Mein Spiegelbild ist erschreckend. Meine Kleidung und mein Körper ist blutverschmiert, unter meinen Augen sind dunkle Augenringe und ich bin überall dreckig. So viel zu den Dingen die ich erwartet habe. Nun zu dem, was neu an mir ist. Meine Augen sind getränkt in der Farbe des Blutes, wenn Licht hinein fällt funkeln sie in einem gefährlichen rot. Meine Stirn ist geziert von zwei schwarzen Hörnern, die mich bedrohlich wirken lassen. Meine Fingernägel ähneln Krallen und an meinem Arm schlängeln sich vereinzelt Schuppen in einem schönen Muster bis zum Oberarm.
An letzteres könnte ich mich wirklich gewöhnen, da es mir erstaunlich gut steht und einfach schön aussieht. Nichts desto trotz, ist meine Erscheinung nun alles andere als vertraut und menschlich. Ich wende mich vom Spiegel ab und trete in die geräumige Dusche. Drehe das Wasser auf und lasse es über meinen geschundenen Körper plätschern. Langsam drehe ich den Wasserhahn immer und immer heißer bis es kocht und dampft. Während es mich normalerweise verbrüht hätte, fühle ich mich nun erstaunlich wohl.
Nach einiger Zeit verlasse ich die Dusche. Zwar sind die Anzeichen der Gefangenschaft und Flucht von meinen Körper gewaschen und alle Wunden verheilt, nun sind die Folgen umso spürbarer und schmerzhafter. Jonathan ist Tod. Er ist in meinen Armen gestorben, weil ich nicht die Kraft hatte ihn zu retten. Das Bild seines leblosen Körpers erscheint in meinen Gedanken und ein Stich zieht sich durch mein Herz.
Schnell wende ich mich meiner Kleidung zu, sonst würde ich erneut zusammenbrechen.
Luzifer hat mir Kleidung zurechtgelegt die ich nun anziehe. Danach verlasse ich das Bad und trete in das daran anschließende Schlafzimmer. Luzifer wartet dort bereits auf mich. In seinem Blick lese ich Sorge und Erleichterung gleichermaßen.
„Es wird gerade alles besorgt wonach du gebeten hast." sagt er schlicht. Ich nicke kurz zum Dank. Ich habe ihn gebeten Jonathans Leiche mitzunehmen, damit ich ihn angemessen beerdige. Für die Beerdigung habe ich eine Liste an unzähligen Dingen genannt die er mir besorgen soll. Dies hat er wohl an seine Bediensteten weitergegeben.
Ich drehe mich von ihm weg, da ich seinen forschenden Blick auf mir nicht ertragen kann. Mit einigen schnellen Schritten bin ich am Fenster und schaue in die Dämmerung. Leise Schritte folgen mir. Kurze Zeit später spüre ich einen flachen Atem in meinem Nacken.
„Wie geht es dir?" Luzifers Stimme ist nur ein Hauch. Meine Antwort ist zögerlich, denn ich weiß die Antwort schlichtweg nicht. In mir ist alles leer.
„Schlecht." Seine Hand legt sich sachte auf meine Taille und er dreht mich vorsichtig zu ihm.
Er schaut mir so tief in die Augen, dass es sich anfühlt, als schaut er mir in die Seele.
Dann räuspert es sich leicht.
„Es tut mir leid, ich war zu spät und konnte dir... euch nicht helfen." verwirrt mustere ich sein Gesicht. Ich hätte alles erwartet, aber nicht das.
Noch bevor ich antworten kann spricht er weiter.
„Hätte ich dich besser beschützt, dann wäre das alles nicht passiert." Er hebt vorsichtig die Hand und legt sie sachte auf meine Wange.
„Ich hatte so eine Sorge dich zu verlieren." er stockt. „Die Sorge um dich hat mich fast zerstört. Es tut mir leid um deinen Verlust. Ich werde dich unterstützen, wo ich nur kann."
Überwältigt von seinen ehrlichen und offenen Worten schaue ich ihn nur überfordert an, während mein Herz verräterisch schnell Klopft. „Da.. danke. Wenn es soweit ist und ich meine Rache bekomme, werde ich auf deine Unterstützung zählen." Er nickt langsam, offensichtlich irritiert darüber, dass ich ihn ausschließlich um seine Unterstützung im Kampf bitte. Er scheint sich jedoch recht schnell wieder zu fangen. Ich drehe mich von ihm ab und signalisiere damit, dass ich nicht weiter über dieses Thema sprechen will.
Nach kurzem schweigen erklingt erneut Luzifers Stimme: „Ich habe Essen mitgebracht, falls du etwas willst." Ich schüttle leicht den Kopf. Mein Körper ist zwar abgemagert und in Gefangenschaft habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, aber seit Jonathans Tod ist mir der Hunger vergangen.
„Ich würde gerne zu ihm, die Nacht bricht an und ich werde die Totenwache halten, damit.."
Ich stocke. Damit ich Abschied von ihm nehmen kann. Allein der Gedanke schmerzt. Luzifer nickt verständnisvoll.
„Ich bringe dich zu ihm." Ich nicke dankbar.
Wir gehen schweigend durch die Gänge. Bis wir schlussendlich vor einer massiven Tür zum stehen kommen.
„Soll ich dich begleiten?" fragt Luzifer, während er seinen Blick keine Sekunde von mir nimmt.
„Nein." Er nickt stumm, öffnet mit die Tür und signalisiert mir einzutreten. Mein Atem setzt aus, während mein Körper wie motorisch ein Fuß vor dem anderen setzt. Der Raum ist abgedunkelt und es stehen Kerzen überall verteilt. In der Mitte des Raumes ist der Sarg aufgebahrt. Mit jedem Schritt den ich weiter gehe schnürt sich meine Kehle mehr zu. Vor dem Sarg stehen Stühle, zum Abschied nehmen. Aber außer mir wird niemand kommen. Das hat er nicht verdient. Das alles kann doch nur ein schlechter Traum sein. Mein Blick gleitet über den Sarg und Jonathan. Er trägt einen schönen Anzug, sein Gesicht und die Haare sind gewaschen und frisiert. Er ist sieht blass aus. Ihn umgeben unzählige Rosen und das samtige rote Tuch des Sargs. Nachdem ich mir alles genau angeschaut habe und meine Tränen vehement unterdrückt habe nehme ich seine Hand sachte in meine. Sein kalter Körper und die starre Hand lässt mich brechen. Träumen strömen über mein Gesicht und ein schluchzen nach dem anderen entfährt meiner Kehle. Ich schreie und weine gleichzeitig.
Die Stunden vergehen und irgendwann sitze ich auf den Stühlen und bette mein Kopf auf Jonathans Brust. Ich weiß nicht wie lange ich hier sitze, irgendwann muss ich wohl in meiner Trauer eingedöst sein, denn als ich erneut wach werde sind die Kerzen fast heruntergebrannt. Mein Kopf ist schwer und meine Augen sind geschwollen.
„Es tut mir leid. Das alles hier hast du nicht verdient." Mehr fällt mir nicht ein. Ich döse erneut vor mich hin, bis ein leises klopfen mich aus meinen Gedanken reißt. Die Tür wird geöffnet und Luzifer tritt herein. Der Gang hinter ihm ist hell erleuchtet, somit wird er majestätisch anstrahlt. Er kommt mit langsamen Schritten auf mich zu.
„Ich wollte dich nicht stören, doch die Nacht ist vorbei, vielleicht solltest du etwas schlafen."
Ich nicke langsam. Und stehe vorsichtig auf.
Ich drücke Jonathans Hand zum Letzten mal.
„Vergib mir Bruder."
Ich laufe mit wackeligen Schritten auf die Tür zu. Vor Luzifer bleibe ich stehen und wische über mein geschwollenes Gesicht. Mit einer fließenden Bewegung schwingt er mich von den Beinen und nimmt mich vorsichtig auf seine Arme. Ich lasse es ohne Einwände geschehen und lege meinen Kopf an seiner Schulter ab. Ich drücke mich näher an Luzifer und genieße seine Wärme, während er mich vorsichtig durch die Gänge trägt. Ohne das es mir direkt bewusst wird, füllt seine Wärme meine innere Leere. Bei ihm fühle ich mich einfach sicher und geborgen. Umgeben von diesem Gefühl und mit dem Gedanken an Luzifer schlafe ich noch auf seinen Armen ein.
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Hello Devil, nice to meet you!
Paranormal"Pass lieber auf wie du mit mir redest, Alice. Du hast ja keine Ahnung wer ich bin und was ich alles mit dir anstellen könnte." Also bitte noch geschmackloser als mir jetzt solch eine Drohung hinterher zu werfen, geht ja überhaupt nicht. "Ach ich...
