagen.«

»Ich weiss.« hatte ich gesagt und mir gewünscht, ihm jegliche Schuldgefühle von der Seele nehmen zu können. Anstelle dessen hatte ich ihm einen leichten Kuss auf seine Brust gehaucht, genauso, wie ich es jetzt gerade tat. Mein Mund legte sich auf seine warme Haut, versuchten ihm so viel Liebe wie nur möglich einzuhauchen, während ich meine Hand mit seiner verschränkte, sodass die neu zustande gekommenen Symbole aufeinander zu liegen kamen. Die braunen, sanften Linien des Symbols der Zusammengehörigkeit und der Liebe hatten sich in unsere Haut gebrannt, sowie auch in mein Herz. Ich würde ihm schon noch beweisen, dass nicht immer alles seine Schuld war, dass er nicht für alles die Verantwortung übernehmen konnte. Anschliessend legte ich mich so hin, um genau seinem Herzschlag lauschen zu können, als ich eine Hand an meinem Nacken spürte.

»Morgen.« raunte er heiser, während seine Hand an meiner Hüfte sich fester in meine nackte Haut grub. Er rieb mit seinem Daumen über die empfindliche Bissstelle an meinem Nacken. »Gut geschlafen?«

Ich veränderte meine Position so, dass ich zu ihm hochsehen konnte und erschauderte unter dem Blick, den er mir zuwarf. »Hm. Du?«

»Hm.« Er packte mich an der Taille und zog mich mit einer Leichtigkeit, als wäre ich nichts weiter als ein Federgewicht, ganz auf seinen Körper. Denn strich abermals seine Hand hoch zu meinem Hals und schloss sich um ihn. Sehr besitzergreifend. Seine strahlend blauen Augen blitzten auf. »Küss mich, Kätzchen

Wir lagen beide nackt da und so spürte ich den unbestreitbaren Beweis seiner Lust an meinem Bauch. Ich reckte mich hoch und folgte seiner Bitt. Meine offenen, eingeflochtenen Haare fielen wie ein Vorhang um uns herum, als sich unsere Lippen trafen.

Er stöhnte leise und drückte mich noch mehr an sich. Dann leckte er über die Markierung. »Du fühlst dich so gut an. Wenn ich könnte, würde ich dich hier und jetzt nehmen.«

X E N O S | ✔️Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt