Ich wäre gerne perfekt. Die perfekte Freundin. Die perfekte Tochter. Dieses perfekte Mädchen. Ich hätte gerne ein ordentliches Leben, ohne Probleme und Stress. Einfach perfekt. Bei diesen Gedanken bekam ich immer ein Kloß im Hals und war den Tränen nahe. Ich wäre so gerne perfekt. Das erdrückende Gefühl breitete sich wieder in mir aus. Ich fühlte mich innerlich so schwach. Ich konnte einfach nicht mehr.
Es war kalt, aber das war eines meiner wenigsten Probleme gerade. Ich schämte mich ich zu sein. Ich hasste alles an mir, einfach alles. Ich hasste es ich zu sein und dieses Leben zuführen. Ich hatte irgendwie keinen Grund um zu leben, es gab einfach keinen. So oft versuchte ich einen Grund zu finden, fand ich jedoch keinen. Ich blickte die ganze Zeit in den dunklen Himmel, als würde ich auf etwas warten. Alle meinten, nichts wäre perfekt. Gar nichts. Es gab nichts, was perfekt war. Ob ich anderer Meinung war? Vielleicht. Warum führte ich so ein schreckliches Leben? Ich wusste ja selbst, dass ich viele Fehler begang, aber ich entschuldigte mich doch immer und immer wieder. Und wenn ich mich entschuldige, dann meinte ich es auch so. Tränen kullerten.
Immer wenn ich anderen Leuten beim leben zu sah, fühlte ich mich leblos. Tot, ich existierte nicht. Es war wie tot sein. Ich wollte so gerne verschwinden. Ich wollte weg von dieser Welt und diesem Leben. Ich wollte auch vor mir selber fliehen. Ich hätte mich jedes mal aufs neue selbst schlagen können, für mein niederträchtiges Verhalten. Autos sausten unter der Brücke hin und her. Ich lauschte und dachte nach.
Diese Leute, die einfach nach Hause wollten, nach diesem anstrengenden Tag. Sie wollten einfach schlafen, denn Morgen wäre für sie ein neuer Tag. Für mich wäre morgen wieder ein widerwärtiger Tag, mit Schmerz, Leid, Trauer und Niederlagen. Das übliche eben. Ich war es leid. Ich war es einfach leid. Ich konnte einfach nicht mehr. Irgendwann musste es doch endlich enden, oder? Irgendwann sollte es doch enden.
Mama hätte mir gesagt, ich hätte mich wärmer anziehen sollen, bevor ich rausgegangen wäre. Die Kälte ignorierte ich weiterhin. Ich wusste nicht, wie lange ich jetzt schon hier auf der Brücke stand und den Himmel anstarrte. Ich wollte mein Handy rausholen um nach zu sehen, aber meine Finger waren eingefroren, weswegen ich es einfach sein ließ. Ich spürte sie nicht, aber es interessierte mich auch nicht mehr.
Ich war mir schon seit langen egal. Ich hatte es schon lange aufgegeben, mich selbst zu akzeptieren oder mich selbst zu lieben. Ich wünschte ich konnte es, aber ich war nicht in der Lage es zu vollbringen. Ich konnte es einfach nicht. Ich war zu gar nichts in der Lage. Der Vergleich mit anderen wurde zu Routine. Andere waren immer besser als ich, in allem.
Ich war nie in etwas gut. Es gab nichts, was ich besser als die anderen konnte. Entweder war ich schlechter als die anderen oder nicht in der Lage. Ich wollte doch auch wie die Anderen sein. Ich wollte immer die Beste sein, aber am Ende des Tages war ich nichts. Ich war schon immer nichts. Nur eine leere Hülle. Ich war es satt, nichts zu sein. Auf jeden Fall könnte ich es nicht ändern, dass war ich. Glaub mir, du würdest mich genau so hassen, wie ich es tat. Du würdest mich genau so verabscheuen, weil mein Verhalten wie Dreck war. Ich würde dich nur verletzen und genau das würde ich vermeiden wollen. Glaub mir, ich wünschte ich könnte es ändern. Ich wünschte, ich könnte alles ändern. Ich spannte mein Kiefer an. Ich blickte auf die Straße nach unten.
Ich war nicht in Utopia. Es gab leider keinen perfekten Ort hier. Wenn doch, wo war er denn? Ich guckte in die Ferne. Wo bist du, perfekter Ort? ,,Wo", fragte ich leise. Warum konnte mein Leben nicht endlich besser laufen? Was soll ich denn noch machen? Ich hab versucht alles zu akzeptieren, was ich nicht ändern konnte. Was wird denn noch von mir verlangt?
