102. DER BUCHLADEN
Er stand bereits an der Grenze als er ihr braunes Haar oben an den Toren erkennen kann. Begleitet wird sie von zwei Rotschöpfen, die aufgeregt auf sie einreden. Als sie immer näher kommen kann Severus nur noch verstehen, wie der eine Weasleyzwiling meint: "Und du bekommst wirklich keinen Ärger?" Sie lacht glockenhell auf und winkt dann ab: "Ne, er bekommt die Möglichkeit Harry und Ron eine reinzuwürgen. Um mich brauchst du dir keine Sorgen machen George." Severus ist klar, dass er das Gesprächsthema ist und war und doch schmunzelt er einfach nur über die Sorge des Weasleyzwillings. Er würde Hermine niemals etwas tun, doch dies weiß hier keiner. Sie erblickt ihn und ihr Grinsen wird noch etwas breiter. Auch auf seine Züge legt sich ein Schmunzeln. Das Trio kommt schließlich bei ihm an. Fragend zieht er seine Augenbraue hoch, als er merkt, dass die Zwillinge nicht weiter gehen. Hermine dreht sich zu den beiden um, doch vorher verdreht sie noch gut sichtbar für Severus die Augen, dann verabschiedet sie die Zwillinge: "Jungs, wolltet ihr nicht zu Zonkos? Schließlich wollt ihr dessen Scherzartikel leer kaufen und dann wieder unsere Lehrer ärgern." Beide nicken begeistert, ehe sie ihn aber ansehen und kurz zusammenzucken: "Professor, sie lassen wir natürlich in Ruhe. Sie haben diese Scherze nicht verdient." Schafft es tatsächlich der eine Zwilling ihn zu erstaunen und so nickt Severus dankbar. Trotzdem machen die beiden noch immer keine Anstalten sich zu bewegen, weshalb Hermine genervt aufseufzt und meint: "Jungs, ihr könnt gehen. Professor Snape wird mich nicht umbringen, außerdem gehe ich mit ihm in die Apotheke und besorge Zutaten für die Tränke, die ich die nächsten Wochen brauen werde. Ihr könnt also beruhigt gehen." Nach ihren Worten scheinen die Zwillinge endlich beruhigt und verabschieden sich endlich. Auf dem Weg runter ins Dorf, drehen sie noch ein paarmal ihre Köpfe zu den beiden um, doch als sie sehen, dass es Hermine noch immer gut geht. Lassen sie die beiden hinter sich und stürmen Zonkos Scherzartikelladen.
Hermine lacht auf, als sie die beiden davonhüpfen sieht und ist dankbar für ihre Sorge, auch wenn sie in diesem Fall nicht berechtigt ist. Dann dreht sie sich wieder zu Severus und bedeutet ihm ihr zu folgen. Wie ein Schoßhündchen reagiert er und trottet ihr langsam hinterher. In Hogsmeade angekommen steuert Hermine direkt eine Seitengasse an und spürt kurz eine starke Hand um ihr Handgelenk. Doch davon lässt sie sich nicht aufhalten, sie möchte aus der vollen Straße raus und Severus scheint sie zu verstehen. Er lässt ihre Hand los und Hermine läuft weiter. Noch zwei Mal biegen sie um eine Ecke und dann kann Hermine den Laden schon sehen.
Theophilus betritt etwa eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Zeitpunkt den kleinen Buchladen, den er als Treffpunkt ausgesucht hatte. Er war ewig nicht mehr in Hogsmeade gewesen. Das letzte mal liegt bestimmt ein Jahrzehnt zurück. Gerne erinnert er sich an einen seiner letzten Besuche hier, er hatte Leanora, seine Frau kennen und lieben gelernt. Sie ist einfach fantastisch und hat ihn so wunderbar ergänzt, leider hat es nur nie mit einem Erben für seine Familie funktioniert und so hat er Severus während seinem Studium quasi adoptiert. Er liebt diesen, damals jungen, Mann und wünscht ihm alles gut. Das Severus gerade jetzt, wo er doch aufhören wollte zu unterrichten, ihn anschreibt und ihm eine junge Schülerin vorstellen will. Es muss Zufall sein, auch wenn er eigentlich nicht an solche Sachen glaubt. Doch nun steht er hier im alten Buchladen und lässt die Einrichtung auf sich wirken. Von außen sieht man nicht, wie groß der Laden eigentlich ist, doch dies ist in der Zauberwelt normal. Kurz überlegt er, ob es sinnvoll ist in die obere Etage zu wechseln, doch dann entscheidet er sich für die Nische, die am wenigsten von vorne einzusehen ist. Sein Gefühl sagt ihm, dass niemand wissen sollte, wer sich heute hier trifft. Auf dem Weg nach hinten, bleibt er am Tisch stehen und füllt sich heißes Wasser für einen Tee ab, dann bleibt er noch bei 1, 2 Bücherregalen stehen, bevor sich schließlich in besagte Nische setzt und wartet.
Das Buch, welches sich Theophilus rausgesucht hat, war eines über Zaubertränke. Ihm ist bewusst, er ist Tränkemeister und doch kann er sich immer wieder fortbilden, zumal ihm dieses Buch noch völlig fremd ist. Im Buch versunken hört er erst nicht das Glöckchen über der Türe, doch dann merkt er die magische Anwesenheit von Severus und blickt sich suchend um. Jetzt verflucht er ein klein wenig diesen Platz, der es ihm unmöglich macht, in den Buchladen zu sehen. Er möchte sich gerade erheben, als ein junges Mädchen mit auffälligen braunen gelockten Haaren um die Ecke blickt und nur Augen für die Bücher hat. Ein Gefühl sagt Theophilus, das dies Hermine Granger sein muss. Als er gerade auf sich aufmerksam machen will, tritt jedoch schon Severus um die Ecke, entdeckt ihn und bleibt regungslos stehen.
Severus ist nicht begeistert davon, dass Hermine in die dunkle Gasse abbiegen möchte, doch als sie trotz seiner Bemühungen einfach weiterläuft, lässt er es geschehen und folgt ihr. Doch nun ist er doppelt auf der Hut, immerhin wagen sich momentan viele gruselige Wesen in diese dunklen Gassen. Doch Hermine scheint dies nicht zu kümmern und setzt ihren Weg unbeirrt fort. Schließlich bleibt sie vor einem heruntergekommenen Gebäude stehen und dreht sich freudestrahlend um. „Wir sind da", haucht sie und geht zur Türe. Severus, der noch immer etwas unsicher ist, folgt ihr. Kaum haben sie den Laden betreten, sieht Severus das Leuchten in den Augen von Hermine. Ihr Blick wandert über den Tresen, die drei Ausstellungstische und bleibt schließlich an den riesigen Regalen hängen, die ganz wild angeordnet sind. Aufgelockert wird der Raum mit einfachen Sitzinseln, die mit bequem ausschauenden Möbeln bestückt sind. Als sie weiter in den Raum treten, sieht Severus die Wendeltreppe, die nach oben führt. Eine Brüstung schütz vor einem Fall und wirkt dabei sehr edel. Von der Decke hängen ein paar Kronleuchter herunter und die Fenster im Dach spenden Licht und lassen den Raum noch größer wirken. Severus möchte gerade etwas sagen, als er nur noch ihr Haar hinter einer Ecke verschwinden sieht. Sofort ist er in Alarmbereitschaft und folgt ihr, nur um kurz darauf wie versteinernd stehen zu bleiben.
Hermine ist vollständig eingenommen von den Büchern, weshalb sie nicht bemerkt, dass Severus ist gefolgt ist. Erst ein gehauchtes: „Severus" reißt sie aus ihrer Begutachtung der seltenen Bücher. Erschrocken blickt sie auf und sieht am anderen Ende des Regales einen älter wirkenden Mann stehen. Seine Haare und sein zwei Wochen Bart waren grau, während das Kinn mit noch ein paar schokoladenbraunen Akzenten geschmückt ist. Grasgründe Augen blicken sie neugierig an und Hermine erinnert sich daran, dass Severus mal sagte, dass sein ehemaliger Professor kurz vor der 70 steht, dafür das findet Hermine, ist er aber noch gut gebaut und sieht relativ fit aus. Er trägt einen feingewebten Tweed-Anzug und wirkt damit viel sympathischer als der alte liebenswerte Opi namens Dumbledore, der nur in Nachthemden durch die Gegend wandert. Dann wandert Hermines Blick zu Severus und bemerkt, dass er zu Eis gefroren ist. Verwirrt blickt sie zwischen dem ihr fremden Mann und Severus hin und her. Doch dann macht es bei ihr klick und sie geht begeistert auf den älteren der beiden Männer zu. Streckt ihre Hand aus und begrüßt ihn: „Professor Buckley nehme ich an. Ich bin Hermine Granger und das ist mein Zaubertränkeprofessor Snape, aber das dürften Sie bereits gemerkt haben. Es ist mir eine große Ehre Sie kennenzulernen. Was halten Sie davon, wenn wir uns setzen. Severus taut schon wieder auf. Er hasst Überraschungen."
Theophilus hat dem jungen Mädchen aufmerksam zugehört und ist überrascht, dass sie Severus so gut zu kennen scheint. Mit einem lächeln deutet er auf die kleine Nische, die er sich ausgesucht hat und das junge Mädchen läuft an ihm vorbei. Zurück bleiben er und Severus.
Als Hermine nicht mehr zu sehen ist, löst sich Severus aus seiner Starre und blickt Theophilus ungläubig an. Er kann nicht glauben, dass er wirklich vor ihm steht. Wie lange hatte er nicht mehr an ihn gedacht und nun stand er vor ihm und lächelt ihn gutmütig an. Kein gutmütiges Lächeln, wie Severus es von Albus kennt, sondern eines, dass ihn willkommen heißt und schon breitet Theophilus seine Arme aus. Severus zögert nicht lange und begibt sich in die Arme seines „Vaters". Er ist es vielleicht nicht durch Blut und auch nicht durch eine Adoption, sondern eher sein Vater des Herzens. Damals in seinem Studium hat er ihn aufgenommen und ihn zum Meister begleitet. Gleichzeitig hat er sich all die Probleme von Severus angehört, was er bis zum damaligen Zeitpunkt niemanden erlaubt hat. Doch Theophilus hat es mit wenigen Worten geschafft ihn zu erklären, dass er ihm nichts Böses will, genau wie Luc damals. Kann Severus gerade nur denken. Schließlich löst er sich und sieht zu Hermine, die ihn mit Tränen in den Augen beobachtet. Ein Lächeln wandert über Severus Gesicht und er tritt an Theophilus vorbei.
Dieser lässt ihn gewähren und beobachtet den Umgang zwischen „Sohn" und Schülerin. Was er sieht erstaunt ihn. Severus ist zu Miss Granger hin gegangen und hat ihr mit seinen Daumen die Tränen, die Theophilus erst jetzt bemerkt, von der Wange gewischt. Dann nimmt er sie einfach in den Arm und streicht ihr beruhigend über den Rücken. Langsam geht er näher an die beiden heran und hört die Worte: „Warum weinst du?" „Vor Rührung. Du lässt sonst niemanden an dich ran, aber ihn. Ich weiß nicht Severus, da ist eine tiefere Verbindung." „Da hast du recht." Murmelt Severus noch, bevor er sich vorbeugt und ihr einen sanften Kuss auf die Stirn gibt. Dann lösen sie sich von einander und Theophilus gesellt sich zu ihnen. Es wird Zeit das sie sich über ihre Vorstellungen zu unterhalten.
Nach drei Stunden verlassen Severus und Hermine den Buchladen und von Hermines Gesicht ist das Grinsen nicht mehr zu beseitigen. Aber auch in Severus Augen liegt ein Glanz, der zeigt, dass das Gespräch für ihn wunderbar gelaufen ist. Vielleicht war der Anfang etwas holprig, aber dafür die Stunden darauf um so schöner. Sie machen sich auf dem Weg zurück nach Hogwarts und als sie kurz vor den Toren sind, kommen ihnen die Weasleyzwillinge entgegen. Hermine erkennt schon anhand der Gesichter, dass irgendetwas vorgefallen ist. Bevor die beiden sie jedoch erreichen murmelt Hermine nur noch: „Severus morgen um 10 müssen wir auf dem Campus von der Uni sein. Mister Tokin erwartet uns. Er möchte dich und mich kennenlernen." Mit diesen Worten lässt Hermine Severus stehen und huscht schnell zu den Zwillingen, die sie aufgeregt zu sich winken. Bei ihnen angekommen blickt sich Hermine noch einmal zu Severus um, doch dieser hat verstanden und bleibt vorerst auf Abstand. Sie will gerade fragen was los ist, als es bereits aus dem ersten Zwilling herausplatzt: „Harry liegt auf der Krankenstation. Es gab eine Auseinandersetzung zwischen den Slytherins und einigen Erstklässler aus unserem Haus. Harry unser Retter in der goldenen Rüstung hat sich schützend vor diese gestellt. Nun es haben ihn mehrere Flüche getroffen und bis jetzt ist er noch nicht wieder aufgewacht. Poppy ist am verzweifeln, weil sie Professor Snape nicht findet und keinen Rat mehr weiß." Hermine dreht sich ohne zu überlegen um und ruft: „Severus!" Das die beiden sie hören können, ist ihr gerade egal. Zwar wirkt Severus überrascht, doch als er die Dringlichkeit in ihrer Stimme hört, reagiert er sofort und kommt wie ein schwarzer Blitz angeschossen. Die Zwillinge sind erstarrt und blicken ängstlich zu ihrem Professor.
Severus kann seinen Ohren nicht trauen. Hermine ruft ihn beim Vornamen und das nicht in Gedanken, sondern so dass sie jeder hören kann. Es muss jedoch was Ernstes sein, wenn sie dies macht. Schnell läuft er auf die Truppe zu und zischt: „Was ist Hermine?" Die Zwillinge beachtet er nicht weiter.
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Das war das 102. Kapitel.
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goldenspruche
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Eine Bitte und deren Folgen
FanfictionHermine hat ein Problem und benötigt dringend Hilfe, wird sie diese erhalten? Was ist, wenn aus Freunden plötzlich Feinde werden und man sich mit den Schlagen gut versteht? Wenn Dumbledore dann noch eine verrückte Idee hat, im späteren Verlauf, welc...
