Während ich noch damit beschäftigt war, das Wasser aus meinen Lungen rauszuhusten, setzte sich Noris Fass langsam in Bewegung und zog mich mit sich.
,,Gut gemacht, Bilbo!", hörte ich Thorins begeisterte Stimme. Doch aus dem Augenwinkel sah ich, dass sich sein erfreuter Gesichtsausdruck schlagartig änderte, sobald er mich klammernd und ächzend an dem Fass festhalten sah. Er stoppte sein Fass und sah mich bestürzt an.
,,Weiter jetzt! LOS!", brüllte Dwalin tonangebend und stieß sich von einem Felsen ab. Sein Fass knallte gegen das von Thorin und drückte ihn mitten in die Strömung. Auch die anderen Zwerge ließen die Felsen los und ihre Fässer strömten den Flusslauf entlang. Nori sah mich prüfend an und nachdem ich ihm zugenickt hatte, stieß auch er sich vom Felsen ab. Die Fässer trieben durch die unterirdischen Höhlen des Waldlandreiches, bis ich weit vor uns Licht entdeckte. In diesem Moment rutschte ich mit meinen Händen ab und mein Kopf tauchte unter das schäumende Wasser. Die Hände um meinen Arm zogen mich schnell wieder hoch.
,,FESTHALTEN!", rief Thorin reißend, doch das viele Wasser in meinen Augen nahm mir vollständig die Sicht und ich verstand nicht, worauf er hinweisen wollte. Trotzdem klammerte ich mich stärker am Fass fest, vorbereitend auf das, was käme und Noris Griff um meinen Arm nahm ebenfalls zu. Wir rasten im Einklang der Strömung mit und bevor ich es realisieren konnte, driftete unser Fass einen Wasserfall hinunter. Im freien Fall verloren meine Hände das Fass, doch Nori konnte mich festhalten. Wir platschten auf die Wasseroberfläche und ich knallte mit der Brust gegen das harte Holz, sodass mir die Luft wegblieb. Nori versuchte, das Fass wieder auszubalancieren und zog mich weiter hoch.
,,Tut mir leid!", meinte er und sah besorgt in mein schmerzverzerrtes Gesicht. Mit der einen Hand umfasste ich schnaufend den Rand des Fasses, mit der anderen winkte ich nur unbedeutend ab. Aus meinem Mund wollte jedoch kein Ton kommen und Nori wirkte noch besorgter.
,,Bilbo!", hörte ich Fili nach mir rufen, doch ich sah ihn nicht. Ich konzentrierte mich nur darauf, meinen Körper an das Fass zu heften.
,,Hilfe!" Oris ängstliche Stimme schnitt durch die Luft und Dwalin rief nach ihm. Was mit Ori war, bekam ich nicht mit.
Plötzlich schallte ein lauter Ruf eines Elbenhorns über unsere Köpfe hinweg und ich duckte mich zitternd. Durch den Wasserschleier vor meinen Augen entdeckte ich erst jetzt die Mauern um uns herum. Ich zog mich hoch, um mehr zu sehen und starrte auf die Elbenwachen, die vor uns auf einer kleinen Holzbrücke warteten. Einer von ihnen packte einen Hebel und drückte ihn herunter. Unter der Brücke schob sich ein Gittertor hervor und noch bevor Thorins Fass es erreichen konnte, schloss es sich ratternd. Verdammt!
,,NEIN!", rief er zornig und drückte sich mit aller Kraft dagegen, doch das Gitter rührte sich nicht. Die anderen Fässer strömten hinterher und wurden unter der Brücke vom Tor aufgehalten.
Ich hielt mich weiter an Noris Fass fest, das vor der Brücke zum Stehen kam. Ich sah, wie sich der Elb wieder vor die Mauer stellte und alle vier ihre Schilder zückten.
Schlagartig und wie aus dem Nichts flog ein dunkler Pfeil genau zwischen die Schulterblätter des Elben und ließ ihn vornüber in das Wasser kippen. Sein lebloser Körper landete knapp neben unserem Fass. Ich starrte ihn erschrocken an und blickte dann ängstlich auf, da sprang ein grässlicher Ork über die Mauer und fletschte mordlustig die Zähne. Ich weitete die Augen.
