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Den Kopf stur geradeaus gerichtet, stapfte Lucas vor uns her. So schnell, dass wir alle Mühe hatten, hinterherzukommen. Naja, zumindest ich.

Lucien dagegen wirkte nicht im Geringsten so, als müsse er sich anstrengen. Er hätte Lucas wohl mühelos einholen können. Dennoch blieb er neben mir. Sein Blick glitt wachsam über die Straße. Seine Schultern hatte er unter der Jacke deutlich angespannt, als würde er jeden Moment mit neuem Ärger rechnen.

Meine Beine brannten. Der Tag war schon anstrengend genug. Warum mussten wir also jetzt so rennen? Zumal Lucien auch einfach teleportieren könnte.

"Lucas", keuchte ich, "jetzt warte doch mal."

Er ignorierte mich und erhöhte sogar das Tempo. Ich verdrehte die Augen und beschleunigte ebenfalls meinen Schritt. Was hatte ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?

Mein Atem rasselte, trotzdem zwang ich mich zu einem unbeholfenen Trab. Endlich holte ich etwas auf.

"Lucas", japste ich.

Er war nur noch wenige Schritte entfernt. Ich streckte meinen Arm aus, um nach ihm zu greifen. Doch bevor meine Finger auf seine Jacke trafen, wirbelte er herum.

"Was?", knurrte er und funkelte mich an.

Unwillkürlich wich ich einen Schritt zurück, hielt seinem Blick aber stand. Lucien hielt einige Schritte hinter uns an.

"Was ist denn los?", fragte ich.

Lucas' Kiefer mahlte. Er wischte sich mit einer ruckartigen Bewegung die Haare aus dem Gesicht.

"Was los ist?"

Ich zuckte zusammen. Diese Frage traf mich wie ein Schlag. Er bedachte mich mit einem Blick, als hätte ich irgendwas mit Absicht gemacht. Nur was?

Stumm nickte ich und suchte nach Worten. Nach dem Fehler, den ich anscheinend gemacht habe.

Er schnaubte.
"Dass du das noch fragen musst", zischte er.

Verständnislos starrte ich ihn an. Ja, offensichtlich musste ich fragen. Wir hatten das Bündnis geschlossen. Es war alles gut gelaufen. Naja, oder besser gesagt: nicht komplett aus dem Ruder.

"Ja. Muss ich wohl."

Lucas lachte bitter auf.
"Mal ganz davon abgesehen, was ihr beide da veranstaltet", er zeigte dabei abwechselnd auf Lucien und mich, "was zum Teufel fällt dir eigentlich ein, den Menschen unseren Standort zu verraten? Hast du dein Hirn zu Hause gelassen?"

Mein Mund klappte auf. Empört schnappte ich nach Luft, Blut schoss mir in die Wangen.

"Wir müssen ihnen doch auch Vertrauen entgegenbringen."

Er machte einen Schritt auf mich zu und starrte mich finster an.
"Ja, genau. Und als nächstes stürmen sie uns mit unseren Waffen und brennen das Hotel nieder", zischte er mit einer Stimme scharf wie eine Klinge.

Meine Nägel bohrten sich tief in meine Handflächen. Am liebsten hätte ich ihm dafür eine runtergehauen. Wirklich? Wir standen praktisch vor ihrer Haustür und haben Vertrauen von ihnen verlangt, da muss man ihnen schon etwas entgegenbringen.

Stattdessen zwang ich mich, ruhig zu bleiben.

"Und was hätte ich sonst machen sollen?", fragte ich kühl.

"Frag doch deinen Casanova da hinten", spie er aus und nickte dabei in Luciens Richtung.

"Er ist ja der Diplomatische von uns, oder?"

Mein Blick wanderte wie automatisch zu dem Dämon. Lucien stand noch immer ein paar Schritte hinter uns und beobachtete Lucas mit unbewegter Miene. Zwischen seinen Fingern drehte er eine Zigarette hin und her.

Nephilim - Verfluchte HerkunftGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt