Ein kalter Wintertag. Die Schneeflocken schweben umher, doch bleibt der Schnee mindestens einen Tag liegen, wenn es überhaupt welchen gibt. Ich sitze vor meinem Laptop, versuche mein Herzensprojekt fertig zu stellen, um meinen Traum zu verfolgen, professionelle Autorin zu werden. Aber nichts funktioniert, wie ich es möchte. Doch schaffe ich es zum Glück das Manuskript bis zu einem bestimmten Punkt fertig zu stellen. Ausdrucken und fertig. Auch der Drucker macht keine Probleme. Sieht nach einem glücklichen Tag aus.
…
Nein, absolut nein! Nachdem ich das Manuskript zum Verlag geschickt und eine Woche später dieses mit einer kleinen Beurteilung zurückerhalten habe, ist die Traumblase geplatzt. Dabei war es mein bestes Werk. Niedergeschlagen, aber auch wütend nehme ich mir Handy und Kopfhörer und schalte das Lied „Demons“ von den Imagine Dragons an. Ist eigentlich Masochismus. Schon die erste Zeile der zweiten Strophe bricht mir das Herz erneut „When the dreams all fail“. Dennoch schließe ich meine Augen und als ich sie wieder öffne, sehe ich eine Welt, die nicht unterschiedlicher sein könnte. Auch meine Kleidung hat sich geändert, doch höre ich im Ohr immer noch die Melodie von meinem Lieblingslied. Ich gehe ein bisschen rum und als ich in weiter Ferne das Schloss entdecke, weiß ich, dass ich dort hinmuss. Ausrüstung und alles wird überprüft, wodurch ich feststelle, dass ich alles zu haben scheine, was ich benötige, um mich durchzukämpfen.
Auf meiner Reise begegne ich einigen Gegnern, die ich, wenn nötig, bekämpfe. Der Tag-Nacht-Rhythmus unterscheidet sich komplett von dem, den ich kenne. Es geht nicht nach 24 Stunden, auch nicht nach 12. Er ist vollkommen unregelmäßig, zumindest an meinem Zeitgefühl gemessen.
Trotz allem erreiche ich den relevanten Weg. Auch hier fällt der Schnee und pudert die Welt, nur bleibt der Schnee liegen. Die Melodie in meinem Ohr wird penetranter und allmählich vernehme ich die Stimme des Sängers. Interessanterweise tauchen hier aber keine Gegner auf, doch spüre ich mit jedem Meter deutlicher, wie es mir den Hals blockiert und meine Wut weiter ansteigt, meine Frustration. Meine Sicht verschwimmt, wird gleichzeitig klarer. Als ich mich kurz umschaue, bemerke ich, wie sehr dieses verlassene Königreich auf den Text zutrifft. Nicht zu 100 Prozent, aber in einzelnen Elementen. Vor allem in der Stimmung.
Plötzlich spüre ich einen ungeheuren Schmerz in meinem Kopf. Verziehe das Gesicht, falle auf die Knie, schreie. Schreie eine halbe Ewigkeit. Bis es abebbt, ich atemlos auf dem Boden hocke und eine Hand mir gereicht wird. Als heraufschaue, blitzt mir das diebische Grinsen eines mir unheimlich erscheinenden Kerls entgegen. Bei genauer Betrachtung bemerke ich, dass er etwas von einem Dämon hat. Und als ich noch genauer hinschaue erkenne ich auch die kleinen Hörner in seinem ungewöhnlich weißem Haar. „Gnädiges Fräulein, wie lange möchtet Ihr noch auf dem kalten Boden sitzen?“, seine Stimme klingt im Gegensatz zu seiner unheimlichen Ausstrahlung warm und einlullend. Irgendwie erinnert sie mich an die Tage, wenn ich mich bei Problemen in ein Café verziehe, um heiße Schokolade zu trinken und mich aufzuwärmen. Oder an die Tage, wenn ich mich in eine Decke einkuschle, alles scheiße gelaufen ist und ich mich einfach nur noch in die Bücherwelt verziehe.
Ein kurzer Blick in seine Augen verrät mir, warum es sich so anfühlt, wieso ich vorhin diesen Anfall hatte, warum diese Welt diesen Druck auf mich ausübt, wieso ich die ganze Zeit diese Melodie vernehme und sie immer penetranter wird. „Ihr seid …“, doch weiter komme ich nicht. Der Mann ergreift meine Hand und hilft mir hinauf. „Wenn Ihr es begriffen habt, dann stellt Euch dem, was diese Welt so grausam werden ließ."
Guter Witz, wie soll ich das denn bitte anstellen?
„Ihr beliebt zu scherzen, mein Herr. Wie soll ich das denn bitte machen?“, „Indem Ihr nicht aufgebt. Ihr habt es doch gesehen, oder? Ihr wisst, wer ich bin. Warum Ihr keine Angst vor mir habt. Wisst Ihr, es gibt immer eine Lösung. Der erste Schritt ist, sich den hiesigen Gefahren zu stellen und bis zum Schloss vorzuschreiten. Dort treiben böse Dämonen ihr Unwesen. Nur Ihr könnt Sie stoppen. Denn es sind Eure.“
DU LIEST GERADE
Gedankennebel
Kısa HikayeDu liest gerne Kurzgeschichten mit verschiedensten Themen? Und das umgesetzt auf unterschiedlichster Art? Du interessierst dich für die abwechlungsreiche Mischung verschiedener Schreibstils, Inhalte und Genres? Dann ist dieses offizielle Buch vom Wa...