,,Passt auf! Da sind Orks!", schrie Bofur warnend und fiel beinahe mit seinem Fass zur Seite.
Die anderen drei Elben fuhren mit gezückter Waffe herum, doch sie wurden von dem Dutzend Orks überwältigt, das bestialisch über die Mauern hinwegsprang und ihre Klingen in ihre Bäuche drückte. Mir wurde schlecht vor Schock und Angst und ich umklammerte zitternd Noris Arm. Das Fass setzte sich wieder in Bewegung und folgte den anderen unter die Brücke.
Von weit her hörte ich einen Ork in ihrer dunklen Sprache brüllen und es hetzten immer größere Gruppen von Orkskämpfern auf uns zu. Die Elben aus dem Waldlandreich strömten in kleinen Scharen auf sie zu und versuchten, sie zurückzudrängen, doch es waren zu viele. Ein Ork segelte genau hinter uns ins Wasser und tauchte nicht wieder auf.
,,Unter die Brücke!", befahl Thorin und zog Filis Fass in seine Richtung, der ein wenig überfordert war. Unser Fass wurde von den anderen weitergedrückt und stieß gegen das Tor. Ich bemerkte eine Bewegung unter dem Wasser und griff mit meiner freien rechten Hand nach meinem Schwert. Der Ork von eben hechtete aus dem Wasser und war im Begriff, sich mit seiner Klinge auf den Zwergenkönig zu stürzen.
Ich sprang genau zwischen die beiden und rammte dem Ork reflexartig Stich in die Brust. Er krächzte und fiel in sich zusammen, ich zog schnell das Schwert heraus und atmete schwer durch. Zwei Hände umfassten meine Schultern und hielten meinen zitternden Körper über Wasser. Ich drehte mich zum Fass, um mich wieder an etwas festhalten zu können, und sah genau in Thorins tiefblaue Augen. Er sah mich überrascht und gleichzeitig so dankbar und stolz an, dass mir die Luft zum Atmen wegblieb. Doch lange währte dieser Moment nicht, denn es sprangen weitere Orks ins Wasser und stürzten sich auf die Zwerge. Ich übergab hektisch mein Schwert an Nori, der einem Ork damit den Kopf abschnitt. Ori hielt ächzend einen Ork auf Abstand und Dwalin riss einem Ork die Waffe aus der Hand, um ihn mit dieser zu erstechen. Doch es war außer Zweifel, dass wir nicht lange gegen die vielen Orks ankämpfen konnten. Ich sah, wie Kili sich aus seinem Fass hochdrückte und über die der anderen hopste. Er landete strauchelnd auf der Brücke und wich haarscharf einem Ork aus, der eine Klinge über seinen Kopf schwang.
,,Kili!", rief Dwalin und warf ihm die Waffe zu, die Kili gewandt auffing und dem Ork in den Oberschenkel drückte. Der Ork fiel auf die Knie und Kili trat ihn ins Wasser, wo sich Dori brüllend um ihn kümmerte. Ich konnte nicht mehr sehen, wo Kili langlief, doch er musste wohl auf den Hebel zum Öffnen des Tores zusteuern. Über uns hörte ich nur Ächzen und Schritte und verletztes Stöhnen. Ich sah, wie Fili kräftig ausholte und ein Messer in Kilis Richtung warf. Der Ork, den er damit getroffen hatte, klatschte ins Wasser. Doch meine Ohren vernahmen plötzlich ein anderes Geräusch. Ich weitete die Augen, als ich es zuordnen konnte und den riesigen dunklen Pfeil entdeckte, der geradewegs in Kilis Richtung segelte. Mit einem hässlichen Geräusch traf er sein Ziel.
,,KILI!", brüllte Fili geschockt und ich wollte mich hochstemmen, um irgendwie zu helfen, doch Thorin hielt mich zurück. Über uns ertönte ein dumpfer Aufprall und Kilis schmerzverzerrtes Stöhnen durchriss die Luft. Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen bildeten und auch Thorins Griff um meinen Körper ließ nach.
,,Kili...", flüsterte er sorgenvoll. Doch sein Ausdruck verhärtete sich sogleich und er packte mich fest an der Taille. Ich sah zu ihm auf und er hatte einen entschlossenen Blick in seinen Augen, der so viel wie Heute verliere ich keinen meiner Leute, bedeutete. Als ein weiterer Ork zu uns heruntersegelte und auf Thorin zusprang, rammte er ihm Stich in den Kopf, das er von Nori aufgefangen hatte.
,,Helft Kili!", befahl Thorin und warf Bofur mein Schwert zu. Doch das brauchte er nicht, denn es ertönte ein weiteres Elbenhorn und eine Gruppe von Elbenkriegern, angeführt von Legolas und Tauriel, stürmte auf die Orksmeute zu. Ich seufzte erleichtert und obwohl Thorins Miene bei dem Anblick der Elben noch härter wurde, wirkte er auch ein kleines bisschen beruhigt. Tauriel spannte ihren Eschenbogen und ließ einen Pfeil nach dem anderen die Körper der Orks aufspießen. Sie zückte ihre Klingen und kämpfte sich einen Weg durch die Orks mit einem stetigen Blick auf die Brücke. Ich entdeckte den Ork, der vorhin die Befehle in ihrer dunklen Sprache gegrölt hatte und nun mit ähnlich verhassten Worten auf Tauriel zustapfte. Seine Erscheinung war noch grotesker als die der anderen Orks, seine Haut war zerfetzt und blätterte sich von seinen Knochen ab, in seinem Gesicht zog sich eine tiefe, klaffende Narbe entlang. Er schickte eine Gruppe Orks mit einer Handbewegung in Tauriels Richtung und spannte seinen eigenen Bogen. Er legte einen schwarzen Pfeil an und da wurde mir klar, dass er es war, der den Pfeil auf Kili abgeschossen hatte. Meine Ohren vernahmen plötzlich über der Brücke zaghafte Schritte und ein knarzendes Geräusch. Im selben Moment schob sich das Gittertor zur Seite und unser Fass wurde von der Strömung einen weiteren Wasserfall hinuntergespült. Ich klammerte mich an Thorin fest, doch der hielt mich noch immer so stark in seinem Griff, dass mir nichts passieren konnte. Das Fass platschte auf die Wasseroberfläche und diesmal verletzte ich mich glücklicherweise nicht. Glück... hmpf. Die anderen Fässer folgten uns und ich sah auf. Als meine Augen Kili in einem der Fässer erblickten, fiel mir ein Stein vom Herzen. Allerdings wirkte er sogar von meiner Entfernung aus blass im Gesicht. Ein Ork sprang auf uns zu und Thorin schlitzte ihn mit einem Schwert auf, das Nori ihm zuwarf. Leider ließen die Orks nicht nach und sie begannen, Pfeile auf unsere Fässer abzuschießen.
,,Bilbo, pass auf!", rief Thorin und wehrte einen Pfeil mit seiner Waffe ab, der mich glatt durchbohrt hätte.
,,Heilige...", murmelte ich mit geweiteten Augen und sah entsetzt zu ihm. Er erwiderte meinen Blick nicht weniger resigniert und sah dann wieder nach vorne. Zum Glück tat er das, denn vor uns bäumte sich ein Baum über den Fluss und die Orks krabbelten darüber. Einer ließ sich mit ausgestrecktem Dolch auf Balin niederfallen, doch bevor er dessen Fass erreichen konnte, warf Thorin mit solcher Kraft das Schwert in den Hals des Orks, dass er geradezu an den Baum getackert wurde. Der Ork quiekte und ließ seine andere Waffe, eine Holzplanke mit Nägeln fallen, die Thorin geschickt auffing. Er warf sie weiter zu Dwalin, der sie mit einem ,,Nori!" weitergab, bis Fili sie auffing und damit einem Ork die Beine vom Boden riss. Ein anderer Ork landete auf Dwalins Fass und Dwalin förderte ihn mit einer gravierenden Kopfnuss ins Jenseits, gleichzeitig nahm er ihm eine Axt aus den Klauen. Vor uns hing ein weiterer Baum über den Fluss und die Orks sammelten sich mit blutrünstig verzerrtem Ausdruck darauf. Der Stamm war in der Mitte brüchig und als Thorin dies entdeckte, rief er energisch:
,,Schlagt den Baumstamm durch!" Nori hackte mit einer Axt drauf, dann warf er sie Thorin zu, der es ihm kräftig nachmachte und als Dwalin seine Axt in das Holz pfefferte, brach der Stamm auseinander und zog mehr als ein Dutzend Orks in das stürmische Wasser. Dort verarbeiteten Fili, Bofur und Dori sie zu Kleinholz.
