"Schatten in der Finsternis von @immortal_Nika

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Schatten krochen umher. Sie waren wirklich überall, auf dem Boden, an den Wänden und sogar an der Decke. Sie waberten umher, zugleich luftig leicht und klebrig schwer, an einem bestimmten Ort festhängend. Nur mit Mühe konnten sie sich von der Stelle reißen und bewegen. Dabei lautet, schmatzende Geräusche erzeugend, die durch die Dunkelheit hallten.

Schatten - eine glibbrige Masse, vor der kein Spalt und auch kein Loch verschont blieb. Sie drangen überall ein, nisteten sich dort ein und verbreiteten einen üblen Geruch, alles Lebende um sich herum verstörend und vergrauelnd. Keine Vögel sangen mehr hier, keine Mäuse nagten sich durch die Wände, um ein warmes Quartier für die Nacht zu haben, keine Ameisen stapften mehr in geordneten Straßen die Wände hinauf auf der Suche nach einer Nahrungsquelle. Und sogar Unkraut verdorrte an diesem Ort voller Schatten, allen Platz ihnen lassend.

Die Schatten wären alleine hier, hätten allen Platz der Welt, um sich auszutoben, sich auszudehnen und es sich gemütlich zu machen. Sie hätten an diesem Ort, wo die Sonne nie scheint und es keine Wärme gibt, gedeihen können und zu riesigen Monstern heranwachsen können, so selbst Hochhäuser überragend. Ihnen hätte die Welt gehören können, wäre dort nicht ein kleines Aber.

Schatten gibt es nicht ohne Licht. Und so mussten sie einen Nachbarn dulden. Einen wirklich kleinen Nachbarn, der weder laut war, noch besonders viel Platz einnahm, aber einer war, den man nicht einfach vertreiben konnten. Egal wie sehr die Schatten sich bemühten. Sie fauchten und zischten, stanken entsetzlichst, bis sogar ihnen selbst übel wurde und schlugen auch nach dem kleinen Lichtschein aus, doch er blieb. Er gab keine Geräusche von sich. Er regte sich nicht - er war einfach nur da.

Und doch wussten die Schatten ganz genau, dass er sie hörte. Sie wussten, dass er sie sah, dass er sie wahrnahm. Denn jedes Mal, wenn sie ihre Konstellation veränderten, wanderte der Lichtschein mit ihnen. Er änderte seine Position, seinen Einfallswinkel und sogar seine Helligkeit, nur um sich den Schatten anzupassen.

Dafür hassten die Schatten ihn am meisten, denn er schloss sie ein. Er gab ihnen nicht die Freiheit, die sie hätten genießen können. Jeden Platz, den sie kurz freigaben, nahm er ein, ihnen diesen nehmend, bis sie einen anderen Ort freimachten. Wie ein Ritter in glänzender Rüstung stand er dort, unbewaffnet aber doch übermächtig und hielt seine Feinde zurück. Er wies die Schatten in ihre Schranken und hatte sogar die Dreistheit ihnen zu zeigen, wohin sie kriechen sollten.

Die Schatten wollten ihn dafür vernichten, ihn in Stücke reißen. Und sie verfluchten seinen dünnen, luftähnlichen Körper, den sie nicht berühren konnten, der aber bei jeder Berührung Schmerzen verursachte, als hielten sie ihre Gliedmaßen in das Feuer der Hölle.

Schatten waren widerwärtige und doch stolze Wesen. Sie waren tugendhaft und doch Betrüger, weshalb der Kampf einer Arme gegen einen Mann für sie keine Schande war. Das Ziel heiligte die Mittel, davon waren sie überzeugt, das waren sie schon immer und hatten dies an jeder Ecke herausposaunt.

Darüber ärgerten sich die Schatten nun, denn jemand hatte ihre Schwächen gesammelt und daraus einen Feind geschaffen, der ihnen in ihrem eigenen Zuhause einen Käfig geschaffen hatte. So musste es sein, davon waren sie überzeugt.

Was die Schatten aber einfach nicht eingestehen wollten, war, dass sie keine eigenständigen Wesen waren. In dem Augenblick als die ersten von ihnen erschienen waren, tauchten auch diese einsamen Ritter, die Lichtschimmer, auf. Sie alle zusammen waren zwei Hälften eines großen Ganzen und nur so könnten sie überhaupt existieren. So und nicht anders.

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