In einem gleichmäßigen Strom prasselte das Wasser auf mich nieder und durchtränkte meine Haare, bis sie sich gänzlich vollgesogen hatten.
Ich stellte das Wasser aus, gab einen Klecks Shampoo auf meine Hand und massierte es mit kreisenden Bewegungen in meine langen Haare ein.
Weil du mir wichtig bist.
Dieser Satz kreiste wieder und wieder durch meine Gedanken und ließ jedes Mal mein Herz ein Stückchen höher schlagen.
Ich war ihm wichtig. Freundschaftlich. Natürlich. Immerhin waren wir uns, wie er meinte, einig, dass ich das nicht wollte. Dass ich das nicht will... Hieß das etwa, dass er etwas anderes wollte?
Energisch stellte ich das Wasser wieder an. Schaum lief mir über das Gesicht und weiter hinab über meinen Körper.
Bestimmt wollte er das nicht. Er hatte Mary, auch wenn er darauf bestand, dass es nichts Festes war. Das sprach nicht gerade für sein Interesse an mir.
Ich wischte mir das Shampoo aus den Augen, blinzelte das Brennen weg und seufzte tief.
Vermutlich interpretierte ich ohnehin nur so viel in diese Aussage hinein, weil die Situation zwischen mir und Lucas so verfahren war.
Als meine Haare endlich ausgespült waren, wrang ich sie aus und stieg aus der Dusche. Ohne hinzusehen tastete ich nach dem Handtuch rechts von mir und wickelte mich damit ein.
Und anstatt mich mal damit zu befassen, wie wir unsere Beziehung retten konnten, sponnen meine Gedanken wilde Fantasien. Das konnte doch nicht wahr sein.
Ziemlich genervt trocknete ich mich ab und schlüpfte in eine Jogginghose und ein weites Shirt. Ich musste dringend auf andere Gedanken kommen. Sehr dringend.
Anschließend warf ich mich auf mein Bett und war gerade dabei, ein Buch aufzuschlagen – ja, seit Fernsehen und Internet tot waren, war das so ziemlich die einzige Beschäftigung, die man alleine ausüben konnte – als es an meiner Tür klopfte.
Ich gefror in der Bewegung. Auch wenn ich in den letzten Wochen vermutlich mehr gelesen hatte als in meinem gesamten vorherigen Leben, bedeutete das nicht, dass ich dabei gestört werden wollte.
Es klopfte erneut.
"Ja?", fragte ich schließlich, ohne mir auch nur die Mühe zu machen, meine Genervtheit zu verstecken.
Die Tür öffnete sich und Lucas steckte den Kopf herein. Na toll, noch mehr Stress.
"Hey", sagte er unbeholfen, "störe ich?"
Verwundert zog ich eine Augenbraue hoch.
"Kommt darauf an, was du vorhast."
Mit einem Seufzen drückte er die Tür weiter auf und schob sich noch ein Stück ins Zimmer.
"Ich will nicht streiten."
Langsam legte ich das Buch auf meinen Nachttisch.
"Ach?"
Er räusperte sich.
"Normalerweise würde ich dich jetzt nach einem Date fragen", murmelte er.
Abwartend legte ich den Kopf schief. Ein Date wäre ja wohl kaum möglich. Zumal ich mich auch fragte, was genau das jetzt bringen sollte.
"Aber das ist gerade etwas schwierig", fuhr er fort und betrat nun mein Zimmer gänzlich. Eine Hand hielt er dabei hinter seinem Rücken.
"Und was hast du dann vor?"
Ich richtete mich auf dem Bett etwas auf, während die Skepsis in meiner Stimme nur allzu deutlich zu hören war.
"Naja", er zog eine Flasche Wein hervor.
"Ich hab Wein geklaut und gehofft, wir könnten ein paar angenehme Stunden verbringen."
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Nephilim - Verfluchte Herkunft
FantasyDie Aufgabe der Halbengel ist es schon seit Ewigkeiten die Welt vor Monstern zu schützen. Doch was wenn dein Vater ausgerechnet Luzifer ist? - Genau das ist Samanthas Realität. Oder viel mehr ihr Fluch. Von den Engeln wurde sie versiegelt, von den H...
