01 |Wenn Minuten einem wie Tage vorkommen

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Ann

Leicht genervt saß ich auf meinem Platz und starrte nach vorne zu meinem Professor, der vor sich hin redete und sich sichtlich nicht für uns Studenten interessierte. Ich schrieb ein paar Sachen auf meinen Block und ließ meinen Blick auf mein Handy gleiten. Ich hatte nur eine Nachricht von meiner besten Freundin, die ich nicht für wichtig hielt, weshalb ich sie ignorierte.

Nachher würde ich sie sowieso sehen und mit ihr reden also wieso schrieb sie mir? Eine leichte Interesse wurde in mir geweckt, weswegen ich mein Handy zur Hand nahm und auf die Nachricht Tippte. 'Mr. Martínez kommt auch' schrieb meine beste Freundin mir. Ich lächelte leicht und schüttelte meinen Kopf. Wie lange war Maja jetzt schon in Jonathan Martínez verliebt? 2 Jahre? Ich unterdrückte mir mein lachen, da die Situation sonst peinlich werden konnte und starrte auf die Nachricht. 'Jetzt musst du nur noch Mrs. Martínez wegschaffen' scherzte ich, doch konnte mir zugleich vorstellen, dass sie es zu ernst nahm. 'Wenn er mich sieht, dann verlässt er sie! Ich bitte dich.' Alberte sie herum. 'Warum kommt er? Der Mafia Boss interessiert sich doch eigentlich garnicht für Kunst.' Tippte ich und schaute zwischendurch nach oben, um nicht allzu sehr aufzufallen. 'Also ich glaube ja, dass Mrs. Martínez sich die Kunst angucken wollte.' Behauptete meine beste Freundin und bekam von mir die Zustimmung. Als Maja offline ging, entschied auch ich mein Handy weg zupacken und mir den Kugelschreiber zur Hand zu nehmen.

Meine Lippen legten sich um den Stift, der die ganze Stunde mein Begleiter war, um mir ab und zu wichtige Dinge aufzuschreiben. Meine Gedanken drifteten zurück in die Vergangenheit als mir die Stimme des Professors zu anstrengend wurde. Früher wohnte ich zusammen mit meiner Mutter in New York, obwohl sie viel reiste und mich immer wieder alleine ließ. Mit achtzehn hatte ich dann entschieden hier in Washington zu studieren, um einen gewissen Abstand zwischen mich und sie zu bringen. Nicht, dass ich sie nicht liebte. Es lag eher an ihrer aufdringlichen Art.

Sie wollte immer alles wissen. Über jeden Mann, der in mein Leben kam, obwohl das nicht wirklich der Fall war. Über jede neue Freundin, die ich kennenlernte und über jede neue Prüfung, die ich schrieb. Ihre Anrufe nervten, dennoch war ich froh sie zu haben. Ich glaubte, dass wenn sie mich nicht regelmäßig anrief, um sich zu informieren, ich sie vermissen würde. Meine Mutter war Reiselustig, weshalb ihre Anrufe von überall her kamen. Ich hingegen war eher eine Frau, die sich an einen Ort niederließ.

Ich hatte hier meine Freunde und außerdem lebten meine Tanten hier in Washington. Mit ihnen hatte ich zwar nicht sonderlich viel Kontakt, aber ich wusste, dass ich mich auf sie verlassen konnte falls etwas nicht stimmte oder irgendetwas passierte. Ich blinzelte ein paar mal als hätten Sonnenstrahlen meine Augen geblendet und landete wieder in der Realität. Seufzend schaute ich mich im Vorlesungsraum um und sah die ganzen Studentinnen, die Mr. White angafften. Ich musste selbst zugeben, dass der Professor nicht hässlich war. Ganz im Gegenteil, aber er war nur ein Mann für eine Nacht. Er betrog seine Frau, die gerade schwanger war und hatte es schon mit jeder Studentin in diesem Raum getrieben, abgesehen von mir.

Er hatte es schon ein oder zweimal versucht, doch ich war nicht bereit, auch wenn ich schon aus Prinzip nicht mit ihm schlafen würde, weil er eine Frau und bald ein Kind hatte. Ich wusste trotzdem nicht warum ich solche Angst davor hatte, aber irgendwas in meinem Körper protestierte gegen Körperkontakt. Vielleicht lag es an meiner mangelnden Erfahrung und vielleicht sogar, weil ich nur einmal Sex hatte und dieser Grotten schlecht gewesen war. Ich war nicht einmal feucht gewesen und er wollte in mich eindringen. Hatte er denn nicht bemerkt, das es da unten trocken war? Grummelnd ließ ich mich tiefer in den Sitz sinken und hoffte, dass die Vorlesung nicht mehr allzu lange dauerte. Mein Blick fiel auf die Uhr. Halb zwölf. Also musste ich noch eine halbe Stunde in diesem Raum verbringen, danach musste ich zur Ausstellung meiner besten Freundin, die Kunst studiert hatte und nun ihre Bilder präsentierte.

Maja war das komplette Gegenteil von mir. Sie war sehr temperamentvoll und sehr, sehr ungeduldig. Das war auch der Grund, weshalb sie nicht alleine dort hin gehen sollte. Vorallem nicht wenn Mr. Martínez dort war. Außerdem konnte sie echt nicht mit Kritik umgehen, selbst wenn sie mir sagte, dass das nicht stimmte. Ich schmunzelte bei diesem Gedanken und ließ meinen Blick noch einmal auf mein Handy gleiten. Viertel vor zwölf. Das Lächeln auf meinen Lippen erstarb und wurde durch ein Augenrollen ersetzt. Normalerweise war es spannender, doch nicht heute. Nicht dann, wenn man sich auf etwas freute.

Tausendschön Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt