Kapitel 121

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Bei dem Anblick, der sich vor mir bietet, muss ich schlucken.
All der Schmerz und das Training der letzten Monate führen zu diesem Moment. Die ersten Engel erheben sich hinter uns in den Himmel.
Ich bin so auf die Seelen vor uns fokussiert, dass ich mich nicht traue, auch nur eine Sekunde den Blick von ihnen zu wenden. Jemand legt sachte eine Hand auf meine Schulter.
„Für Jonathan."
Mit Tränen in den Augen schaue ich zu Eligor auf und nicke stumm, da ich nicht sicher bin, ob ich überhaupt ein Wort über die Lippen bekäme.

Die Armee rückt vor, und wir mit ihr. Es wird also ernst. Eligor geht an mir vorbei und lächelt mich aufmunternd an, ein stummes Auf Wiedersehen, oder ein Lebewohl.
Meine Hand um das Schwert ist so fest geschlossen, dass bereits die Knöchel weiß hervortreten. Ein letzter tiefer Atemzug und ich gehe los. Luzifer tritt mir in den Weg, sein Blick eine Mischung aus Schmerz, Zweifel, Wut.
„Ich werde dich nicht abhalten können?"
Ich schüttle sacht den Kopf.
„Dieses Mal muss ich selbst für mich einstehen. Was wird aus dir?"
Luzifer schmunzelt.
„Machst du dir Sorgen um mich? Das ist nicht meine erste Schlacht und vermutlich nicht meine letzte. Also mach dir keine Sorgen. Was soll mir schon passieren, wir sind schon in der Hölle."
Ich lache leise.
„Wir sehen uns danach. Lass dich nicht ärgern."
„Ich werde immer ein Auge auf dich haben. Aber da ich den Großteil der Truppen befehlige und ich nicht davon ausgehe, dass du meiner Bitte nachkommst, in meiner Nähe zu bleiben, wird Satan dir auf Schritt und Tritt folgen. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen."
„Ein Babysitter? Soll mir recht sein, solange ich dafür nicht wieder in mein Zimmer gesperrt werde."
„Komm lebend zu mir zurück, sonst brenne ich das ganze Universum nieder."
Sein Blick ist ernst und obwohl sein Versprechen absurd klingt, weiß ich tief in mir: Er würde seinem Wort treu bleiben.

Ich lächle ein letztes, trauriges Mal und laufe langsam an ihm vorbei.
Unsere Hände streifen sich nur kurz und doch fühlt es sich an, als würde ein Schauer durch meinen Körper jagen.
Ich pausiere einen Moment, gehe dann jedoch weiter, ohne Aufsehen zu erregen.

Ich komme keine zwei Meter weit, bevor Satan an meiner Seite erscheint.
Sein Blick, ausnahmsweise, ernst.
„Du musst nicht auf mich aufpassen. Ich kann das mittlerweile alleine."
Er bleibt kurz stehen und hält mich sacht am Unterarm zurück.
„Das bezweifle ich nicht. Aber lass mich dir eins sagen: Ich schütze, kämpfe und wenn es sein muss, sterbe ich für dich. Ich folge dir, komme was wolle."
Ich lege ihm meine Hand auf die Schulter und erwidere mit fester Stimme: „Ditto. Wärst du nicht gewesen, wäre ich vermutlich längst verrückt geworden."
Er nickt mir anerkennend zu, als würden meine Worte ihm etwas bedeuten.
„Na dann – ab ins Getümmel."

Die nächsten Momente vergehen wie im Flug. Eben noch joggen wir nebeneinander, im nächsten Moment beginnt der Kampf. Die ersten Schreie hallen über die Ebene. Irgendwo neben mir höre ich, wie Luzifer Befehle schreit und Eligors Feuer sich einen Weg durch die Menge frisst. Doch sobald seine Flammen verschwinden, sind die Seelen wieder kampfbereit.
Wie soll man gegen etwas kämpfen, das bereits tot ist?
Wie soll man so etwas töten?
Noch bevor ich diesen Gedanken weiterverfolgen kann, steht eine der Seelen vor mir und erhebt ein Schwert gegen mich. Doch bevor ich reagieren kann, drängt Satan ihn zurück.
„Wenn ich so drüber nachdenke, wir sind ziemlich schlecht vorbereitet."
Satan lacht laut.
„Das stellst du früh fest, Prinzessin."
„Immerhin sterben wir zusammen."
„Naja, du hast ja noch ein paar Asse im Ärmel. Deine Kraft könnte uns helfen."
Meine schwarzen Funken tanzen um meine Hände, die Energie zuckt ungeduldig unter meiner Haut, will ausbrechen.
Der nächste Angreifer kommt und noch bevor er in meiner Nähe ist, schießen meine Funken auf ihn zu.
Er geht sofort zu Boden, die Augen weit aufgerissen, der Mund zu einem Schrei verzerrt, der jedoch in seiner Kehle stecken bleibt.

Satan und ich lächeln uns zufrieden an.
„Töte sie alle, Prinzessin."
Ein dunkles, mordlustiges Gefühl breitet sich in mir aus.
„Nichts lieber als das."

Einige meiner Funken heften sich an Satans Schwert, die nächste Seele köpft er ohne Mühe. Meine Funken suchen sich immer mehr Waffen, an die sie sich heften, Dämonen wie Engel, ganz egal. Die Masse um uns herum jubelt, als die ersten Seelen ausgelöscht werden. Denn nichts anderes bewirkt meine Kraft: Sie bringt die endgültige Dunkelheit. Vollständiges Auflösen.

Auch wenn ich den Erfolg genieße, reicht es längst nicht aus, um das Blatt zu wenden. Meine Funken müssten sich über das gesamte Schlachtfeld erstrecken – nicht nur im Radius von vier Metern. Und doch: In kurzer Zeit fallen unzählige Seelen in diesem Bereich. Ahnungslos, dass ich ihr Ende bin. Eine Macht so dunkel, dass selbst der Tod dagegen harmlos wirkt.

Doch während um mich herum der Kampf tobt, macht sich ein unangenehmes Gefühl in meinem Bauch breit. Etwas stimmt nicht. Eine Gefahr, lauernd, und doch greifbar.
Und während ich noch überlege, was es ist, stelle ich schockiert fest: Meine Funken gehen leblos zu Boden und verschwinden. Selbst um meine Hand, nichts. Obwohl ich meine Kraft in mir spüre, kann sie eine unsichtbare Barriere nicht durchdringen.
„Scheiße! Satan, pass auf! Meine Kraft... sie ist weg. Meine Kraft ist weg!"

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⏰ Letzte Aktualisierung: Apr 06, 2025 ⏰

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