A R Y A
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Es war eine Galerie. Abertausende von Stöcken, die sich dem Himmel emporreckten und übereinander aufstapelten. Und auf jeder Etage befand sich eine Zelle nach der anderen. Ich konnte nicht sagen, auf wie vielen Stockwerken die Käfige belegt waren, doch soweit ich sehen konnte, waren es viele – sehr viele. Ich klammerte mich um das Stahlgeländer und bückte mich gerade so sehr über die Brüstung, um hinunter zu schauen. Doch weder sah ich Xenos noch Aramis. Wo waren sie? Hatte ich falsch gezählt?
»Hier oben.« ertönte eine gedämpfte Stimme.
Ich verrenkte meinen Hals und sah nach oben, blinzelte gegen das Mondlicht an, das durch die runde kraterartige Öffnung an der Felsdecke hindurchschien und die Galerie beleuchtete. Aramis lehnte sich wie ich an die Brüstung, dann löste er das dicke, robuste Seil, das er sich um seinen Oberkörper geschlungen hatte und warf es zu mir herunter.
»Ist Xenos bei dir?« fragte ich, als ich das Seil ergriff und hochkletterte.
Aramis beschleunigte den Prozess, indem er mich zu sich hochzog. »Nein.«
Ich sprang über das Geländer und sah mich in dem umlaufenden Gang seines Stockes um.
»Ich bin sicher, dass er jeden Moment auftaucht.« Er wickelte das Seil um und schlang es sich wieder über den Rücken. »Beilen wir uns.«
Er hatte Recht. Xenos war ein Werwolf, ein Soldat, er hatte sich bestimmt nur verspätet. Ich schob das ungute Gefühl im Magen zur Seite und folgte Aramis zu den Zellen.
Er fluchte. »Silber!« stiess er zischend aus, wobei er die Gitterstäbe losliess, als seine Haut aufglühte. »Diese Schlange muss auch an alles gedacht haben.« murrte er genervt, steckte dann jedoch eine Nadel in das Schloss und tüftelte mit gekonnten, schnellen Bewegungen an dem Verschluss herum.
Währenddessen zog ich meinen Bogen von den Schultern, legte einen Pfeil an und machte mich an meine Aufgabe, die darin bestand, Aramis den Rücken frei zu halten und jeden Dämon, der aus den Gängen flitzte, zu erschiessen, bevor dieser alarmschlagen konnte.
Mit leisen Schritten näherte ich mich der Brüstung, damit ich die Übersicht über die gesamte Galerie, sowie über alle Höhleneingängen, hatte, die zu den Zellen führte, während ich die Sekunden immer weiter abzählte und mich fragte, wo Xenos blieb.
Die geplante Ablenkung von Reah, Beau und Arrow würde nicht mehr lange für genügend Wirbel sorgen, um die restlichen Dämonen von uns abzuhalten, und Echinda würde von uns Wind bekommen. Wenn wir nicht schnell genug waren, könnte dieser gesamte Einbruch blutig werden.
Weitere Sekunden verstrichen. Wo war Xenos bloss?!
Ein kurzer Blick zu Aramis, der immer noch mit dem Schloss beschäftigt war, als etwas Anderes meine Aufmerksamkeit ersuchte. Ich hatte die Gefangenen in den Käfigen zu ignorieren versucht, doch als ich nun neben den aufgereihten Zellen vorbeilief, sah ich jemand, der nicht hier drin sein sollte.
»Rowtag?« Ich rannte die letzten Schritte zu seiner Zelle. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich meinen Kindheitsfreund am Boden gekauert wiederfand. Sein Haar war wie immer zu einem Knoten gebunden und er trug seine geliebte Lederweste. Ich krallte meine Hande um die Gitterstäbe und die Kälte des Stahls kroch in meine Knochen. »Rowtag, bist es du?«
Sein Kopf hob sich und er erstarrte. »Rya?«
Ich keuchte. »Was ist passiert?« fragte ich leicht hysterisch, stülpte mir meinen Bogen über meinen Rücken und rüttelte gleich darauf an dem Schloss.
Rowtag wollte aufstehen, doch er stürzte gleich wieder zu Boden. Sein Bein war verletzt. »Arya, hol mich hier raus!« Seine Augen wirkten gross und gehetzt. »Bitte, du musst mich hier befreien.«
Mein Puls raste. »Ich hol dich hier raus, versprochen.« Zitternd versuchte ich wieder, das Schloss zu knacken, mit nichts weiter als meinen Händen. »Aber wir müssen zuerst herausfinden, wie wir das hier aufkriegen. Weisst du, wie es aufgeht?«
»Nein.« Rowtag schüttelte den Kopf und kroch mühsam in meine Richtung, als plötzlich die Zelltür aufflog.
»Wie in Gaias Wille ... ?« überrumpelt starrte ich das offene Schloss an, hatte jedoch nicht genug Zeit, mir weiterhin darüber Gedanken zu machen, da ich ein schmerzerfülltes Röcheln hörte. Ohne länger zu warten, eilte ich zu ihm in den Käfig. Der raue Gesteinsboden riss meine engen schwarzen Stoffhosen auf und verbrannte meine Haut, als ich darüber schlitterte.
Ich wischte ihm zitternd die schweissnassen Haarsträhnen, die sich aus seinem Knoten gelöst hatten und nun an seinem Gesicht klebten, weg. »Komm, hoch mit dir.« Ich fasste ihm unter die Arme und versuchte ihn auf mich zu hieven, aber man, seit wann war Rowtag so schwer? Ich konnte im bläulichen Licht seine Rippen sehen, die unter seiner Lederweste hervorblitzten, und obwohl er abgemagert aussah, war es, als ob ich einen Riesen versuchte, aus der Zelle zu schleifen.
Schnaufend hatte ich gerade meine Hand an seine Hüfte gelegt, um sein Gewicht besser auf mich zu wuchten, als drei Dinge auf einmal passierten. Rowtag schoss aus meiner Umklammerung, zog mein Schwert aus der Scheide und schubste mich dann mit solch einer Mächtigkeit nach hinten, dass ich brutal gegen die Steinwand schmetterte. Hart schlug mein Kopf gegen den kalten, nassen Felsen und ich stöhnte. Meine Hände klammerten sich um meinen Schädel, damit sich endlich alles aufhörte zu drehen und der heftige Schmerz verflog, der wie eine Klinge mein Gehirn durchwühlte. Doch so einfach war das nicht und ich musste den dumpfen Schleier des Leid wegblinzeln, um Rowtag einigermassen anzusehen.
Er war gerade aufgestanden und hatte das Tor geschlossen. Klick, hatte es gemacht, als das Schloss einrastete. Er hatte mich eingesperrt.
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X E N O S | ✔️
Werewolf*ABGESCHLOSSEN* ➳ ZWEITES BUCH DER " a mate's call " SERIE ➳ (Kann unabhängig vom 1. Teil der Serie gelesen werden) Sturmblaue Augen, blonde zerzauste Haare und eine mürrische verzogene Miene. Er ist der König der Werwölfe. Er ist der Mann, d...
