79. Vor einem Jahr

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Vor einem Jahr ist etwas passiert. Etwas, was mein heutiges Leben geprägt hatte.
Vor einem Jahr hatte ich einen Unfall.
Harry hatte mir immer vorgeschwärmt, wie es sei, auf einem Besen zu reiten, sodass ich es nun auch ausprobieren wollte.
Natürlich ohne Zuschauer. Quidditch war das einzige Thema, was ich nicht verstand.
Am frühen Morgen, so früh, dass kein anderer wach sein würde, stand ich auf und schnappte mir Harrys Besen, den er gestern nach dem Training im Gemeinschaftsraum vergessen hatte, weil ich ihn abgelenkt hatte.
Respektvoll strich ich über das Holz des Feuerblitzes und machte mich dann auf den Weg zum Quidditchplatz.

Frische Luft empfing mich, doch auch die ersten Sonnenstrahlen.
Während meine Schuhe den Weg durchs feuchte Gras fanden, nahm ich einen Schatten im Augenwinkel wahr. Ich drehte mich dahin, doch entdeckte nichts. Bestimmt hatte ich mir das nur eingebildet.
Auf dem Platz angekommen, las ich nochmal einen Abschnitt des Buches über das Besenreiten für Anfänger durch.

Wieso tat ich das eigentlich?
Vielleicht weil ich eine gewisse Person beeindrucken wollte, wenn ich genug geübt hatte.
Draco Malfoy, mein heimlicher Schwarm seit der vierten Klasse, spielte seit dem zweiten Jahr in seiner Hausmannschaft. Und er war gut.

Am Anfang des fünften Jahres hatte ich mich zu Malfoy gesetzt, weil ich wusste, dass er schlau und intelligent war. Er war der zweitbeste Schüler aus unserem Jahrgang. Ich dachte, vielleicht könnten wir über den Unterricht Kontakt aufnehmen, ein Team bilden. Und das hatte funktioniert.
Im Sommer diesen Jahres hatte ich nicht nur erreicht, dass er mit mir lernte, sondern auch, dass wir Freunde wurden.
Und ich hatte mich noch mehr in ihn verliebt.
Und nun wollte ich in diesem Sommer lernen, auf einem Besen zu fliegen. Für ihn.

Ich atmete tief durch und schwang mich dann auf den Besen.
Ich befolgte die Anweisungen aus dem Buch, die ich vorsorglich auswendig gelernt hatte, und stieg in die Luft.
Alles klappte und ich schaffte es sogar, ein paar Runden zu fliegen.
Langsam machte es Spaß. Ich spürte den Wind, der meine Haare zerwühlte.
Und ich spürte die Freiheit.

Bei der nächsten Runde sah ich plötzlich jemanden auf dem Platz und erschrak so sehr, dass ich vom Besen fiel.
Oh nein, Harrys geliebter Besen!, schoss es mir durch den Kopf und ich schrie "Wingardium Leviosa!", bevor ich für ein paar Augenblicke ohnmächtig wurde.
Harry hätte es mir nie verziehen, wenn seinem Besen etwas passiert wäre.
"Hallo? Hermine? Kannst du mich hören?"
Das war das erste Mal, dass Draco mich Hermine genannt hatte.
Aus seinem Mund klang das so schön.
Ich nickte, schließlich hatte ich ihn ja gehört.
"Ich bringe dich jetzt zu Madam Pomfrey."
Ich wurde vom Boden gehoben und spürte plötzlich alle Schmerzen.
An meinem ganzen Körper tat es weh.
Für einen Moment war mein Gesicht Dracos so nah, dass ich ihn küssen wollte, doch ich hörte die Stimmen, was die anderen sagen würden.

Ihr passt nicht zusammen.

Gryffindor und Slytherin gehören nicht zusammen.

Sein Vater ist ein Todesser.

Du stammst nur von Muggeln ab, nicht von Zauberern.

Du bist mutig und schlau und benimmst dich erwachsen, du hast etwas Besseres verdient.

Draco Malfoy und Hermine Granger? Niemals!

Er hat dich jahrelang beleidigt.

Er ist nicht der Richtige für dich.

Pansy und Draco würden besser zusammenpassen.

Das hält doch eh nicht.

Die streiten sich dich dann bestimmt voll oft.