Ich schloss meine Augen. Tränen liefen mir die Wange runter. Ich hab schon wieder gegen mich verloren. Ich war schon wieder schwach. Ich bin nicht stark genug um zu leben. Ich würde so gerne alles ändern, aber die Kraft fehlte mir dazu. Die Kraft um zu hoffen, um optimistisch zu sein, einfach alles. Hilfe. Rettung. Was wäre denn meine Rettung? Der Tod oder Utopia? Bleib ich stehen oder springe ich? Ich machte einen Schritt vorwärts.
Wie oft stand ich hier, und dachte einfach daran zu springen, aber es einfach nicht getan habe? Einfach springen, egal was danach passieren würde. Ich wusste selber, es war selbstsüchtig von mir, alles hinter mich zu lassen und nur daran zu denken, was nur mich glücklich machen würde. Wir alle sind selbstsüchtig, egal ob wir es akzeptieren wollen oder nicht.
Ich könnte springen. Jetzt oder nie. Ich würde dieses hässliche Leben hinter mir lassen. Ich müsste mich mit keinem mehr vergleichen. Ich würde keinen Schmerz oder Trauer fühlen. Ich wäre frei vom tragischem Leben. Ich wäre endlich weg. Ich würde nicht mehr gewinnen, aber auch nicht mehr verlieren. Alles wäre vorbei. Ich müsste keine Tränen mehr verlieren. Alles würde besser werden. Ich würde keinen mehr verletzen. Ich breitete meine Arme aus.Mama hatte mir früher immer die Geschichte von einem besonderen Ort erzählt. Sie nannte diesen Ort immer Magic Shop. Sie meinte immer, dass sich da sieben wunderbare Personen aufhalteten. Sie erzählte mir auch, dass diese sieben Personen immer für sie da waren, ganz egal wie es ihr gerade ging. Sie erzählte mir, dass diese sieben Personen ihr gesagt haben, sie solle ihr Herz öffnen.
Warum war ich allein? Warum war ich immer allein? Warum wusste ich, dass mich keiner verstehen würde? Ich hatte keine Kraft mehr irgendwas zu machen. Ich war am Ende meiner Kraft. Am Ende meiner Verzweiflung. Mehr Tränen flossen. Magic shop. Das Lied, das meine Mama mir immer vor sang, damit ich einschlafen konnte. Ich mochte es das Lied, es war so wunderschön.
Wenn ich weg wäre, würde ich dieses Lied nicht mehr hören können. Ich könnte es nie wieder mehr hören, obwohl ich es mochte, wenn sogar liebte. Ein Stich in mein Herz. Warum tut immer alles so weh. Wer würde meinen Schmerz und meine Trauer nehmen? Vielleicht niemand. Ich wünschte, ich hätte auch Menschen, wie diese Personen, von denen Mama immer erzählte. Sie beschrieb sie immer, als wären sie die aller besten Freunde gewesen. Sie meinte, sie dankte ihnen für alles. Es mussten wohl wirklich wunderbare Personen gewesen sein, obwohl sie auch meinte, sie hätte sie nie getroffen. Mama lächelte immer, wenn sie über sie gesprochen hatte. Dieses Lächeln, wenn man einfach happy ist. Das was ich nicht spüren konnte. Mama hatte nie gesagt, wo sich der Shop befand. Sie lächelte immer und meinte, ich würde es selber heraus finden, ich sollte nur das Lied singen. Ich versuchte mich an den Text zu erinnern, den meine Mutter mir immer vor sang. Ich atmete die Kälte ein. Die Worte meiner Mutter liefen mir durch den Kopf.
,,Sie sind auch für dich da. Vielleicht sind sie nicht direkt neben dir, aber sind da und sie werden dich nie verlassen".
Warum fühlte ich mich trotz allem so allein? Ich legte für einen Moment, die Sorgen bei Seite und versuchte mich an das Lied zu erinnern. Ich sollte es singen. Ich konnte mich leider nicht mehr an den ganzen Text erinnern, aber paar Zeilen müssten wohl hängen geblieben sein. Ich hob mein Kopf und schloss die Augen. Schon wieder liefen mir Tränen die Wange hinunter, aber gerade machte es mir nichts aus. Wie viel ich bis jetzt schon geweint hatte. Als ob, ich wirklich noch Tränen zur Verfügung hatte. Würden sie wirklich für mich da sein, auch wenn ich so viele Fehler gemacht hatte? Ich bezweifelte es. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand je bei mir bleiben würde. Ich hab jeden verscheucht. Ich hab sie alle mit meiner Art verscheucht. Keiner hat so eine miserable Person wie mich verdient.
