„Und du bist dir ganz sicher, dass er mich nicht manipulieren kann?"
Er nickt nach kurzem zögern.
„An sich schon, aber komplett ausschließen will es auch nicht."
Ich verdrehe meine Augen.
„Genau die Antwort, die ich hören wollte, danke Eligor."
Er grinst.
„Keine Sorge, ich passe auf dich auf."
Ich lächle ihn mit einem zuckersüßen Lächeln an.
„Eligor, mein Schatz, ich mache mir keine Sorgen um mich, sondern um dich.
Adrian bleibt bestimmt nicht freiwillig hier unten und wir wissen ja beide, wer von uns stärker ist."
Er schnaubt leicht empört aus.
„Da bin ich ganz deiner Meinung, von daher haben wir rein gar nichts zu befürchten.
Mit dir werde ich mit dem kleinen Finger fertig."
Ich grinse, wobei er ein ‚und verbundenen Augen' hinterher schiebt.
„Das klären wir im nächsten Training, kleiner Feuerteufel."
Eligor öffnet die massive Tür zu den Kerkern, wo zwei Wachen positioniert sind.
Als sie Eligor in seiner ungemein schicken Uniform sehen, richten sie sich augenblicklich auf und salutieren vor ihm.
„Männer, wir müssten kurz einen Gefangenen besuchen.
Dauert auch nicht lange."
„Ganz wie Sie wünschen, Sir."
Sie treten beiseite und machen uns den Gang frei.
Hier unten sieht es besser aus als erwartet; viel moderner, als ich dachte.
Nicht so nass und ungemütlich, sondern eher wie in einem Gefängnis, nur bestehen die Wände hier aus dickem Stein.
Wobei gemütlich etwas anderes ist.
Eligor durchquert das Labyrinth an unzähligen Gängen, ohne auch nur zu zögern.
Da kennt sich wohl jemand aus.
Ich folge ihm mit schnellen Schritten.
„Wir sind da. Bist du sicher, dass du da alleine reingehen willst?"
Ich nicke.
„Keine Sorge. Wenn ich ‚Schatz' schreie, kommst du einfach zu meiner heldenhaften Rettung geeilt."
Obwohl Eligor nicht gerade begeistert aussieht, nickt er und schließt die massive Tür auf.
„Pass gut auf dich auf. Wobei.. soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, hat er nur eine Fähigkeit, Manipulation. Sollte also kein Problem für dich darstellen.", flüstert er mir leise ins Ohr.
„Na dann, lassen wir den Spaß beginnen."
Ich öffne die schwere Kerkertür und trete in den leicht beleuchteten Raum.
Im hinteren rechten Eck des Raumes steht eine Pritsche, an der gegenüberliegenden Wand sind ein Waschbecken und eine Toilette.
Nicht schlecht, geräumiger als ich dachte, geradezu wohnlich.
Auf der Pritsche liegt Adrian, sein Gesicht ist der Wand zugewandt.
Sein ehemals weißes Hemd ist verdreckt und hat einige Blutspritzer abbekommen.
Ich muss leicht lächeln; gestern war er noch so elegant und anmutig und heute liegt er hier wie ein Häufchen Elend.
Ich klopfe laut an die mittlerweile geschlossene Kerkertür.
„Überraschung."
Adrian zuckt leicht zusammen, wendet sich aber augenblicklich zu mir herum.
Er sieht grauenhaft aus.
Seine Lippe ist aufgeplatzt, an seiner Schläfe klafft eine Wunde und sein Auge schwillt an.
„Alice, was willst du hier?"
Dass er danach überhaupt fragt.
Vergeltung, was sonst.
„Dir helfen natürlich. Gestern konnte ich nicht, deswegen komm ich erst jetzt."
Er setzt sich mit einem zweifelnden Gesichtsausdruck auf.
Seine Hände sind mit massiven Ketten versehen, die in die Wand führen.
„Alice, komm her."
Ich laufe mit großen Schritten auf ihn zu.
„Löse diese lästigen Ketten von mir."
Ich nicke.
„Ich hab zwar keinen Schlüssel, aber das bekomm ich sicherlich auch so hin."
Ich ziehe aus meinen Haaren eine Haarklammer und verbiege diese ein wenig.
Eine meiner absoluten Stärken: professionell wirken - bei totaler Ahnungslosigkeit.
Er stützt seine Hände auf seinen Knien ab und ich kusche mich vor ihm auf den Boden.
Ich fummle mit der Klammer an seinen Handgelenken herum, ohne auch nur den leisesten Schimmer zu haben, was ich eigentlich tue.
„Kannst du sowas?"
„Ja."
Er streckt seinen Kopf über meinen, um mich dabei zu beobachten, wie ich das Schloss knacke, wobei er mir so nur das restliche Licht nimmt.
Ich grinse leicht, Jackpot.
Genau in diesem Moment hebe ich mit voller Wucht meinen Kopf nach oben und treffe sein Nase.
Ein unangenehmes Knacken, gefolgt von einem lauten Aufschrei, durchfährt den Raum.
Ich schaue möglichst geschockt zu ihm auf.
„Oh Entschuldige, dass wollte ich nicht, eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass ich die Ketten nicht aufbekomme. In Filmen sieht das irgendwie leichter aus."
„Fuck, ich glaub, du hast mir die Nase gebrochen?!"
