Etwas weckt mich. Ich kann nicht genau sagen, was es ist. Ein unheimliches Gefühl. Als wäre gerade etwas Schlimmes passiert. Ich stehe auf und schaue auf meinen Wecker.
6:31
Großartig. Ich dachte, ich könnte die Feiertage genießen und endlich ausschlafen. Offensichtlich hat das nicht geklappt. Ich habe etwa drei Stunden Zeit, bis ich meine Eltern vom Bahnhof abholen muss. Da ich nicht schlafen kann, beschließe ich, die geschenkte Zeit zu nutzen, um ein Willkommensfrühstück vorzubereiten. Sie sind mit dem Nachtzug gefahren, der bietet normalerweise abends und morgens einen kleinen Snack an, aber ich bezweifle, dass das Essen im Zug großartig ist.
Doch egal wie sehr ich auch versuche, mich abzulenken, das unheimliche Gefühl lässt mich nicht los. Erst als ich meine Eltern vom Bahnhof abhole und sie mich nach ihr fragen, fällt mir auf, dass sie mich nicht besucht hat. In den Ferien kommt sie normalerweise täglich vorbei, meist viel zu früh für meinen Geschmack, um zu versuchen, dass ich sie „spontan" einlade. Sie hat ja auch keine Dauereinladung.
Ich fahre meine Eltern nach Hause und versuche, ihren Geschichten zuzuhören, aber in Gedanken versuche ich bereits herauszufinden, wo sie ist. Ich kann mich nicht einmal über den Schnee freuen, der endlich mal pünktlich zu Weihnachten aufgetaucht ist.
Nach dem Frühstück entschuldige ich mich, um nach ihr zu suchen. Mein erster Halt ist ihr Haus. Ich klingele mehrmals an der Tür, bevor ich meinen Ersatzschlüssel verwende und eintrete. Draußen schneit es immernoch, aber drinnen ist es warm. Fast zu warm, als hätte sie die Heizung auf die höchste Stufe gestellt. Ich überprüfe die Küche, ihr Schlafzimmer und ihre zwei Kellerstockwerke. Keine Spur von ihr. Jetzt mache ich mir wirklich Sorgen.
Vielleicht wollte sie noch einmal zu den Ruinen gehen?
Ich verlasse ihr Haus noch einmal, entschlossen, sie zum Abendessen nach Hause zu bringen. Während ich zum Tor fahre, schaue ich mir den Schnee genauer an. Es hat wochenlang nicht aufgehört zu schneien. Die Stadt hat ständig daran gearbeitet, die Straßen zugänglich zu halten. Mehr oder weniger erfolgreich.
Endlich erreiche ich das Tor und parke mein Auto. Hier schneit es stärker, ich kann kaum etwas sehen. Es ist auch kein sanfter Schneefall, in dem man tanzen würde. Er ist stark und trifft mich hard im Gesicht. Er versucht, unter meinen Hut und in meinen Mantel zu gelangen. Ich kämpfe mich zur Treppe vor, nur um festzustellen, dass sie ebenfalls mit Schnee bedeckt ist. Es fühlt sich an, als würden Schnee und Wind einen Kanal entlang der Treppe bilden. Ich versuche mein Bestes, um aufrechtzustehen, aber die Treppe ist glatt und ich kämpfe gegen den Wind. Ich bin fast oben angekommen, als ich ein lautes Knacken höre. Verwirrt versuche ich herauszufinden, woher es kommt, doch der Schnee stellt ein Hindernis dar. Als ich bei der Tür ankomme, stelle ich fest, dass sie weit offen steht. Meine Instinkte waren richtig. Ich gehe die restlichen Stufen hoch, werde immer schneller. Endlich erreiche ich den Rand, aber ich kann nichts sehen.
Weg sind die Ruinen.
Weg sind die Straßen.
Weg sind die Autos.
Es ist dunkel. Ich kann nicht weiter als ein paar Meter sehen.
"Hallo? Wo bist du?"
Meine Stimme hallt wieder.
Keine Antwort.
Sie muss diejenige gewesen sein, die die Tür geöffnet hat. Wir sind die Einzigen, die davon wissen. Und wir haben immer darauf geachtet, dass die Tür nach dem Verlassen verschlossen war. Warum war es jetzt sperrangelweit offen?
Ein weiteres lautes Knacken durchbricht die Stille.
"Hallo?" Ich versuche es noch mal.
Die einzige Antwort, die ich bekomme, ist ein weiteres lautes Knacken.
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Gedankennebel
Short StoryDu liest gerne Kurzgeschichten mit verschiedensten Themen? Und das umgesetzt auf unterschiedlichster Art? Du interessierst dich für die abwechlungsreiche Mischung verschiedener Schreibstils, Inhalte und Genres? Dann ist dieses offizielle Buch vom Wa...