Je mehr ich über mich und Draco als Paar nachdachte, desto mehr Stimmen kamen.
Doch hatten sie Recht?
Ich liebte Draco. Und daran konnte niemand etwas ändern.
Bevor ich weiter nachgrübeln konnte, fielen meine Augen zu und ich atmete ein letztes Mal den angenehmen Geruch von Draco ein.

Am Abend wachte ich auf.
Oder war es schon Nacht?
Ich lag in einem dieser weißen Betten im Krankenflügel und verspürte kaum noch Schmerzen.
Madam Pomfrey hatte gute Arbeit geleistet.
Plötzlich kam mir mein Retter in den Sinn.
Wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich dann gestorben?
Wie lange hätte es wohl gedauert, bis ich gefunden worden wäre?

Dann schlugen wieder die Stimmen auf mich ein, die mich immer heimsuchten, wenn ich zu viel über Draco nachdachte.
Gekonnt schob ich sie beiseite, mit dem Gedanken, dass sie für immer schweigen sollten.

Ich würde es der Welt zeigen. Sie lagen alle falsch.

Vorsichtig warf ich die Decke zurück, stand auf und zog mir frische Klamotten an. Dann schlich ich zum Ausgang.
In den Gängen war nichts mehr los, also schloss ich daraus, dass die Nacht schon hereingebrochen war. Ich machte mich auf den Weg zum Gemeinschaftsraum der Slytherins, doch auf einer Treppe hörte ich plötzlich ein Geräusch. Was wenn mich ein Lehrer erwischte?
Ich hastete die Treppe wieder hinauf und versteckte mich hinter einem Vorhang.
Schritte näherten sich. Vorsichtig lugte ich hinter dem Stoff hervor und erkannte Draco.
Mein Herz sprang auf und ab und ich konnte es gar nicht mehr beruhigen.
Ich trat hinter dem Vorhang hervor, nahm Dracos Hand und rannte los.

Erst, als wir aus dem Schloss herausgeflitzt waren, stoppte ich.
Als sich unser Atem jeweils wieder beruhigt hatte, stellten wir zeitgleich eine Frage.
Ich wollte wissen, wo er mitten in der Nacht hinwollte und er erkundigte sich danach, wie es mir geht.
"Es geht mir besser als heute Morgen."
"Ich wollte zu dir und nach dir sehen." Seine Worte erwärmten mein Herz.

"Hey, Draco. Ich liebe dich." Seine Augen leuchteten wie die Sterne über uns am Himmel.
"Du weißt gar nicht, wie sehr ich dich liebe, Hermine!"
Wir legten uns in das feuchte Gras, mein Kopf auf seiner Brust, sein Arm um meinen Oberkörper verschlungen. Unsere Gesichter zeigten zueinander und ich traute mich endlich, meine Lippen auf seine zu legen.
Er erwiderte den Kuss.
Als wir uns lösten, blieben wir liegen und schliefen ein.

Diese Nacht war der Beginn von etwas Großem.
Heute, in dem sechsten Schuljahr, genau ein Jahr später lagen wir wieder unter dem Sternenhimmel. Unsere Besen neben uns.
Mit Draco hatte ich das schönste Jahr meines Lebens genossen und es würden noch sehr viele weitere folgen.

Wir hatten es der Welt gezeigt. Sie hatten alle falsch gelegen.
Wir gehörten zusammen.
Denn wir waren Draco Malfoy und Hermine Granger.

Vor genau einem Jahr fing alles an.
Ich habe hier meinen ersten Oneshot veröffentlicht.
Anfangs habe ich auf die Zahlen geguckt, wie viele Reads ich habe oder wie viele Votes usw. . Doch irgendwann habe ich aufgehört und das war gut so. Mir geht es nicht darum, viele Menschen zu erreichen, sondern darum, dass die Menschen, die meine Storys lesen, meine Worte schätzen.
Ich möchte Menschen mit meinen kurzen (immer unregelmäßig kommenden;) Kapiteln eine kleine Freude machen.
Natürlich freue ich mich trotzdem über Votes und besonders über Kommentare.
Die vielen Kommentare bringen mich zum Lachen oder Lächeln und ich freue mich über jeden Kommentar.
Ich finde es schön, mich mit Leuten auszutauschen, bei denen ich weiß, dass uns etwas verbindet. Sei es Bücher oder Dramione.

Also an alle, die von Anfang an dabei waren und alle, die irgendwann dazugestoßen sind und alle restlichen Menschen, danke ich und hoffe, dass euch meine Oneshots etwas bringen.

Gewidmet an ALLE

Dramione OneshotsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt