Kapitel 67

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Ihre königliche Majestät: Satan und meine Wenigkeit begeben sich also in die Küche, wo Satan sofort alle Bediensteten wegschickt, damit wir unsere Ruhe haben.
Ich koche uns Rühreier, während er allerlei Snacks zusammen sucht.
Kurze Zeit später sitzen wir gemeinsam an einem großen Tisch.

„Guten Appetit."
Sage ich und schaue ihn erwartungsvoll an, als er einen Bissen nimmt.
Er lächelt mir zu und erwidert freundlich: „Sieht sehr lecker aus."
Ich nicke nur dankend, wenn der wüsste.
Kochen ist beim Besten Willen nicht meine Stärke.
Satan schiebt sich eine volle Gabel in den Mund.
Erst scheint er kurz zu überlegen, ob es ihm schmeckt oder nicht, dann läuft er leicht rot an und fängt an zu Husten, was er jedoch diskret zu unterdrücken versucht.
Er greift schnell nach seinem Wasser und trinkt sein Glas in einem Zug leer.
Ich muss leicht schlucken.
Na also, es schmeckt nicht, ich wusste es.

„Das ist echt gut, was sind da für Gewürze drinnen?"
Fragt er zwischen leisem Husten.
Ich höre wie er leise Pfeffer und Tabasco nachschiebt.
„Es schmeckt dir nicht, oder?"
Erst jetzt nehme ich auch eine Gabel.
Ich schlucke den Bissen schnell herunter und räuspere mich leicht.
Fuck, das ist viel zu scharf.
„Sorry, ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass ich nicht kochen kann."
Jetzt lacht er herzlich.
„Keine Sorge, so schlimm ist es nicht.
Mir schmeckt es."
Satan quält sich dazu weiter zu essen.
„Bitte, hör auf! Das schmeckt grauenvoll."
Er schüttelt nur leicht den Kopf.
„Nein, du hast für mich gekocht, jetzt esse ich es auch!"
Ich beobachte, wie Satan immer weiter isst, sein Kopf immer mehr einer Tomate gleicht und er locker 1 Liter Wasser trinkt.
„ Du bist doch verrückt."
Jetzt grinst er spitzbübisch.
„Wie, dass merkst du erst jetzt?"
Ich lache und versuche mich nochmal an meinem Ei, was ich jedoch nach einem Bissen aufgeben muss.
Das kann man einfach nicht essen.

Nach dem Essen bringt mich Satan nach Hause, während wir in der Küche ein kleines Chaos für die Bediensteten zurücklassen.
„Danke für alles, Ihre königliche Majestät."
„Ich hab zu Danken, immerhin werde ich nicht oft von jemanden außerhalb der Abgestellten bekocht."
Ich muss grinsen.
„Es war mir eine Ehre.
Sag Bescheid, wenn du jemals Lebensmüde sein solltest, dann wiederholen wir das gerne."
Er lächelt zu mir herunter.
„Jederzeit."
Mit diesen Worten verschwindet er, wobei ich ein sanftes streicheln an meiner Wange spüre.

Die Tage bis Samstag vergehen wie im Fluge und nun ist es endlich so weit, ich stehe geduscht in einem riesigen Zimmer in Luzifers Schloss und warte auf Lou und Caitlyn, die mir mein Kleid bringen und meine Frisur und Make-up herrichten werden.
Noch zwei Stunden, dann geht es endlich los.
Ich gehe nochmal alles in meinem Kopf durch.
Wie ich mich zu benehmen habe, die verschiedenen Tanzschritte, mein Fake Lächeln und die Verbeugung.
Ok, dass sollte klappen.
Ich bin so unglaublich aufgeregt.
Mein erster richtiger Ball und dann auch noch in der Hölle.