,,Bombur!", rief Dwalin hinweisend und warf seine Axt in dessen Richtung. Bombur fing sie auf und rammte sie in die Brust des Orks über ihm. Dieser hatte seinen Speer gezückt und Bomburs Fass sprang darauf, sodass es vom Speer in die Luft katapultiert wurde und auf dem Erdboden auftrat. Sein Fass prallte gegen mehrere Orks und stieß sie ins Wasser oder walzte sie nieder. Als sein Fass zum Stehen kam, stand Bombur auf und schlug seine Fäuste mit zwei Waffen durch das kaputte Holz. Er drehte sich mehrmals um die eigene Achse und schlitzte rasend die Körper der Orks dabei auf. Sein halb zerstörtes Fass näherte sich wieder dem Fluss, er strich es schnell ab und sprang dann in ein leeres Fass, das Bifur für ihn bereitgehalten hatte.
,,Zieh ihn rauf!", sagte Dwalin zu Nori und gemeinsam konnten sie Bomburs Fass ausbalancieren. Die Elben holten uns ein und bekämpften die Orks mit ihren Klingen an Land. Ich klammerte mich weiter an dem Fass fest, doch ohne Thorins Hilfe bemerkte ich, wie ich langsam den Griff verlor. Während ich meine Finger in das Holz rammte, sah ich, wie Legolas auf die Fässer und auf die Köpfe der Zwerge sprang, zuerst auf Bofurs, dann auf Dwalin und Dori und schoss flinke Pfeile auf die Orks ab. Dwalin starrte die Schuhsohle auf seinem Kopf an und Dori drückte das Bein von seinem Ohr. Legolas hüpfte über weitere Fässer und schwang sich an einem Baum wieder auf Land. Er durchbohrte mit seinem Schwert einen Ork mit gespanntem Pfeil und zog an seiner Klinge, die tief festzustecken schien. Hinter ihm tauchte ein weiterer Ork mit grässlich grinsendem Blick auf.
,,Bilbo, duck dich!", verlangte Thorin schnell und ich hielt meinen Kopf hinter das Fass. Über mich hinweg flog die Axt zielgenau auf den Ork hinter Legolas, der gerade seine dunkle Waffe gehoben hatte. Die Axt traf den Ork mitten ins Herz und er fiel rücklings zu Boden. Aus dem Augenwinkel konnte ich noch erkennen, dass Legolas sein Schwert endlich herausgezogen hatte und rasch herumfuhr. Was er dann tat, bekam ich nicht mehr mit, denn die Fässer strömten weiter rasch den Flusslauf entlang. Die Orkmeute, die uns verfolgt hatte, konnte zu einem Großteil von uns und den Elben ausradiert werden, doch ich sah, dass uns weitere hinterherliefen. Die Strömung nahm zu und die Fässer wichen nur knapp den spitzen Felsen aus. Die Orkskrieger waren langsamer als unsere Fässer und blieben mit einem immer größeren Abstand hinter uns, bis sie ganz aus unserer Sicht verschwanden. Thorin griff mir wieder unter die Arme, als die Gefahr vorerst gebannt war und ich erschauderte. Doch das Wasser schäumte nicht mehr und die Fässer trudelten nur langsam im Fluss vor sich hin. Bestimmt holen sie uns bald wieder ein...
,,Ist irgendetwas hinter uns?", fragte Thorin erkundigend die anderen.
,,Soweit ich sehe, nicht", gab Balin zurück und schaufelte sich einen Weg durch das Wasser. Bofur blickte sich aufmerksam um und als er keinen Ork mehr entdecken konnte, behauptete er:
,,Ich glaube, wir haben die Orks abgehängt!" Meine Augen sahen zu Thorin und er schüttelte fast unmerklich den Kopf.
,,Nicht für lange, ohne Strömung...", stellte er fest und mir fiel auf, dass die Fässer fast stillstanden. Bifur brummte etwas auf Zwergisch und Bofur drehte sich fragend zu ihm. Er weitete seine Augen und rief dann alarmierend:
,,Bombur ist fast ertrunken! Er braucht Hilfe!" Thorin folgte seinem Blick und Bombur sah wirklich aus, als wäre ihm jegliche Luft aus den Lungen gequetscht worden.
