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Toskana, Italien,
25. April 1949

Tom und ich saßen auf einem alten Sofa und starrten auf eine Treppe, während wir darauf warteten, dass die Selwyn-Brüder herunterkamen und uns begrüßen würden.

Wir waren auf dem Landgut von Orsino Amani, irgendwo in der Toskana. Er hatte ein wunderschönes Haus mit einem Weinberg. Ich musste zugeben, die Lage hier war viel hübscher als das Macnair-Anwesen in Frankreich. Die Fenster und die Türen des Hauses waren alle offen und luden die frische Brise und das warme Licht im ganzen Haus ein. Als wir ankamen, ging Orsinos Frau in die Küche, kurze Zeit später fing ich an, etwas Leckeres in der Luft zu riechen.

Tom hatte seine Beine zu einem 'T' überkreuzt. Er drehte seinen Zauberstab durch die Finger, als er intensiv die Treppe anstarrte. Wir nahmen uns den Sonntag frei um hierher zu fliegen, damit wir die Brüder persönlich besuchen konnten. Anscheinend gab es Neuigkeiten aus Azkaban. Tom hatte mir dennoch nichts genaueres erzählt, also war ich gespannt.

Ich hörte Kinderstimmen weit weg in der Ferne. Orsino hatte seine ausgedehnte Familie hier im großen Haus mit ihm, erklärte mir Tom. Weil es Sonntag war, war die ganze Familie für ein Picknick fort auf die Felder gegangen, fügte Orsino hinzu. Sein Englisch war akzeptabel, aber sein Akzent war so dick, dass es schwer für mich war, ihn zu verstehen.

Schließlich sah ich Dorado und Indus die Treppe hinuntersteigen. Wir hatten nur weniger als zehn Minuten gewartet, aber das war bereits lange genug für Tom. Beide Männer waren viel sauberer, als wenn ich sie zuletzt gesehen hatte. Dorados Haar war kurz geschnitten. Sein Gesicht war sauber rasiert, aber seine Augen sahen immer noch furchterregend aus. Es fehlte ihm seine linke Augenbraue und eine dicke Narbe hatte ihren Platz ersetzt. Nun sah er nur noch gefährlicher aus. Indus hatte auch seine Haare geschnitten, aber nicht so kurz wie sein älterer Bruder. Sie waren immer noch lockig und hüpften bei jeder Stufe die er hinunterstieg. Ihm wuchs eingut getrimmter Schnurrbart und beide hatten Muggel Kleidung an. Sie schienen ziemlich bequem zu sein, trotzdem konnte ich mir vorstellen, dass ihnen dies nicht sonderlich gut bekam. Es kratze an ihrem Stolz solche Kleider zu tragen, da sie ja eigentlich Reinblütig erzogen wurden.

Orsino war ein interessanter Mann, da er in allen Erscheinungen eher einen Muggellebensstil lebte. Er und seine Frau hatten beide Zauberstäbe, aber es waren nicht viele Zaubererartefakte in seinem Haus, außer einer Familienuhr, die anzeigte, wo alle zur Zeit waren. Darüber hinaus hatte ich nicht einen Hauselfen gesehen und fing langsam an zu glauben, dass es nicht mal einen gab.

Tom stand auf, um ihre Hände zu schütteln, wie es ein richtiger Gentleman nun mal tat. Ich stand auch auf, aber ich habe meine Hand nicht gegeben. Ich nickte ihnen zu, und vermeid Dorado Blick. Umso glücklicher war ich um Indus Gesellschaft. Unruhige Gefühle wuchsen in meiner Brust, als ich mich an mein letztes Treffen mit den Brüdern erinnerte. Indus überragte uns, während Dorados Grösse in Augenhöhe mit mir war. Auch er mied meinen Augenkontakt, Dank Merlin will ich an der Stelle sagen. Nach unserem stillen Gruß zeigte Tom beiläufig mit seinem Zauberstab zu Dorado.

"Streck deinen Arm aus" sagte Tom.

Dorado gab den rechten Arm.

"Nein, deinen linken und rolle deinen Ärmel hoch."

Dorado antwortete leicht genervt, "Wie du willst, Tom."

Nachdem Klang seines Namens, schlug Tom seinen Zauberstab in Dorados Hals und näherte sich so, dass sie fast von Angesicht zu Angesicht standen.

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