Ein leises Klopfen an der Tür reißt mich aus meinen Gedanken.
„Herein."
Die Tür wird geöffnet und das erste was ich sehe ist eine riesige Kleiderstange.
„Lou, Caitlyn gut, dass ihr da seid.
Ich hab schon auf euch gewartet!
Hat das mit dem Kleid alles geklappt?"
Caitlyn betritt voll bepackt den Raum und strahlt mich fröhlich an.
„Hallo Alice, du wirst begeistert sein.
Du siehst heute Abend bestimmt bezaubernd aus!"
Jetzt betritt auch Lou den Raum.
„Na, bereit?"
Ich nicke lächelnd, aber sowas von.

Ich atme tief ein und aus.
20:55 Uhr, es ist so weit.
Ich blicke erneut in den Spiegel und kann das, was ich sehe kaum glauben.
Meine Haare sind zum Teil nach hinten zusammengesteckt, während die Restlichen Lockig über meine Schultern fallen.
Meine Schminke sieht absolut atemberaubend aus, vor allem meine Augen die durch die feine goldene Maske noch betont werden.
Mein Kleid raubt mir den Atem.
Lou und Caitlyn haben sich selbst übertroffen.
Es ist blutrot, oben liegt es eng an und ist mit Glitzer verziert, während es unten einen ausladenden Rock hat.
Mein Rücken ist frei und in dem
Bodenlangen Rock, mit den vielen Tülllagen ist ein langer Schlitz bis zu dem oberen Teil meines Oberschenkels.
Durch den Schlitz sieht man meine hohen goldnen, offenen Schuhe, die durch jeweils zwei Schnüre ein Stück an meiner Wade hoch gebunden sind.
Mein Handgelenk ist mit einem schönen schlichten goldenen Kettchen geschmückt und meine Ohren zieren glitzernde Ohrringe.
Ich drehe mich begeistert vor dem
Spiegel.
Das ist der absolute Wahnsinn, ich seh aus wie ein Prinzessin.
Lou und Caitlyn nicken zufrieden und stolz.
„Du siehst wunderschön aus."
„Mir raubt es glatt den Atem."
Ich lächle leicht beschämt.
„Danke ihr zwei, ohne euch wäre das nicht möglich gewesen."
„Geh jetzt, es wird Zeit."
Sagt Lou und macht eine leichte Kopfbewegung zur Tür.
Ich umarme beiden nochmal fest, bevor ich mein Zimmer verlasse und durch die Gänge zwischen voller Bediensteten direkt auf den großen Saal zu steuern.

Vor den massiven Türen die zwei Diener gleich öffnen werden, bleibe ich nochmal stehen und atme tief ein und aus.
Na dann, lassen wir es krachen.
Schnell richte ich nochmals meine Haare und mein Kleid.
Ich zeige den zwei mit einer kurzen Handbewegung, dass die die Tür öffnen sollen, durch die schon die Musik des Orchesters tönt.

Mit einer fliessenden Bewegung wird die Tür vor mir geöffnet und ich trete möglichst elegant und mit großen Schritten in den Saal.
Mein Herz schlägt bis zum Abschlag.
Alice, bleib verdammt nochmal ruhig!
Vor mir erstreckt sich der prunkvollen geschmückte Saal mit hunderten von prachtvoll gekleideten Gästen.
Es fühlt sich so an, als würde mein Herz für einige Sekunden aussetzen, da ich so überwältigt bin, von dem was ich sehe.
Riesige Kronleuchter, hunderte Kerzen, überall glitzert und funkelt es.
Es ist schlichtweg wunderschön.

Die Tür hinter mir schließen sich mit einem leisen klacken.
Warum fühle ich mich gerade wie ein Vogel, der in einen Käfig gesperrt wird?
Und genau in diesem Moment wurde die Gittertüre zugemacht.
Ich lasse meine Blicke über die Menge schweifen, auf der Suche nach den einzigen fünf Leuten die ich kenne.
Alle, aber auch wirklich alle Augen die ich schweife sind auf mich gerichtet.
Warum war mir das schon im vornherein klar?
Soviel zum Thema in der Menge unterzugehen und unauffällig bleiben.
Einfach nichts anmerken lassen.
Wie sagt man so schön, stur Lächeln und winken.

Wobei ich das Winken lieber weglasse und mich aufs laufen konzentriere!

Hello Devil, nice to meet you!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt