Ich bette Jonathans Kopf in meinen Schoß und lege meine Hände sanft auf seine Brust. Mit jeder Sekunde nehmen meine Kräfte zu und die Macht sprießt aus meinen Fingern. Helle warme Funken umgeben seinen Körper. Immer mehr davon strömen aus meinen Händen und nehmen ihn ein. Sein Körper wird unter meiner Hand wärmer und wärmer.
„Komm schon, jetzt wäre der richtige Moment die Augen aufzuschlagen." flüstere ich verzweifelt. Alles was meine Funken in einem Radius von einem Meter um uns berührt sprießt bereites vor Leben. Die Wiese ist grün und manch eine Blume fängt an zu blühen.
Doch Jonathan, er bleibt reglos liegen. Ich ziehe meine Hand kurz von im zurück und streichle über seine Wange. Sie ist kalt. Nicht er wird wärmer, sondern er wird einfach nur von meinen Funken erwärmt. Auch wenn die Resignation langsam zu mir durch dringt, mache ich einfach weiter. Immer mehr Funken schwirren um ihn.
Doch es passiert nichts. Tränen steigen mir erneut in die Augen, doch ich will nicht aufgeben, ich kann es nicht. Denn dann geben ich ihn auf und dieses Mal für immer.
Irgendwann nachdem ich eine Ewigkeit hier saß und meine Kräfte auf Jonathans Körper habe wirken lassen wird mir bewusst, dass es sinnlos ist. Er ist gestorben und ich werde ihn nicht mehr retten können. Beruhigend streichle ich ihn über sein Haar. Und blicke gedankenlos in die Ferne. Bestimmt könnte ich uns mittlerweile von hier wegbringen, doch ich wüsste nicht einmal wohin.
Nach einer kurzen Zeit werde ich wütend. Auf mich, meine Kräfte und schlussendlich auf alles und jeden. Ein wütender lauter Schrei entfährt meiner Kehle. Schrill wird er von den Bäumen zurückgeworfen. Und dann legt sich ein Schalter in mir um. Ich will Rache. Meine Gedanken kreisen nur noch darum Marc zu töten. Allein der Gedanke an ihn lässt mich brodeln. Meine ganzen Muskel spannen sich an und ich verkrampfe mich. „Keine Sorge, ich werde dich rächen." Immer und immer wieder stelle ich mir vor wie ich Marc umbringe. Jedesmal wird es grauenvoller und mit jedem mal genieße ich es mehr. Zunehmend breitet sich ein unerträglicher Schmerz auf meiner Stirn aus, der meine Laune nur verschlimmert. Mein Blut kocht und jeder der sich von nun an in meinen Weg stellt wird das zu spüren bekommen.
Gerade während ich dabei war mir mörderische Rachepläne zu überlegen höre ich ein Rascheln im Wald. Mein Blick schnellt auf und ich hoffe schon fast, dass es Marc und seine Männer sind. Dann würde ich sie in Stücke zerrissen hier und sofort. Ich sehe einige Konturen, kann aber keine Gesichter ausmachen.
„Wir haben sie hier gefunden, aber wollten es nicht riskieren sie auszusprechen. Wie Sie sehen ihr Zustand ist.." die Person wird unterbrochen und eine Gestalt kommt aus dem Gebüsch hervor. Ich lege Jonathans Kopf sachte ab und stehe auf. Ich spüre keine Angst, nein viel eher ein Verlangen danach Gewalt anzuwenden. Es ist, als würde ich fast darauf hoffen angegriffen zu werden. Meine Augen lassen die Person nicht aus dem Blick.
Mit jeden Schritt der er näher kommt wird mir alles an den Bewegungen vertrauter. Noch bevor er die Kapuze aus dem Gesicht zieht weiß ich, dass Luzifer keine 10 Meter vor mir steht. Er kommt in schnellen Schritten auf mich zu und bevor ich die Möglichkeit habe auch nur etwas zu sagen oder zu reagieren zieht er mich in seine Arme. Seine Wärme durchströmt mich und erst jetzt wird mir klar wie kalt es hier ist.
„Endlich hab ich dich wieder." seine Stimme ist nur ein Flüstern, sein Tonfall dafür aber umso fester. Meine Arme legen sich zögerlich um seine Taille. Ich sollte erleichtert sein, glücklich und doch spüre ich nur eine unermessliche Wut in mir. Kurz stehen wir einfach so da. Meinen Kopf vergrabe ich in seiner Schulter. Und nehme seinen angenehmen Geruch mit jedem Atemzug in mich auf. Sein Griff ist so fest, als würde er mich nie wieder geh lassen.
„Komm ich bringe euch hier weg."
Luzifer will mich ein Stück von Jonathan wegziehen, doch ich halte ihn davon hab. Mein Blick fällt auf meinen Bruder herunter. Er liegt friedlich auf den grünen Fleck umgeben von Blumen. Mein Blick gleitet weiter und erst jetzt fällt mir auf, das nach diesem kleinen Stück, alles Leben verrottet ist. Was vorhin nur eine kleine Lichtung war, ist jetzt ein großer freier Platz mit einzelnen verkümmerten Bäumen. Das war ich. Ich weiß es einfach, ich war so wütend und habe mich nicht kontrolliert. Dabei habe alles zerstört was in meiner Nähe ist.
Ich sehe an mir herunter, meine Kleidung ist zerrissen und überall ist Blut. Luzifer verfolgt meinen Blick und drückt meine Hand sachte.
„Keine Sorge, wir bekommen dich wieder hin. Und darum" er deutet auf meine Stirn, „werden wir uns als erstes kümmern." Verwirrt schaue ich ihn an, was meint er damit? Vorsichtig taste ich über meine Stirn. Da sind zwei verdammte Hörner die aus meinen Kopf wachsen. Nicht lange, vielleicht drei oder vier Centimetre. Erst jetzt fällt mir auch auf, dass meine Fingernägel nun viel eher Krallen ähneln und auf meinem Unterarm zeichnet sich ein leichtes Schlangenmuster ab. Erst bin ich zu entsetzt etwas zu sagen, dann lache ich laut auf.
Wie passend.
Es ist also genau wie mir erklärt wurde: wer sich zu sehr der Dunkelheit hingibt, wird selbst zu ihr.
Ein grimmiges Lächeln ziert meine Lippen, wie passend. Denn für das was von nun an kommen wird, brauche ich den Dämon in mir mehr als den Engel. Umso mehr die Dunkelheit von mir Besitz ergreift, umso besser.
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Hello Devil, nice to meet you!
Paranormal"Pass lieber auf wie du mit mir redest, Alice. Du hast ja keine Ahnung wer ich bin und was ich alles mit dir anstellen könnte." Also bitte noch geschmackloser als mir jetzt solch eine Drohung hinterher zu werfen, geht ja überhaupt nicht. "Ach ich...
