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Eigentlich dachte ich, nach dem Smoothie wäre Schluss. Aber die Gespräche drifteten ab und nach ungefähr drei Wochen merkte ich, wie gut es zur Abwechslung mal tat, mit jemandem zu reden.

Ich hoffte darauf, dass Élian mir keine Probleme bereiten würde. Probleme lockten mich förmlich an, sonst wäre ich sicherlich nicht dem größten Mafiaboss der Weltgeschichte über den Weg gelaufen.

Und das rein zufällig. 

Gott muss mich ja regelrecht hassen.

Élian war absolut nicht aufdringlich, ich wusste zwar wo er für mich stand, aber ich war zuversichtlich, dass ich das kleinste Risiko meiden würde, wenn eine Gefahr für mich einher gehen würde.

Und wenn ich mit einer Katze auf meinem Schoß in diesem Haus in keine Ahnung wie vielen Jahren alleine abkratzen würde.

Mir egal.

Als mein Magen irgendwann zu knurren begann, brach Élian das Gespräch über seine Hobbys ab und hob amüsiert die Braue.

"Was?"

"Hunger?"

"Ja. Sag mir nicht, du bist auch noch ein exzellenter Koch."

"Nein, aber ich kann außerordentlich gut Pizza bestellen."

"Pizza klingt...gut."

"Dann bestelle ich für dich. Und ich...", er warf ein Blick auf seine Uhr am Handgelenk, "vielleicht sollte ich lieber gehen."

Bei dem Gedanken daran, hier wieder alleine zu hocken, zog sich alles in mir zusammen. Und das war nicht gut, weil ich mich sehr wohl darauf einlassen sollte, alleine zu sein.

Für den Rest meines Lebens.

Wobei...es ist nur ein Kontakt. Nur e i n einziger Kontakt zu einem Lebenden.

"Du kannst gerne hier bleiben, wenn du sonst nichts vorhast", kommentierte ich möglichst gleichgültig. Er sollte meinen Drang nach Menschenkontakt nicht falsch deuten. 

Élian atmete tief durch. Dann holte er das Handy hervor und tippte rum. Ich gab ihm meine Bestellung weiter, danach versuchte er aus mir schlau zu werden.

Dabei kannte er immer noch nicht meinen Namen. 

"Also, wie bist du darauf gekommen, nach Cannes zu ziehen?"

"Ich...liebe die Filmkulisse. Riesiger Fan von Filmtechnik."

"Lüge", er lachte. 

"Ich lüge nicht!", zischte ich.

"Doch, ich sehe, wenn Menschen lügen. Und in Anbetracht dessen, welchen Lebensstil du führst, habe ich eher das Gefühl, du willst in Cannes nicht aufgehen, sondern untertauchen. Auch wenn es eigentlich keine ungeeignetere Stadt dafür gäbe."

Schluck.

Ich lehnte mich in der Couch ihm gegenüber leicht vor. Ich würde ihn schockieren, so viel stand fest.

"Ich bin meiner Vergangenheit entflohen, weil ich gesucht und höchstwahrscheinlich getötet werde, wenn man mich findet. Ich lebe im Exil und es wäre besser für mich, wenn ich auch im Exil bleibe."

Élian starrte mich einfach nur an.

Ich grinste tückisch.

Jeden Moment würde er anfangen zu lachen. 

Der Pizzabote kündigte sich mit einem Klingeln an der Tür an. Langsam stand Élian auf, um zur Tür zu gehen und diese zu öffnen, als er einen Satz raushaute, der mir das Gegrinse aus dem Gesicht verjagte. 

R O M E R O II [Riccardo Mancini]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt