75. Irrwicht

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75. IRRWICHT

Im Klassenzimmer für Verwandlung angekommen sieht sie sich erst einmal um. Die Tische sind alle an die Seite gestellt und in der Mitte steht ein großer Schrank, der sich ein wenig bewegt. Hermine ist nun überzeugt, dass sie heute Irrwichte durchnehmen. Nach und nach trudeln die anderen in das Klassenzimmer und sind nicht wirklich erstaunt darüber, Hermine bereits hier vor zu finden. Sie ist immerhin die Streberin hoch³ drei. Dass sie aber seit Anfang des Schuljahres durch die Zeit reist und dadurch eine Doppelbelastung hat weiß keiner. Alles machen sich über sie lustig, sehen aber nicht ihre Erschöpfung. Nein so stimmt dies nicht ganz, einer sieht die Erschöpfung und dies ist Draco Malfoy. Gut der ein oder andere Lehrer auch, aber um die geht es gerade nicht. Dass sie eine Streberin ist, stellt sie gerade in dieser Stunde wieder unter Beweis.

Remus betritt als letzter das Klassenzimmer und fragt sich, wie er sich gegenüber Hermine verhalten soll. Immerhin ist er am Abend zuvor eingeknickt, hat ihr von seinen Empfindungen erzählt und weinend in ihren Armen gelegen. So ganz will es noch nicht in seinen Kopf rein. Als er den braunen Lockenkopf entdeckt, atmet er noch einmal tief durch und geht nach vorne zu dem Schrank. Dann bittet er die Schüler sich in einem Halbkreis darum zu versammeln. Während die anderen sich alle einen Platz suchen, sucht Remus den Blick von Hermine, die lächelt ihn aber einfach nur freundlich an. Somit ist das Thema für Remus erledigt und er beginnt seiner Klasse vom heutigen Zauberwesen zu erzählen. „Heute behandeln wir die Irrwichte. Es ist nicht genau bekannt, ob das Ministerium diese Wesen den Zauberwesen zugeordnet hat, aber ich und noch einige Professoren sind auch der Meinung. Klar ist, dass er irgendwo dazugehören muss und da er bei den Tierwesen nicht aufgeführt wurde, könnte er sowohl als Geist, wandelbare Gestalt oder eben Zauberwesen geführt werden. Mir ist jedoch wichtig, dass ihr lernt einen solchen zu erkennen und zu bekämpfen statt darüber zu diskutieren wohin er gehört. Wenn diese Frage jemals in irgendeiner Prüfung vorkommen sollte, ist mit dem Ministerium und ihren anderen Professoren ausgemacht das alles außer Tierwesen gilt. Wer kann mir noch etwas über Irrwichte erzählen?" Gespannt blickt Remus durch die Reihen, doch als er nur Hermines Hand sieht seufzt er kurz auf und bedeutet ihr dann mit einem Nicken, dass sie beginnen kann.

„Der Irrwicht wird als Schreckgespenst definiert, weswegen ich es in den Bereich der Geister einordnen würde. Das besondere an ihm ist, dass es jedem anders erscheint und die tiefsten Ängste von einem hervorrufen. Es lauert in dunklen Ecken, Schränken oder Truhen. Wenn man einem Irrwicht in einer Gruppe begegnet, verwirrt man diesen und seine Wirkung verpufft. Der wichtige Zauberspruch heißt „Riddikulus" doch er wird unwirksam, wenn man den Irrwicht nicht lächerlich machen kann." Hermine hat geendet und blickt in die gelangweilten Gesichter ihrer Klassenkammerraden und schüttelt innerlich ihren Kopf. „Sehr schön Miss Granger. Danke für die kurze Zusammenfassung. Nun üben wir zusammen den Spruch und die Handbewegung. Wenn dies sitzt wird sich jeder von euch seinem Irrwicht stellen. Nun sprecht mir alle nach „Ri-ddi-ku-lus"." „Ri-ddi-ku-lus" „Sehr schön und noch ein mal." Dies wiederholen sie noch einige Male, ehe Remus der Meinung ist, dass sie sich an die Handbewegung wagen können. Mit jedem Übungswisch wird die Handbewegung flüssiger und genauer. Schließlich entscheidet er, dass sie genug geübt haben und bittet seine Schüler sich nun in einer Reihe aufzustellen, was wie schon vermutet zu einer großen Rangelei verleiten lässt. Er möchte gerade etwas dazu sagen, als Hermine aus dem Getümmel auftaucht sich nach vorne stellt und ganz leise „Alohomora" murmelt. So schnell kann Remus nicht schauen, wie der Irrwicht aus dem Schrank schießt, direkt auf Hermine zu. Die anderen Schüler weichen erschrocken zurück, doch sie bleibt einfach stehen und wartet gespannt darauf, in was sich ihr Irrwicht verwandeln wird. Lange muss sie nicht warten, als plötzlich Professor McGonagall vor ihr steht und ihr mitteilt, dass sie in ihren Prüfungen durchgefallen ist. Ihre Hauslehrerin schreit sie an und fragt sie, wie ihr dieser Fehler unterlaufen konnte. Doch Hermine ist viel zu abgelenkt, um darauf zu reagieren, denn sie überlegt fieberhaft, was sie machen soll. Hermine hört das leise Gekicher ihrer Klassenkammeraden und schwingt einfach aus Frust ihren Zauberstab und murmelt das Wort „Riddikulus". So schnell können weder ihre Mitschüler, noch ihr Professor schauen, als plötzlich aus der laut brüllenden McGonagall ein kleines fauchendes Babykätzchen mit Spitzhut geworden ist. Als die Klasse dieses Kätzchen entdeckt bricht sie in schallendes Gelächter aus und auch Professor Lupin kann sich nicht mehr halten und lacht aus vollem Herzen mit. Der in ein Babykätzchen verwandelte Irrwicht, verschwindet eingeschnappt und lässt eine noch immer lachende Klasse zurück.

Hermine ist ganz froh, dass ihr trotz fehlender Idee, der Zauber so gut gelungen ist. Ihre Professorin in eine Katze zu verwandeln hat schon was, immerhin ist sie selbst eine, doch dann daraus noch ein Babykätzchen zu machen ist einfach nur fantastisch. Und dann wie sie gefaucht hat und der Spitzhut auf ihrem Kopf einfach nur zum Lachen. Hermine ist erleichtert, dass das durchfallen in einer Prüfung ihre Größte Angst ist. Was wäre gewesen, wenn der Irrwicht für sie die Einsamkeit, ein Basilisk oder das Dunkle gewesen wäre? Wie hätte sie dies ihren Mitschülern erklären sollen? Sie hat keine Ahnung und atmet erleichtert auf, als das Tier im Schrank verschwindet.

Draco hat das ganze Schauspiel genau beobachtet und ihm ist aufgefallen, dass sie Angst hatte, dass es etwas anderes wird. Als dann McGonagall vor ihr aufgetaucht ist, hat er gesehen wie ihre Augen immer größer werden und dann ein erleichtertes Aufatmen von ihr kommt. Als sie dann den Stab hebt, sucht sie seinen Blick und er erkennt, dass sie keine Ahnung hat was sie machen soll. So stellt sich Draco ganz genau vor, zu was seine Verwandlungsprofessorin werden soll und nickt ihr dann kurz zu. Hermine schwingt ihren Stab und Draco fängt schon an zu kichern, bevor klar ist in was sich der Irrwicht verwandeln wird. Als dann ein Babykätzchen fauchend vor Hermine auftaucht und dieses auch noch einen Spitzhut trägt, kann er sich nicht mehr halten vor Lachen. Das tat gut und er sieht wie Hermine ein Stein vom Herzen fällt. Schnell verschwindet das Kätzchen im Schrank und langsam beruhigt sich die Klasse wieder.

Remus schafft es schließlich mit seinem Unterricht fortzufahren und bitte als nächstes Neville sich seinem Irrwicht zu stellen, was er dort zu sehen bekommt hätte er so niemals erwartet und hilft seinem Schüler eine Lösung für sein Problem zu finden. Ein andere hat denselben Irrwicht, doch auch eine andere Lösung und Remus weiß bereits jetzt, dass sein Kollege es nicht wirklich amüsant finden wird. Als er dann zu guter Letzt den Malfoyerben aufruft ist er gespannt, was seine größte Angst ist, doch was dann zum Vorschein kommt, schockiert nicht nur ihn.
Hermine beobachtet gespannt das Geschehen und hätte am liebsten alle verflucht, die über Severus lachen, doch sie darf nicht zeigen, dass sie sich so gut verstehen. Somit wartet sie nun gespannt, was bei Draco rauskommt. Genau beobachtet sie ihn und jede seiner Regungen. Als sich der Irrwicht schließlich gewandelt hat, hält sie erschrocken die Luft an. Das Fauchen, die Worte und dann diese Person verletzen sie zu tiefst und sie fragt sich, wie es Draco gerade geht. Vor diesem stehen seine Eltern, wobei Narzissa wild fauchend auf ihn einredet und auch Lucius ist nicht besser. „Du bist ein Nichtsnutz mein Sohn, schlechter als ein dreckiges Schlammblut. Komm in die Pötte, sonst lernst du mich kennen." Die Worte treffen Hermine schon hart, da sie den andern Lucius kennenlernen durfte. Doch was dann kommt erschüttert sie noch mehr. „Du bist wahrlich ein Nichtsnutz, schlechter als ein Schlammblut bleibt dies so, so du wirst des Hauses verwiesen!" Hermine reicht es und möchte gerade eingreifen, da sieht sie aber wie Dracos Stab zuckt und lässt ihn gewähren. Ihre Augen treffen sich kurz, bevor er den Zauberstab schwingt. Plötzlich stehen die beiden hochwohlgeborenen Malfoys nur noch mit kurzhaarschnitt vor der Klasse, was schon einige in Gelächter ausbrechen lässt, aber leider noch nicht alle. Heißt es ist zu schwach. Hermine sieht, dass Draco keinen Plan mehr hat, was er noch machen kann und greift ein. Mit einer deutlichen Handbewegung macht sie ihn auf sich aufmerksam und bedeutet ihm, dass sie eine Idee hat. Dankbar nickt er ihr zu und wartet auf ihr Signal, als sie ihm mit dem Kopf zunickt, beobachtet sie wie er seinen Stab schwingt und denkt fest daran, in was sich der Irrwicht verwandeln werden soll. Dann stehen da nicht mehr die hochwohlgeborenen mit kurzschnitt verpassten Malfoy, nein jetzt stehen dort zwei bettelarme Bettler und schauen finster durch die Gegend. Jetzt bricht die Klasse in schallendes Gelächter aus und der Irrwicht versteckt sich wieder im Schrank. Hermine bemerkt, dass dieses Ereignis Draco sehr getroffen hat und zieht ihn unauffällig in eine dunkle Ecke und legt einen Desillusionierungszauber über sich und nimmt ihn tröstend in den Arm.

