KAPITEL XLIX

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Lisa

Aber Lisa wusste, dass in Annabeth der rationale Teil die Führung übernommen hatte. Gefühle konnte sie gerade nicht gebrauchen, sie musste ihren Verstand benutzen und alles von einem objektiven Blickpunkt aus betrachten. Also wurde alles, was sie davon abhalten konnte, in den Hintergrund gedrängt.

„Das kann ich euch nicht sicher sagen. Aber es kann ein erstes Anzeichen darauf sein. Vielleicht war es damals wirklich ein Gift von den Römern, auch, wenn das unwahrscheinlich erscheint. Wir müssen einfach auf alles vorbereitet sein.", erwiderte Lisa bestimmt. Annabeth tat ihr leid. So gerne würde sie ihr sagen, dass alles wieder gut werden würde, aber das konnte sie nicht.

Jason vergrub unterdessen das Gesicht in seinen Händen und raufte sich die Haare, bis sie wirr abstanden. Als wären sie statisch aufgeladen.

„Hast du auch irgendwelche guten Neuigkeiten?", fragte er Lisa.

Sie war froh, dass sie tatsächlich auch etwas Positives berichten konnte.

„Ja, die habe ich.", gab Lisa zurück. Alle schienen überrascht, als wären gute Nachrichten etwas, mit dem sie nicht gerechnet hätten. Nicht jetzt, nicht in diesem Krieg. „Ich bin mir sehr sicher, dass Percy herausfinden wird, wo der Dolch ist, wenn er es richtig anstellt."

Es war das erste Mal, dass sich Nico zu Wort meldete. Der Sohn des Hades hatte bisher nur geschwiegen und aufmerksam gelauscht. „Wie kommst du darauf?"

„Direkt nach dem Vorfall, der den Krieg ausgelöst hat, wurde Bethany Gordon von Poseidon persönlich auf einen Auftrag geschickt.", erklärte Lisa. Sie sah, wie Annabeths Augen zu ihr huschten, sie schien eins und eins zusammenzuzählen.

„Du denkst, Bethany hatte die Aufgabe, den Dolch zu verstecken?", hakte sie nach.

„Ja."

Annabeth stieß ein Seufzen aus, diesmal war die Erleichterung deutlich herauszuhören. „Das ist gut. Sehr gut sogar."

Jason schüttelte verwirrt den Kopf. „Und warum ist das plötzlich so gut? Der Dolch ist doch trotzdem irgendwo im nirgendwo versteckt."

„Stimmt. Er ist versteckt. Und wenn etwas versteckt wird, gibt es immer eine Person, die weiß, wo sich eben jenes Versteck befindet. In unserem Fall befindet sich diese Person eben in der Vergangenheit. Wenn das alles stimmt, muss Percy einfach Bethany dazu bringen, ihm das Versteck zu verraten und anders, als wir zuerst gedacht haben selber die Spur aufnehmen.", erklärte Annabeth.

Lisa lächelte. Ihre Halbschwester war eine wahre Tochter der Athene. Natürlich stammte auch sie von der Göttin der Weisheit ab, aber sie war trotzdem komplett anders, als Lisa selbst. Vielleicht war es für sie einfach nie vorherbestimmt gewesen, dass sie eine normale Halbgöttin blieb.

Es entstand eine Stille, die Thalia mit einem Klatschen unterbrach. „So, ich glaube, wir haben genug für heute besprochen.", bemerkte sie.

„Will, kann ich mich darauf verlassen, dass ihr euch gut um Percy kümmert?", Annabeth sah den Sohn des Apollon fragend an.

„Immer.", gab Will zurück.

„Dann gehen jetzt alle zurück zu ihren eigentlichen Aufgaben.", befahl Annabeth. Sofort leerte sich der Raum, Thalia ging mit Jason fort, am Ende blieben nur noch Lisa und Annabeth zurück.

Der Blick der anderen Halbgöttin war so eindringlich, dass Lisa unwillkürlich wieder nervös wurde. Als würde sie von Annabeth genau überprüft und auf die Probe gestellt werden. Doch dann lächelte die Andere plötzlich.

„Am Ende sind es immer die Kinder der Athene, die nach einer Besprechung zurückbleiben, was?", murmelte sie leise.

Lisa zuckte mit den Schultern. „Früher, als ich noch keine Jägerin war, hat mir das nie etwas ausgemacht. Ich habe die Arbeiten, die mir aufgetragen wurde, immer gerne erledigt."

Die Macht der MeereWo Geschichten leben. Entdecke jetzt