Albanien,
6. Juni 1947
Schon zwei Tage waren wir bereits unterwegs.
Tom und ich tauschten abwechselnd zwischen Schlaf und Wachsein ab. Der Mangel an Schlaf war für mich eine Art Folter, welcher ich schon immer nicht besonders lange standhalten konnte.
Als wir anfingen langsam abwärts zu fliegen, spähte die Sonne kaum hinter den Bergen. Ich hatte Hoot aus ihrem Käfig gelassen, damit sie gelegentlich mit uns zusammen fliegen konnte. Doch jetzt schlief sie tief und fest.
Anhand unsere Trajektorie und die Beurteilung durch die Landschaft, hatten wir diese vergangenen Tage Südeuropa überflogen und waren nun in der Nähe des Mittelmeers.
Von oben in den Wolken, konnte ich die üppigen Landschaften bestaunen. Das Meer war in ein atemberaubendes Blau-Grün, nicht so wie Englands Gewässer, getränkt und ich konnte sehen, wie der weisse Schaum auf den felsigen Klippen aufprallte. Auf dem Plateau waren grüne Felder, die dem dunklen Wald Gesellschaft leisteten. Der dunkelgrüne Wald bedeckte das Gebirge wie eine warme Decke. Weiter südlich des Plateaus war ein kleiner Bach, der zum Ozean mündete. Aber ich konnte das ganze Land nicht sonderlich gut erkennen, da es Morgennebel gab, der viel von dem Boden bedeckte. Als wir näher kamen, konnte ich eine kleine verlassene Steinhütte sehen, die in der Nähe einer der Klippen auf einem offenen flachen Landstrich herausragte.
Schliesslich berührten wir den Boden.
Ich fiel in das Taugras, dankbar für den festen Boden unter meinen Füssen, auf dem ich mich steht's verlassen konnte. Ginge es nach mir, so würde ich auf der Stelle liegen bleiben und einschlafen. Aber es war nicht meine Entscheidung...
"Willkommen in deinem neuen Zuhause, Eva", hörte ich Toms Stimme.
Obwohl ich vom ersten Augenblick an, als ich das Haus sah wusste, dass dies nun unsere Unterkunft sein würde, öffnete ich unwillkürlich meinen Mund um es auch auszusprechen.
"Also wir ... wir werden hier zusammen leben?", sagte ich, während ich die Eule aus ihrem Schlaf weckte. Sie flatterte mit ihren Augenliedern doch machte nicht den Anschein, sich wecken zu lassen. Also liess ich den Käfig offen. Sie würde schon aufwachen wenn sie es wollte...
Tom blinzelte, als die Sonne über die Berge aufging und ihn etwas blendete.
Er machte einen finsteren Gesichtsausdruck. "Glaubst du, das dein naives Gerede einen positiven Effekt auf mich hat? Nein, es passiert vielmehr das Gegenteil. Natürlich werden wir zusammen leben. Tu' mir einen Gefallen und halt deinen Mund wenn du so dumme Fragen stellst, ansonsten wird deine Zeit hier kürzer sein, als dir lieb ist."
Der Biss in seiner Rede offenbarte mir, dass er wohl genau so müde war wie ich. Mein Kopf hing tief, als ich seine Worte mir zu Herzen nahm. Ich nehme an, ich sollte mich besser an seine Haltung gewöhnen, wenn ich diesen Ort nun mein Zuhause nennen wollte.
Unser Zuhause.
Ich musste diese Worte sinken lassen. Tom Marvolo Riddle und ich teilen uns ein Haus und niemand war hier, um uns zu stören. Vor fünf Jahren hätte ich alles dafür gegeben, um mit Tom zu leben. Jetzt war ich hier und nun musste er seine Gefühle auch nicht mehr verstecken, genauso wenig wie ich. Denn wir waren hier für uns ganz allein. Plötzlich strahlte ich mit Freude auf die Verwirklichung unserer abgeschiedenen Situation.
Er sagte, dass wir näher an das Haus gehen sollten, das immer mehr wie eine Hütte aussah. Es war ein typisches quadratisches Haus mit einem roten Schindeldach. Die Pflanzen waren auf dem Weg zu den Wänden des Holzes gewachsen. Ich sah ein Fenster auf der westlichen Seite und eine runtergekommene Haustür. Teile der Wände und des Daches fielen auseinander und Schimmel, wahrscheinlich von der Feuchtigkeit der Meeresluft, hing an den Rändern des Daches und Spinnenweben bedeckten die meisten Ecken und Felsspalten.
DU LIEST GERADE
Heirs
Fiksi Penggemar(WARNING: MATURE CONTENT!) - The Life of Tom Riddle - Storyline: 1942 - 1981 Die Wahl zwischen seinem ultimativen Verlangen nach Weltherrschaft und dem, was ihm schon immer verweigert wurde: Liebe. Die Geschichte erstreckt sich von seinen Schuljahr...
