Ein nächtlicher Tauchgang
Sturmblaue Augen sahen hinauf zum kalten Nachthimmel, an dem ein halber Mond stand und die Schlucht, durch die der Fluss sich einen Weg gefressen hatte, in silbernes Licht tauchte. Bewegungslos stand er neben den reißenden Wellen, während die leichte Brise mit seinen braun-roten Locken spielte und lauschte in die Dunkelheit.
Normalerweise war das nicht seine Art. Nein. Sicher nicht.
Er war weder ein Kämpfer, noch ein Held. Er war intelligent genug, um zu verschwinden bevor es gefährlich wurde. In diesen ganzen Wochen, seit die Hölle auf Erden losgebrochen war, hatte der Junge sich noch keinen einzigen Kratzer eingefangen und diese Bilanz hatte er auch weiterhin vor zu halten.
„Wenn du das wirklich vor hättest würdest du nicht ernsthaft mit dem Gedanken spielen…“
Genau in diesem Moment hallte der Schrei eines Adlers durch die kahle Ebene und keine Sekunde später tauchte die dunkle Silhouette in seinem Sichtfeld auf.
„Ich muss verrückt sein.“
Brummelte der Knulf in sich hinein, stellte seinen schwarzen Rucksack neben sich, entledigte sich seinem langen Mantel und kurz darauf folgte der Pullover, sowie das T-Shirt, das er darunter getragen hatte.
„Ich muss mehr als verrückt sein.“
Jetzt, wo kein Stoff mehr über seiner blassen Haut lag konnte man die beeindruckenden Muskeln genau erkennen, welche zuvor nur zu erahnen gewesen waren. Geduldig, als würde die Kälte ihm nichts anhaben können wartete er, bis der Adler beinahe auf einer Höhe mit ihm selbst war, dann sprang der Knulf in die tosenden Wellen.
Eisiges Wasser schlug über seinem Kopf zusammen, riss ihn mit sich, doch mit kraftvollen Armzügen schwamm er unbeirrt in die Mitte des Flusses, über der der Adler mit wachsamen Augen seine Kreise drehte.
Tief sog der Knulf die eisige Luft ein und tauchte dann, bis er endlich sah, wonach er suchte. Er packte den leblosen Körper, den die Strömung bis hier mitgerissen hatte und mühte sich ab mit ihm zurück zum Ufer zu kommen, doch das zusätzliche Gewicht zerrte ihn nach unten, auf den Grund des Flusses. Die schwarzen Wellen kletterten über seinen Kopf hinweg, füllten seine Lunge und plötzlich hatte er wieder festen Boden unter den Füßen.
Keuchend spuckte der Knulf kaltes Flusswasser, während der Adler sich auf dem Kies neben den beiden jungen Männern niederließ.
„Wehe das war jetzt umsonst!“
Hustete er, schob sich eine triefende Locke aus dem Gesicht und prüfte den Puls des jungen Mannes, den er gerade aus dem Fluss gezogen hatte.
Trotz der Schusswunde in seiner Brust lebte er. Wer auch immer auf ihn geschossen hatte, hatte sein Herz treffen wollten, doch es verfehlt. Knapp, doch diese paar Zentimeter hatten dem Schuss seiner Tödlichkeit beraubt.
Der Knulf lächelte. Eine Nacht am Feuer, Ruhe und etwas Antibiotika, dann würde das schon wieder werden.
DU LIEST GERADE
Bis zum letzten Tropfen Blut
FanfictionBerlin (Lefloid, Frodo, Steve, Rick) Köln (Taddl, Ardy, Ungespielt, Dner, Herr Bergmann, Izzi, CatyCake, iblali, Tc, Andre) Essen (GermanLetsPlay) „Du versuchst sie zu retten, das ist edel. Du willst deine Freunde retten, aber der Wille allein rei...
