vor einem Sonnenumlauf
A R Y A
➳
Vater hatte Recht. Es war eine dumme Idee, hier her zu kommen. Dumm, impulsiv und unüberlegt. Dennoch war sie ehrenvoll – jedenfalls aus meiner Sicht, nicht aus der meines Chiefs. Ich hatte nie viel mit Werwölfen zu tun gehabt, ja hatte sie sogar eine Zeit meines Lebens gehasst. Doch damals war ich erst fünf Jahre alt gewesen, konnte den Unterschied zwischen wild gewordenen Werwölfen, die man als Rogue bezeichnete und normalen Werwölfen, nicht unterscheiden, hörte nur auf die Worte meines einzigen Familienmitgliedes, das mir noch geblieben war. Selbst nach all den 17 Sonnenumläufen, die vergangen sind, verabscheute mein Vater sie immer noch genauso sehr.
Ich nahm einen tiefen Atemzug, straffte meine Schultern und richtete meinen kurzen Lederrock, während ich die schwere Holztür vor mir anstarrte. Vielleicht war es nicht die Tat, die man von der Tochter eines Häuptlings erwartete und vielleicht hätte ich meinem besten Freund Bescheid geben sollen, was ich zu tun plante – falls denn einige dieser Werwölfe dennoch beschlossen, dass ich lecker aussah. Ich verdrehte selbst die Augen über meine Lächerlichkeit. Ob es nun die richtige Entscheidung war oder nicht, Tatsache war, dass der Halbgott namens Serdas eine riesige Armee von Dämonen auf uns hetzen würde, sollten wir uns weigern, uns seiner Kontrolle und Herrschaft zu unterwerfen. Also gab es im Grunde keine Wahl, entweder ich schlug mich auf die Seite des Lycans oder mein Stamm würde dem masochistischen Halbgott Serdas in die Hände fallen.
Ich schulterte meinen Bogen, den ich mir um den Rücken geschlungen hatte, öffnete die Tür und trat in den Versammlungsraum.
»Informiert all eure Soldaten und gibt ihnen die jeweiligen Anweisungen, was zu tun ist.« Der Lycan stand vor einem grossen ebenholzfarbigen Tisch, um den sich eine ganze Meute von Werwölfen und Engel versammelt hatten. Mit entschlossener und finsterer Miene fuhr Aramis fort: »Wenn wir alle zusammenhalten, werden wir eine Chance haben, Serdas wird uns nicht noch einmal besiegen!«
Ich schloss, ohne ein Ton zu verursachen, die Tür hinter mir und näherte mich der Menge. Die feine, kleine, weisshaarige Wölfin stand nah neben dem Lycan und ich erkannte sie sofort wieder. Zaira.
Neben ihr stand die einzige Gi, die es neben mir in diesem Saal noch gab. Es gab kaum ein Gi, der sie nicht kannte, immerhin war sie schon Jahrhunderte alt und besass ein grosses Wissen, dem sogar unsere Ältesten im Stamm nicht das Wasser reichen konnten.
»Wir folgen dir bis in den Tod.« Ein grimmig hervorgestossener Schwur unsagbarer Loyalität.
Ein Schauer huschte meine Wirbelsäule hinab und meine Augen fanden augenblicklich den Werwolf, zu dem die tiefe, heisere Stimme gehörte. Er stand breitbeinig da, seine Arme vor der Brust verschränkt, sodass seine Muskeln deutlich hervortraten und sich wölbten. Er war um einiges breiter und muskulöser als der Lycan, verströmte eine Dominanz, die sogar ich spüren konnte.
Wer war dieser Mann, mit den traumhaft schönen saphirblauen Augen und blonden Haaren? Kaum huschte dieser Gedanken durch meinen Kopf, erschrak ich ab mir selbst. In Gaias Wille, was tat ich hier? Starrte einen Wolf an, wie das pubertierende Mädchen, das ich nie war. Ich schüttelte meinen Kopf und richtete mich auf. Solche Ablenkungen waren etwas für Rowtag, nicht für mich. Ich war eine Kriegerin, angehender Chief. Ich nickte. Genau.
Ich räusperte mich laut genug, um die Aufmerksamkeit der Wölfe neben mir zu wecken und fuhr dann mit erhobener Stimme fort, um den ganzen Saal zu erreichten: »Zeris atek Zeris!«
Die Menge fuhr auseinander und alle Augen lagen auf mir, dennoch spürte ich ein gewisses Augenpaar insbesondere. Es kribbelte in meinem ganzen Körper, und alles in mir schrie mich an, meinen Blick nach links zu schwenken und ihn anzusehen.
DU LIEST GERADE
X E N O S | ✔️
Werewolf*ABGESCHLOSSEN* ➳ ZWEITES BUCH DER " a mate's call " SERIE ➳ (Kann unabhängig vom 1. Teil der Serie gelesen werden) Sturmblaue Augen, blonde zerzauste Haare und eine mürrische verzogene Miene. Er ist der König der Werwölfe. Er ist der Mann, d...