Draco ist sehr erschrocken über seinen Irrwicht und auch die Worte geben ihm zu denken. Er sieht die Betroffenheit in den Augen von Hermine und will sofort zu ihr eilen, als ihm einfällt, dass sie nicht alleine sind und auch seine Mutter nimmt ihm die Entscheidung ab. Verstoßen aus dem Haus, weil man schlechter ist als ein Schlammblut, das waren die Worte seiner Mutter und ängstlich sieht er zu Hermine herüber, die gerade fast vor Wut überkocht. Draco erkennt, dass sie schon kurz davor ist einzugreifen und zückt seinen Stab. Er hat keine Ahnung, was er machen soll und hofft einfach, dass sein Einfall schon ausreicht. Nachdem er seinen Stab geschwungen hat, stehen seine Eltern plötzlich mit kurzhaarschnitt vor ihm. Leider hat es nicht die gewünschte Wirkung und er weiß nicht was er noch machen kann. Als ihm eine Bewegung im Augenwinkel auffällt, atmet er erleichtert auf. Hermine schein eine Idee zu haben und Draco macht sich bereit. Als sie ihm zunickt, schwingt er seinen Stab und staunt nicht schlecht, dass seine Eltern nun als bettelarme Bettler vor ihm stehen. Nachdem sich der Irrwicht verzogen hat, spürt er einen leichten Zug an seinem Arm. Freiwillig folgt er diesem und findet sich kurz darauf in einer tröstenden Umarmung wieder. Erleichtert erwidert er sie, denn er weiß, dass es auch Hermine hart getroffen hat. Die Stunde zieht an den beiden vorbei, bis schließlich der Name Potter fällt. Sofort löst sich Hermine von ihm und dreht sich in Richtung Raum, er macht es ihr nach, was dann kommt ist nochmal eine Nummer höher. Vor Potter taucht ein Dementor auf und dieser ist erstarrt, schafft keinen Patronus, welcher ihm eh nichts geholfen hätte. Draco bemerkt, wie Hermine neben ihm zuckt und dazwischen gehen will, doch er hält sie zurück und kurz darauf stellt sich ihr Professor zwischen Potter und dem Dementor. Schreit laut „HALT". Der Irrwicht ist kurz irritiert, doch dann wechselt er sein Aussehen in einen hell leuchtenden Vollmond. Hermine und Draco sehen sich an, wenn das einer rausbekommt, verlieren sie erneut einen Lehrer in Verteidigung. Wobei er der beste bisher ist. Ihr Lehrer reagiert aber sehr schnell und verwandelt den Mond in einen weißen Luftballon, der in den Schrank fliegt. Damit beendet der Professor auch den Unterricht und scheucht alle aus dem Klassenzimmer.

Jetzt ist Mittagspause und Hermine baut schonmal gedanklich die Verbindung auf. "Hallo Severus, bevor du jetzt in die Große Halle gehst will ich dir noch was erzählen. Bleib bitte unten im Klassenzimmer ich komm vorbei, dann reißen wir mal so ein zwei Stunden zurück, denn was ich zu berichten habe wirst du mir nicht glauben." „Mensch Hermine, heute sehr gesprächig, aber gut ich bleibe, warte kurz. ...... Okay bin wieder da, musste nur kurz einen Erstklässler davon abhalten mein Labor in die Luft zu sprengen. Komm runter und warte vor dem Klassenzimmer, am besten unter einem Zauber, damit dich keiner sieht. Bis gleich." „Alles klar, bis gleich." Hermine kappt die Verbindung und macht sich auf den Weg runter in die Kerker. Dass Draco ihr dabei etwas Rückendeckung gibt, bemerkt sie nur bedingt.
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Das war das 75.Kapitel. Ich hoffe euch hat es gefallen, über eine Review egal ob mit Kritik oder einer Idee würde ich mich freuen.

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