Aus seiner Nase läuft Blut, das er mit seiner Hand auffängt, was jedoch nicht viel bringt, da sie weiterhin blutet.
„Keine Sorge, das wird wieder."
Ich hebe meine Hand und fahre ihm damit sachte über seine Haare.
„Ohje, du siehst wirklich kacke aus."
Ich streichle über seine Wunde an der Schläfe und drücke absichtlich zu.
„Sieht schmerzhaft aus."
Er stöhnt unter Schmerzen auf.
„Lass das."
„Was? Das?"
Frage ich unschuldig und drücke erneut zu.
Er schaut mich irritiert an.
„Warum.. wie kann das sein?
Alice, hole die Schlüssel, damit ich hier raus komme."
Ich grinse, drehe mich aber herum und mache einige Schritte auf die Tür zu.
„Ach, Adrian. Ich hab es mir gerade anders überlegt. Warum haben wir nicht noch ein bisschen Spaß zusammen?
Weißt du, gestern hast du mir deine Kräfte gezeigt und heute zeige ich dir einfach meine."
„Warum kann ich dich nicht mehr manipulieren?"
„Das ist doch ganz egal. Bist du bereit?"
„Geh, geh verdammt nochmal du kranke Schlampe."
Ich lache leise.
„Das werte ich als ja."
Meine schwarzen Funken erscheinen mit einer unglaublichen Leichtigkeit und erfüllen den ganzen Raum.
„Weißt du, Adrian, ich bin dir wirklich dankbar. Ich habe meine Kräfte noch nicht wirklich getestet, also danke, dass du dich als Testobjekt bereiterklärst, das bedeutet mir wirklich viel."
„Wer bist du?"
„Ich? Niemand. Also zumindest niemand, mit dem du spaßen solltest.
Aber wie sagt man so schön? Die Worte sind genug gewechselt, lass uns endlich Taten sehen.
Wobei, eine Sache noch: meine Fähigkeit ist der Tod. Mal schauen, ob es Abschwächungen davon gibt, ansonsten Ruhe in Frieden, du Dreckskerl."
„Das.. das kann nicht sein! Du lügst.
Das kannst du nicht machen!!
HILFE! Scheisse, Hilfe verdammt!"
„Schrei, so viel du willst, aber es wird keiner kommen."
Ich konzentriere meine Funken um mich.
Es sind die schwarzen Funken;
Funken, die Tod und Zerstörung bringen.
Ich zeige mit meinem Finger auf Adrian, der, soweit es ihm seine Ketten erlauben, zur Tür gerannt ist.
Schmerz.
Ich will ihn leiden sehen.
Er hört augenblicklich auf zu schreien und krampft sich auf dem Boden zusammen.
Sein Mund ist weit aufgerissen, es kommt jedoch kein Ton heraus, da er nach Atem ringt.
Ich schaue ihm zu, wie er da am Boden kauert, jämmerlich und schwach.
Ihm laufen Tränen über die Wange, wobei seine Augen mich kontinuierlich böse anstarren.
Das sollte reichen.
Ich lasse meinen Arm langsam sinken.
Adrian erholt sich schwer schnaufend.
„Du kleine Schlampe, du wolltest es doch."
Ich bücke mich zu ihm herunter und nehme sein Kinn fest zwischen meine Hände.
„Ich wollte es also..
Natürlich, ich vergaß.
Vergewaltigung steht ganz oben auf meiner ‚to do list'."
Seine Gesicht ist noch immer vom Schmerz verzerrt.
„Jetzt wollte ich gerade gehen, doch irgendwie, ich weiß nicht, ist mir doch nicht mehr danach."
Ich schaue ihm tief in die Augen.
Meine Macht brodelt in mir und wartet nur darauf, ihn zu töten.
Ich spüre es, das Verlangen in mir, ihn einfach zu töten.
Eine einzige Bewegung genügt, um dieses jämmerliche Leben zu beenden.
Seine Augen weiten sich und er fängt an zu röcheln.
Ich lasse sein Gesicht jedoch nicht los und fixiere weiterhin seinen Blick.
In seinen Augen spiegelt sich etwas; ich spiegele mich.
Und mich starrt ein rotes paar Augen an, aus einem Gesicht, das so hart und kalt ist, dass es mir selbst nicht einmal bekannt vorkommt.
Die Tür hinter mir wird aufgerissen, Eligor packt mich unsanft an der Schulter und zieht mich ein Stück von Adrian weg.
Dieser fällt schlaff in sich zusammen auf dem Boden.
Sein Körper senkt sich leicht auf und ab, er lebt also.
„Es langt. Du tötest ihn sonst."
Ich schüttle seine Hand ab und laufe, ohne mich nochmal umzudrehen, aus dem Kerker.
„Ist es nicht genau das, was ich mache, als Todesdämon?"
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Ein herzliches Dankeschön geht an
BurningStage, die sich immer Zeit nimmt, um meine Fehler zu verbessern!
Vielen Dank, für deine Unterstützung. 💕☺️
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Hello Devil, nice to meet you!
Paranormal"Pass lieber auf wie du mit mir redest, Alice. Du hast ja keine Ahnung wer ich bin und was ich alles mit dir anstellen könnte." Also bitte noch geschmackloser als mir jetzt solch eine Drohung hinterher zu werfen, geht ja überhaupt nicht. "Ach ich...
