Epilog

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Epilog

½ Jahre später

 

Sie konnte nicht glauben, was sie da tat. Es war absoluter Irrsinn! Alles, wirklich alles, was sie jemals gewollte hatte, hatte sie auch bekommen! Respekt, Geld, Gesundheit, einen perfekt arbeitenden Körper… und doch hatte sie es nur ein halbes Jahr in diesem Paradies ausgehalten und lenkte jetzt ein Flugzeug zurück nach Deutschland.

Vielleicht lag es daran, dass der Soldat seine Suche nach Simon schon längst aufgegeben hatte. Er wäre wahrscheinlich tot, hatte er gesagt. Was für ein Idiot!

Simon war nicht tot! Annika würde nicht glauben, dass er Tod war, bevor sie nicht seine Leiche gesehen hatte!

Sie landete auf ihrem alten Grundstück am Bodensee, um ihre Vorräte noch etwas aufzustocken und sich dann auf den Weg zu der Stelle zu machen, an der sie Simon ein letzte Mal gesehen hatte.

Mit energischen Schritten wollte sie um das Haus herum zum Eingang gehen, als ihr plötzlich etwas wütend knurrend gegen den Knöchel sprang.

Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte sie die kleine, weiße Hündin, entsicherte ihre Waffe, um sich dieses nervige Ding aus dem Weg zu schaffen, als ein Pfiff sie herumfahren ließ.

Augenblicklich verstummte die Hündin und machte sich auf den Weg zurück zu ihrem Herrn, der in der halb geöffneten Tür der Terrasse ihres Hauses stand und sie mit stechenden, grünen Augen musterte.

Auch wenn Annika sein Gesicht nie gesehen hatte wusste sie sofort, wer vor ihr stand.

„GermanLetsPlay.“

Hauchte sie andächtig und ließ ihre Waffe sinken.

„Eine Überlebende.“

Unbeeindruckt musterte er sie und bewegte sich keinen Zentimeter aus dem Türrahmen heraus.

„Ich habe lange auf diesen Moment gewartet. Es war schließlich nur eine Frage der Zeit, bis noch jemand hier auftaucht und Anspruch auf diese Villa erhebt.“

„Nein. Ich will keinen Anspruch auf irgendwas erheben. Ich bin nur auf der Durchreise. Mehr nicht.“

Annika steckte ihre Waffe komplett in den Gürtel und kam lächelnd auf ihn zu.

„Bist du alleine, Manu?“

Er nickte.

„Ich habe jeden verloren. Nur noch Luna ist bei mir.“

Bedächtig beugte er sich zu der kleinen Hündin herunter, um ihr durch das weiche Fell zu streichen. Dabei verrutschte der Pullover etwas und gab den Blick frei auf eine halbmondförmige Narbe an seiner Schulter.

Ein verheilter Biss.

Annika stolperte einen Schritt zurück. Er war immun. Genau diese Art von immun, die ihr eigentlich die Kontrolle über ihre Beine zurückgegeben hatte.

Die, die sie nie wirklich bei Taddl hatte nachweisen können…

Verschwundene Objektträger, Blutproben, die an anderen Stellen wieder aufgetaucht waren… Es würde passen, aber es durfte nicht wahr sein, denn das würde bedeuten… dass Manuel schon die ganze Zeit da gewesen war, dass er wusste wer sie war und, dass er wusste, was sie getan hatte…

Ein Blick an seinen Gürtel genügte ihr, um zu erkennen, dass Manu noch seine Waffe bei sich trug und sie war geladen.

„Werde ich dieses Grundstück lebend verlassen?“

Der junge Mann sah nicht einmal auf.

„Du hast mein Leben zerstört, meine Freunde und meine Familie getötet und mich als Überträger verwendet. Nein. Ich habe ein halbes Jahr gewartet, bis du endlich zurückkehrst, also wirst du dieses Grundstück nicht lebend verlassen, wenn ich es verhindern kann. Renn von mir aus, Annika. Du kannst es gerne versuchen.“

Das tat sie auch. Ihre Beine trugen sie mittlerweile so zuverlässig, als wäre Annika nie gelähmt gewesen. Das hohe Sommergras kratzte an ihren nackten Beinen, denn der Sommer war so heiß, dass sie nur kurze Hosen trug. Sie zog ihre Waffe, eigentlich hätte sie Manuel gleich erschießen sollten, aber was nicht war konnte ja noch werden… Mit fliegenden Fingern lud das Mädchen nach, wollte sich umdrehen, um zielen zu können, doch da hallte der erste Schuss durch die klare Sommerluft.

Ein rasender Schmerz fuhr durch ihr rechtes Bein. Annika schrie auf, stolperte und ließ dabei ihre Pistole fallen. Der zweite Schuss folgte beinahe sofort und plötzlich war es wieder so, als wäre nichts passiert.

Die Beine knickten unter ihr weg, jedes mit einer Kugel im Knie, und Annika landete mit dem Gesicht im Dreck der vom Morgentau nassen Wiese.

Nein! So durfte es nicht enden! So konnte es nicht enden!

Verzweifelt krallte sie sich mit ihren Fingern in den weichen Boden und zog sich auf ihre Waffe zu, die nicht weit von ihr im Gras gelandet war, doch als das Mädchen schon das kalte Metall an ihren Fingerspitzen spürte schnappte Luna zähnefletschend nach ihrer Hand und erschrocken zog Annika sie zurück.

„Braves Mädchen.“

Seelenruhig lief Manu an ihr vorbei, tätschelte der kleinen Hundedame den Kopf und nahm Annikas Waffe an sich.

„Das nennt man dann wohl Karma, was?“

Er ließ den stechenden Blick seiner grünen Augen über sie gleiten, wie sie schmutzig und blutend am Boden lag.

„Jeweils einen Schuss für jeden meiner Brüder.“

In aller Ruhe lud er nach, entsicherte seine Waffe.

„Fehlt noch der für meine Mutter.“

Mit diesen Worten zielte er auf Annikas Kopf, genoss diesen Moment, auf den er ein halbes Jahr gewartet hatte, für einen Augenblick, schoss…

Und wenn GermanLetsPlay schoss, dann traf er auch. 

Bis zum letzten Tropfen BlutGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt