Ich bin gerade auf dem Weg zur Schule wie jeden Morgen, als es wieder passiert. Mein Körper fängt an zu zittern und das Bild vor meinen Augen verschwimmt. Die Stimmen der Passanten um mich herum verschwinden langsam und das Einzige was ich noch wahrnehme, ist das laut pochende Blut in meinen Venen. Als ich meine zusammen gekniffenen Augen wieder öffne, bin ich nicht mehr auf dem Gehweg auf meinem Weg zur Schule. Nachdem ich mich kurz umgesehen habe, realisiere ich, dass ich doch auf dem Gehweg bin. Aber es sieht anders aus. Die Gebäude sind alle nicht mehr so wie ich es gewohnt bin. Sie sind einfach weg. Nachdem ich mich ein paar Mal um mich selbst gedreht habe, sehe ich, dass alles um mich Schutt und Asche ist. Doch ich habe Glück. Zwischen zwei ehemaligen Gebäudewänden sehe ich ein Stück Zeitung liegen. Wie in Trance gehe ich hin, hebe es auf und lese das Datum. 4. August 2019. Das ist in 4 Tagen, realisiere ichUnd so schnell wie die Vision gekommen ist, ist sie auch wieder weg und ich stehe immer noch auf dem Gehweg. Als ich mich umschaue, ist alles wie immer. Ich setze meinen Weg zur Schule fort. Vielleicht soll ich kurz erklären, was da vorhin passiert ist. Ich habe von Zeit zu Zeit Zukunftsvisionen von der nahen Zukunft. Und in 99% der Fälle treffen diese Visionen genauso ein, wie ich sie gesehen habe. Allerdings glaubt es mir niemand. Jahrelang habe ich meine Eltern versucht davon zu überzeugen, aber sie glauben, ich trickse sie aus, in dem ich ihnen hinterher spioniere.
Den ganzen Schultag versuche ich, mich auf die Unterrichtsinhalte zu konzentrieren. Doch das gelingt mir nicht, da meine Gedanken immer wieder zu meiner Vision wandern. Ich hoffe so sehr, dass diese Vision zu den 1% gehört, die nicht eintreten. Es ergibt noch keinen Sinn, die Vision. Was wird in den nächsten Tagen passieren, dass die Stadt, meine Stadt, so verwüstet sein wird. Wird meine Stadt durch einen Krieg verunstaltet, von dem wir nicht mal ahnen, dass es kommt? Oder ist es etwas verrücktes, wie eine Alieninvasion? Vielleicht gibt es unter der Stadt einen unterirdischen Vulkan, von dem niemand etwas weiß, der in ein paar Tagen ausbrechen wird? Oder... - Nein! Ich muss aufhören mir so komische Sachen auszudenken, ich sollte rational an die Sache rangehen. Am Nachmittag bin ich in der Stadtbibliothek und forsche an einem der Computer nach. Aber ich finde nichts brauchbares.
1. August. Nach dem ich aus der Schule raus bin, versuche ich die lokalen Zeitungen meiner Stadt zu besuchen und sie davon zu überzeugen, dass sie darüber berichten müssen was in nun 3 Tagen passiert. Aber niemand will mir glauben. Zu blöd, dass ich in meiner Vision nur das Datum auf der Zeitung gesehen habe und nicht was für eine Zeitung es war und was in dem Artikel drin steht. Ich könnte mich grün und blau ärgern, aber das wird dem Schicksal meiner Stadt nicht weiter helfen. Und egal wie viele Leute ich auf das Thema anspreche, niemand will mir glauben.
4. August. Es ist ein Samstag. Die Sonne strahlt durch die Vorhänge in mein Zimmer und auf mein Bett. Ich bin noch müde und will mich auf die andere Seite drehen, um weiter zu schlafen, als mir einfällt, dass heute der 4. ist. Wie der Blitz springe ich auf und renne nach unten. Die Zeitung liegt auf dem Küchentisch. Auf der Titelseite steht in großen Buchstaben: Meteorit am Himmel zu sehen!
Ich renne raus ohne auf die Kommentare meiner Eltern zu achten. Und am Himmel seh ich ihn. Es ist recht klein und scheint sich nicht zu bewegen. Das muss es sein. Der Meteorit wird diese Stadt zerstören. Aber warum ist dann niemand dabei, seine Sachen zu packen? Warum warnt die Zeitung nicht davor?
Meine Eltern wollen nicht mit sich reden lassen, sie wollen sich denn Meteoriten heute Abend vom Marktplatz aus angucken. Er soll laut der Zeitung leuchten. Mir erlauben sie aber, dass ich zuhause bleiben darf, wenn ich nicht mit will. Ich renne raus und suche meine Freunde Sam und Kim. Ich schaffe es die beiden zu überreden, dass sie sich den Meteoriten vom kleinen Berg außerhalb der Stadt mit mir angucken. Nachdem meine Eltern abends weg sind, mache ich mich auf den Weg dorthin. Ich würde am liebsten noch weiter weg, aber die beiden wollen das nicht. Inzwischen leuchtet der Meteorit wie ein Feuerball am Himmel. Mir scheint, dass er größer geworden ist, viel größer. Kim macht ihr mit gebrachtes Radio an, um die Stimmung mit Musik aufzulockern. Ein paar Lieder werden gespielt, bis der Radiosprecher eine Ansage macht: "Dies ist eine Notmeldung! Die Flugbahn des Meteoriten, der am besten von der Kleinstadt York zu sehen ist, wurde falsch berechnet. Ich wiederhole, sie wurde falsch berechnet. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Meteorit genau auf die Kleinstadt treffen. Eine sofortige Evakuierung wird von den lokalen Einsatzkräften begonnen." Sam und Kim geraten in Panik und wollen zurück in die Stadt um ihre Familien zu retten. Aber ich halte sie zurück, es ist zu gefährlich. Auch wenn die Stadt von hier oben sehr klein wirkt, habe ich das Gefühl, dass wir noch zu nah dran sind. Aber die beiden wollen nicht weiterweg.
Der Meteorit ist mit einer beängstigenden Geschwindigkeit gewachsen und sein Schatten, verschluckt die ganze Stadt und uns. Ich nehme Sam und Kim beide an die Hand. Mein Mund ist trocken und ich sage mit zitternder Stimme: "Ich glaube, wir haben das Spiel mit der Zeit verloren."
Zeitungsartikel vom 6. August 2019:Meteorit löscht ganze Stadt aus! Keine Überlebenden.
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Gedankennebel
Short StoryDu liest gerne Kurzgeschichten mit verschiedensten Themen? Und das umgesetzt auf unterschiedlichster Art? Du interessierst dich für die abwechlungsreiche Mischung verschiedener Schreibstils, Inhalte und Genres? Dann ist dieses offizielle Buch vom Wa...
