14. Kapitel

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X E N O S




Hart schlug meine Faust gegen seine Rippen. Wir hatten das langwierige Umrunden und die getäuschten Angriffsversuche übersprungen und waren gleich zur Sache gekommen. Mein Wolf fletschte die Zähne, doch ich drängte meine Krallen, die bereits unter meinen Fingerkuppen lauerten, zurück, stattdessen wich ich dem Hieb meines Gegners aus und versetzte ihm dann einen festen Schlag gegen sein Kinn. Nicht so fest, dass es gebrochen war, dennoch genug, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn so zu Boden zu wuchten.

Um meine Selbstbeherrschung stand es schlecht, sie hing an einem einzigen Faden und mein Wolf gierte danach, auszubrechen, doch die wilden dunkelgrünen Augen, die sich bereits in die eines Wolfes verwandelt hatten, hielten mich davon ab, diesen dünnen Faden zu zerreissen.

Ich hielt ihn drei Sekunden am Boden fest, gab ihn dann frei und rollte mich auf die Seite. Beau knurrte bereits, und sein schockobraunes Fell überlagerte leicht seine Haut. Ich liess mein Wolf an die Oberfläche. «Beau!»

Erst als ich meine ganze Dominanz in diesen Befehl steckte, blinzelte er und das Fell verschwand. Die Wolfsaugen blieben jedoch. Abrupt sass er auf und rieb hektisch über sein Gesicht. «Scheisse sorry, wird nicht wieder passieren.»

«Keinen Grund, dich zu entschuldigen.» erleichtert lehnte ich mich an den Baumstamm und genoss die morgendliche Kälte, die in meine Glieder kroch. Meine Hand fuhr bereits durch meine Haare, bevor ich es verhindern konnte. Noch so ein Zeichen meiner mangelnden Selbstkontrolle.

«Hats denn wenigstens was genützt? Du wirktest gestresst.»

Ich schwieg. Beau stand auf der Kippe. Gefährlich nahe, dem Wahnsinn zu verfallen und sich seinem Wolf vollständig hinzugeben. Seine ganze Vergangenheit war mir nicht bekannt, doch ich wusste, dass er ein paar schlimme Dinge erlebt hatte. Mein Pack hat ihn gefunden, als er ein kleines Wolfsjunge war - kaum elf Jahre alt. An sich nichts weiter als ein paar Knochen und ein Fell, durchtränkt von Blut. Es hatte Monate gedauert, bis er sich zurück in seine menschliche Gestalt gewandelt hatte. Wenn er jetzt jedoch jemals wieder so nahe dem Abgrund wäre, dann würde er nicht mehr zurückfinden. Und diese Prügelei heute Abend, half ihm nicht gerade dabei, genau das zu verhindern. «Ich hätte es nicht so weit kommen lassen sollen.»

Er schüttelte den Kopf und biss seine Zähne zusammen. Ärgerlich blickte er mich an. «Bullshit. Genau dafür ist das Rudel da. Wenn du eine Tracht Prügel brauchst, dann geb ich sie dir. Und du machst das gleiche für mich.»

Vielleicht waren wir nicht Blutsverwandt, doch das Pack war eine Familie. Und genau deswegen, musste ich verhindern, dass Beau noch weiter abrutschte. Ich runzelte meine Stirn. «Ich glaub deine Wahrnehmung ist leicht verzerrt. Wer sitzt denn hier bitte schön mit einem blauen Kiefer?»

Er boxte mich lachend in die Schulter, hielt sich dann jedoch stöhnend seinen geschwollenen Kiefer. «Scheisse Alter, seit wann hast du denn so eine starke Rechte?»

«Seit du denken kannst.» Ich lehnte meinen Kopf an den Baumstamm, schloss die Augen und genoss die leichten Sonnenstrahlen. Was würde ich nur dafür geben, jetzt einen Schluck von Reahs scheusslichem, aber starkem Alkohol zu haben. Die Erinnerungen waren letzte Nacht zurückgekommen, hatten mich durch den Schlaf gejagt. «Wir sollten wieder zurück.»

Beau seufzte. «Vielleicht sind Arya und Joy ja auf mehr gestossen.»

«Vielleicht.» Vielleicht aber auch nicht. Wen wollten wir überzeugen? Es war nun schon eine Woche vergangen, ohne die geringste Spur von Rogues. Es war, als wären sie plötzliche verschwunden, vom Erdboden verschluckt. Keines unserer Packs hat weder sie, noch ihre Spuren gesichtet und die nächtliche Patrouille kam ebenfalls mit leeren Händen zurück. Und unsere täglichen Erkundungen durch die verlassenen Gebiete des nördlichsten Waldes Fyrsald, nahe der Skihla Felswände, in denen kein Pack hauste, waren ebenfalls trostlos.

X E N O S | ✔️Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt