Kapitel 104

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Gekoppelt mit einem schmerzhaften Stöhnen erlange ich langsam mein Bewusstsein zurück. Irgendwer spricht, doch die Worte werden erst langsam verständlicher. Ein grelles Licht blendet mich, wodurch ich meine Stirn irritiert in Falten lege.
Vorsichtig öffne ich ein Auge nach dem anderen. Doch ich werde so geblendet, dass ich rein gar nichts erkennen kann und sie möglichst schnell wieder schließe.
„Na, ausgeschlafen, du kleine Schlafmütze?", fragt eine Stimme neckend.
Schwerfällig will ich meine Hand heben, um meine Augen vor dem gleißenden Licht abzuschirmen, doch bereits beim Anheben meines Armes spüre ich schwere Ketten um meine Handgelenke. Ich zische leise vor Schmerz auf, da sich die Ketten förmlich in meine Haut brennen.
„W.. wo ist Jonathan?"
Meine Stimme ist enorm rau und mein Hals trockener als die Wüste selbst.
Endlich wird das Licht aus meinem Gesicht abgewandt und ich kann meine Augen erneut öffnen.
„Deinem Brüderchen geht es gut, geradezu bestens. Du solltest dich viel mehr um dich selbst sorgen." Mit einigem Blinzeln öffne ich meine Augen erneut und versuche, mich an das Licht zu gewöhnen.
Zu meiner Linken steht Marc und spielt mit einem Skalpell in der Hand herum.
Welch ein erfreulicher Anblick, da hätte ich meine Augen lieber weiterhin verschlossen.
Mein Blick wandert nüchtern an mir herab. Ich liege auf einem Zahnarztstuhl oder ähnliches und meine Hände und Füße sind an irgendwelchen Ketten befestigt, die unerträglich schwer auf meiner Haut liegen und ein brennendes Gefühl hinterlassen. In meinem rechten Arm fließt über eine Kanüle irgendeine dunkle Flüssigkeit in meine Venen, wodurch sich mein Arm zumindest um die Einstichstelle dunkel verfärbt. Ekelhaft. Ich will nicht mal wissen, was das ist, geschweige denn, was es bewirkt.
Fuck, in welchem Film bin ich hier gelandet? Auch wenn ich augenscheinlich keine offenen Verletzungen habe, so fühle ich mich unsagbar schwach.
Was pumpen die mir da in meine Blutbahn und was sind das für Fesseln?
Wo bin ich hier nur reingeraten? Ich atme tief ein und aus und versuche, nicht augenblicklich die Nerven zu verlieren. Du hast es bis jetzt überall raus geschafft, also nicht gleich den Mut verlieren.

„Was willst du von mir?"
Ich vermute, dass er mich zumindest nicht umbringen will, sonst hätte er das wohl besser gemacht, als ich noch ohnmächtig war.
„Nur reden, weiter nichts.", sagt er, stößt sich leicht ab und läuft lässig um die Liege herum. Mit einem Finger schnalzt er an den Tropf voller dunkler Flüssigkeit, der dadurch leicht wackelt. Mit meinem Blick verfolge ich kurz die Bewegung des Beutels, bevor ich Marc wieder fixiere.
Ich mache mir nicht mal die Mühe, ihn in seiner Selbstdarstellung zu unterbrechen und warte auf seine theatralische Rede zur Zerstörung der Hölle, wobei er auf meine Hilfe setzt.
„Weißt du, eigentlich mag ich dich.", fährt er fort.
Das Gefühl habe ich auch. „Wir kämpfen beide für unsere Überzeugungen, nur leider nicht für die Selben. Während du denkst, die Hölle sei ein gerechter Ort, so bin ich da schlichtweg anderer Meinung."
Er läuft erneut um mich herum, bleibt jedoch am Ende der Liege stehen und stützt sich rechts und links meiner Füße ab.
Mein Blick taxiert ihn noch immer nüchtern.
„Können wir das Gerede überspringen? Wir wissen beide, dass ich dir nicht helfen werde.", erwidere ich genervt.
Ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen.
„Ganz wie du willst. Wie sagt man so schön: Willst du die leichte oder die harte Tour?"
Nur schwer kann ich mir ein verdrehen der Augen unterdrücken.
Mit einem verachtenden Schnauben erwidere ich stolz: „Na, dann zeig mal, was du so kannst." Trotz tapferer Worte, zieht sich langsam alles in mir zusammen. Was auch immer er plant, er scheint gut vorbereitet zu sein. Was für mich wiederum bedeutet, dass ich im schlimmsten Fall ewig hier gefoltert werde.
Marc leckt sich kurz über die Lippen und lächelt dann kalt: „Ich habe schon gehofft, dass du das sagst."
„Erzähl mir, was es mit Jonathan auf sich hat."
Ein selbstgefälliges Grinsen ziert sein Gesicht.
„Wo bleibt denn die Spannung, wenn ich dir gleich alles verrate? Aber keine Sorge, wir haben noch viel Zeit gemeinsam. Nicht, dass uns gleich zu Beginn die Gesprächsthemen ausgehen."
Ich schnaube nur genervt aus. War zu erwarten, dass er mir nichts ohne weiteres verrät und wenn doch, kann man nichts für bare Münze nehmen.

„Na dann, lassen wir den Spaß beginnen. Wie ich sehe, hast du es dir ja bereits bequem gemacht. Ich habe ein paar Fragen an dich. Willst du sie mir gleich beantworten, oder soll ich dich erst.. in Stimmung bringen?"
Mit einem gewissen Druck fährt er mit dem Skalpell über mein Bein, ohne mich jedoch zu schneiden.
Ich schweige nur und versuche krampfhaft, ihn mit meinem Blick alleine zu töten, da ich für alles weitere keine Kraft zu haben scheine. Leise macht er tadelnde Geräusche.
„Du musst mir schon antworten, Liebling."
Bevor er auch nur ein weiteres Wort sagt, durchfährt ein pulsierender Schmerz mein Bein.
Meine Wade ziert ein blutender Schnitt.
„Bestrafung muss sein."
Marc legt seinen Finger schmerzlich auf die blutende Wunde und drückt zu.
Intensiv mustert sein wacher Blick meinen schmerzerfüllten.
Langsam hebt er seine Hand erneut und leckt einen mit Blut befleckten Finger ab.

Kurz schließe ich meine Augen und besinne mich erneut auf meine Kräfte, die ich einfach nicht erreiche. Verdammt nochmal. Nach einigen kräftigen Atemzügen öffne ich meine Augen erneut und schaue ihn mit festem Blick an.
Gott steh mir bei.

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Guess who's back, back again 🥳

Kann zwar nicht versprechen wie häufig ein Kapitel kommt, aber ich werde es zumindest versuchen das Schreiben wieder aufzunehmen.

Liebe Grüße

Hello Devil, nice to meet you!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt