Jason
Eigentlich hatte Jasons Tag ganz normal begonnen. Sofern man während eines Krieges von einem normalen Tag sprechen konnte. Er hatte gemeinsam mit Piper gefrühstückt und sich zum widerholten Male über die Sitzplatzordnungen im Speisepavillon hinweggesetzt. Eigentlich war es ihr verboten, sich an den Tisch der Großen Drei zu setzen, aber die Regel spielte keine Rolle mehr. Danach hatte er zusammen mit Annabeth ein paar Arbeiten im Camp beaufsichtigt, bis er schließlich mit Nico in der Schwertkampfarena beim Training gelandet war. Natürlich nur im übertragenen Sinne. Der Sohn des Hades würde sicherlich nicht zulassen, dass er mit ihm irgendwo hinflog.
Dort hatte er -wie so oft in letzter Zeit- festgestellt, dass Nico immer besser wurde. Von dem ausgemergelten und schwachen Jungen von vor zwei Jahren war nichts mehr übrig. Stattdessen sah er erwachsen aus- und auf dem Höhepunkt seiner Kräfte. Jason fiel es immer schwerer, ihm im Kampf überhaupt zu besiegen, die meiste Zeit lief es auf ein Unentschieden hinaus.
Alles deutete auch heute darauf hin, bis er während des Kampfes plötzlich ein undefinierbares Geräusch hörte. Eigentlich hatte sein Innerstes schon registriert und erkannt, dass es ein Schrei war, doch sein Herz hatte es nicht so recht glauben wollen.
Doch jetzt gab es keinen Zweifel mehr. Piper, Nico und er standen bei dem jungen Camper und versuchten, diesen zu beruhigen. Bis auf die wenigen, abgehackten Worte hatten sie noch nichts aus dem Armen herausbekommen. Doch diese waren nicht schwer zu verstehen:
Hilfe. Grenze. Angriff.
In diesem Moment ließ sich Piper auf die Knie fallen und berührte den Jungen vorsichtig an der Schulter.
„Ganz ruhig.", murmelte sie. Obwohl sie ihre göttliche Gabe nur auf die kleine Person vor ihr richtete, so spürte Jason trotzdem, wie auch er ruhiger wurde. Pipers Kraft war beeindruckend. „Was hast du denn genau gesehen?"
„Aus dem Weg!", befahl im gleichen Moment eine herrische Stimme. Jason erkannte die von Annabeth. Die Tochter der Athene bahnte sich einen Weg durch die Menge und baute sich vor den Leuten in der Mitte auf. Ihre Haare waren zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden, sie trug Jeans und ein Camp-T-Shirt, an ihrem Gürtel baumelte ihr Schwert aus Drakonknochen. Sie trug keine Rüstung, dennoch hätte sie nicht kriegerischer aussehen können. Sie sah aus wie eine sterbliche Version von Athene, eine Kriegsgöttin in Gestalt eines Menschen.
Aber ihr war auch anzusehen, dass sie Angst hatte. Ihre Gesichtszüge waren nicht nur herrisch, sondern auch angespannt. Sie machte sich Sorgen, obwohl sie versuchte, das zu verstecken, konnte man es ihr doch ansehen. Das konnte ihr auch niemand verübeln.
„Wir wissen es selber noch nicht genau.", bemerkte Jason. „Aber allen Anschein nach werden wir angegriffen."
„Überraschung!", murmelte Nico neben ihm leise mit vor Sarkasmus triefender Stimme. Manchmal hatte er schon einen sehr schrägen Humor.
Auf Jasons Worte wurde Gemurmel um sie herum laut, bis das Gerede zu einem regelrechten Geschrei anschwoll. Vermutlich lag das daran, dass sich momentan nur relativ unerfahrene Camper auf dem Platz aufhielten, die Veteranen würden vermutlich nicht so reagieren.
„Ruhe!", brüllte Jason. Um den Effekt noch ein bisschen zu verstärken, ließ er Donner Grollen. Auf der Stelle wurde es wieder leise, fast schon totenstill.
Annabeth ließ sich vor dem kleinen Camper, der noch immer auf dem Boden kauerte, nieder.
„Was hast du gesehen?", wollte sie wissen. Der Kleine sah sie mit großen Augen an.
„Eine Gruppe Menschen. Sie waren bewaffnet. Und sie haben einen Weg ins Camp gesucht, ohne die Verteidigungsanlagen zu aktivieren.", meinte er.
„Sehr gut, du kannst dich echt gut erinnern.", lobte Annabeth mit einem Lächeln. „Fällt dir noch etwas ein? Wie sahen sie aus? Was für Waffen trugen sie? Und welche Kleidung?"
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Die Macht der Meere
FanficPercy und Annabeth gehen in Neu-Rom aufs College, die Halbgötter können in Frieden leben, mit jedem Tag verbessern sich die Beziehungen zwischen den Camps. Alles hätte so schön sein können. Doch dann erhebt sich Pontos, der Ur-Gott aller Meere- und...