Aber vielleicht verzeihen sie mir. Vielleicht würde ich mich danach nicht mehr so allein fühlen. Es war ein unangenehmes Gefühl, zu wissen, dass du alleine bist. Ich wollte nicht mehr allein sein. Ich wollte nicht mehr nichts sein. Ich wollte jemand sein. Ich wollte endlich jemand sein. Wenn ich so darüber nachdachte, hatte ich nur das Lied.
geu muneul yeolgo deureogamyeon
i goshi gidaril geoya
mideodo gwaenchana neol wirohaejul magic
shop
Ich sang den Text vor mich hin. Ich musste mich bestimmt grausam anhören. Mit verweinter, schiefer und murmelnder Stimme sang ich das Lied. Ich war aber allein, keiner würde mich hören. Ich spürte die Gänsehaut, die sich bildete. Ich merkte gar nicht, dass ich anfing zu lächeln. Ich fühlte wärme. Woher? Keine Ahnung. Warum ich lächel? Auch keine Ahnung, ich hab es auch erst jetzt bemerkt.
Ich spürte das Brennen meiner Augen, wegen meiner Tränen. Ich fragte mich, was gerade passiert war. Ich wischte mit meiner Hand meine Tränen von meinen Augen und guckte mich um. Ich fühlte mich gar nicht mehr alleine. Ich spürte nach und nach meine Finger wieder. Es fühlte sich alles so komisch an. Ich vergaß die Trauer und den Schmerz. Ich nahm meine Arme runter.
Ich hatte keine Antworten. Ich wusste nicht, was gerade geschah. Hatte Mama doch recht? Als hätte sich alles gedreht. Es war so komisch. Ich guckte meine Hände an, sie waren blau von der Kälte, aber ich spürte keinen schmerz in meinen Händen. Ich wusste nicht recht, was ich jetzt tun sollte. Es war so ein ungewohntes Gefühl. Es fühlte sich anders an, als die Gefühle die ich sonst verspürte.
Ich vergaß meine Minderwertigkeit. Meine Sorgen. Sie waren weg, als hätte sie mir jemand einfach genommen. Einfach genommen. Ich spürte Wärme in mir. Ich verspürte keine negativen Gefühle mehr. Es war so komisch, aber ich mochte dieses Gefühl. Ich ging mit meiner Hand durch meine Haare und guckte in den Himmel. Würde mir jemand glauben, wenn ich sagen würde, sie wären irgendwie bei mir?
Hatte Mama doch recht? Sind sie doch da, auch wenn ich nur Fehler mache? Verzeihen sie mir, dass ich nicht von Anfang an ihnen vertraut habe? Ich verstand endlich, warum Mama ihnen dankbar war. Ich verstand es endlich. Ich fühlte sich so an, als hätte sich die negativen Gefühle verabschiedet. Alles hätte sich gewendet. Wenn sie da waren, dann dankte ich ihnen. Ich tat es aus tiefsten Herzen.
Ich holte tief Luft. ,,Danke", schrie ich so laut, wie ich konnte in die Nacht hinein. Ich lachte. Nach so langer Zeit lachte ich endlich wieder. Es fühlte wich so toll an, endlich lachen zu können, und das aus ganzem Herzen. Oh mein Gott, es fühlte sich so toll an. Ich sah bestimmt wie eine völlig Durchgeknallte aus, aber ich wollte lächeln.
Es fühlte sich an, als wäre eine schwere Last von meiner Schulter weg. Ich fühlte mich nicht mehr so erdrückt. Ich wusste nicht so recht, warum ich dachte, dass diese Personen waren, die mir meine Last von meinen Schultern nahmen. Ich wusste auch nicht so recht, warum ich glaubte, sie wären da und hörten mir zu. Ich tat es einfach.
You gave me the best of me
So you'll give you the best of you
nal chajanaetjana nal arajwotjana
You gave me the best of me
So you'll give you the best of you
neon chajanael geoya ne ane itneun galaxy
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Gedankennebel
Historia CortaDu liest gerne Kurzgeschichten mit verschiedensten Themen? Und das umgesetzt auf unterschiedlichster Art? Du interessierst dich für die abwechlungsreiche Mischung verschiedener Schreibstils, Inhalte und Genres? Dann ist dieses offizielle Buch vom Wa...