,,Alle zum Ufer!", befahl Thorin nach kurzer Überlegung und die Zwerge fingen an, zu dem anliegenden Kieselstrand zu rudern.
,,Gut...", murmelte Dwalin, doch ob er Thorins Idee wirklich guthieß, war zu bezweifeln.
,,Kommt, macht schnell!", forderte dieser die müden Zwergen auf, sich zu bewegen. Mit der einen Hand hielt er mich fest im Griff, mit der anderen schaufelte er uns einen Weg ans Ufer. Ich ruderte ebenfalls mit meinem freien Arm, doch von dem vielen Festklammern waren meine Arme und Finger ganz taub.
,,Gloin, hilf mir mal, Bruder", sagte Oin und Gloin zog dessen Fass hinter sich her. Ori kippte mit seinem Fass auf die Kieselsteine und Dwalin eilte schnell herbei, um ihm aus dem Fass zu helfen.
,,Komm schon, hoch mit dir... Los....", sagte er und schob Ori vorsichtig an einen Felsen hoch, der darauf keuchend zusammenbrach. Bifur und Bofur schoben ihren nach Luft ringenden Bruder mit Mühe an den Strand und legten das Fass vorsichtig ab.
,,Komm, du Riesenklotz!", meinte Bofur und zog mit zusammengebissenen Zähnen seinen Bruder aus dem Fass. Als Bifur ihm zur Hilfe eilte, gelang es ihnen, Bombur mit einem Fump aus dem Fass zu bekommen. Auch unser Fass näherte sich dem Ufer und als ich den Boden unter meinen Füßen spürte, versuchte ich, das Fass an den Strand zu ziehen, doch ich hatte keine Kraft mehr in den Armen.
,,Schon gut, Bilbo", meinte Thorin ruhig und schob stattdessen mich vorsichtig auf die Kieselsandsteine. Er befreite sich mühelos aus dem Fass und hüpfte auf die Felsen, ich hingegen lag erschöpft mit dem Rücken auf den Steinen. Thorin wanderte einige Schritte umher und blickte konzentriert durch die Gegend. Er war wie wir anderen bis auf die Knochen durchnässt und sein Hemd klebte ihm eng an der Haut. Seine Arm- und Bauchmuskeln waren deutlich zu erkennen und ich beobachtete fasziniert, wie sich seine Brust regelmäßig hob und senkte. Als er sich vergewissert hatte, dass wir nicht sofort von den Orks überfallen werden würden, sah er zu mir. Ich sah schnell weg und setzte mich auf. Oh, verdammt, schon wieder erwischt. Mein Gesicht nahm einen unschönen Rot-Ton an. Da gab Kili stöhnende Schmerzenslaute von sich und ich drehte zaghaft meinen Kopf in seine Richtung. Er drückte einen Fetzen Stoff in seine blutende Wunde und fluchte leise. Der Pfeil hatte ihn im Oberschenkel, kurz über dem Knie getroffen und war bis auf die Spitze abgebrochen. Eine eitrige Flüssigkeit lief an seinem Bein herunter, als er den Stofffetzen erneut unter Schmerzen dagegen presste. Ich schluckte und sah schnell woandershin, bevor ich in Tränen oder etwas anderes aus mir herausbrach. Mein Essen, zum Beispiel. Apropos... wann hab ich denn zuletzt gegessen? Gestern morgen? Hilfe. Bei all der Aufregung war mir der Appetit tatsächlich vergangen. Dafür kommt er jetzt doppelt zurück. Genau in dem Moment rumorte mein Magen los, doch keiner meiner Gefährten drehte sich genervt zu mir um, denn ich war nicht der einzige, der halb verhungert war. Ich sah wieder zu Kili und bei dem Anblick der blutüberströmten Wunde blieb dann aber auch mein Magen lieber still.
Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie es aussieht...
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King Under The Moantain | bagginshield
FanfictionBilbo Beutlin ist ein gerissener kleiner Hobbit. Er lebt alleine, hat immer einen Spruch auf den Lippen und sehnt sich nach Pfeifenkraut. In seinem Leben brauchte es nicht mehr, bis eines späten Abends unerwarteter Besuch vor seiner Türmatte steht...