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Erfreutes Wiedersehen unter Umständen

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Fast wäre ich weggedöst, hätte ich nicht die sich nähernden Schritte gehört.
Die Tür ging so leise, wie möglich auf und Joanna stand dort. „Psst.", zog sie meine Aufmerksamkeit auf sich.
Ich hob den Kopf um ihr zu zeigen, dass ich wach war.
Sie kam vorsichtig auf mich zu und kniete neben mir nieder.
„Sophie, komm mit.", forderte sie mich auf.
„Mmmh.. wohin denn?", quengelte ich leise vor mich hin.
Joanna wusste, dass ich in diesem Wachzustand für nichts zu gebrauchen war und atmete einmal tief ein und wieder aus.
„Es gibt einen Gefangen, der dich unbedingt sehen will.", erklärte sie mir in einem solchen Ton, dass ich ein bisschen wacher wurde.
„Was will er denn? Kann das nicht warten?", mühte ich mich auf.
„Nein, es ist dringend.", die Art, wie sie es sagte, liess mich ihren Ausdruck überprüfen. Sie meinte es ernst.
„Na gut, ich komm ja schon.", sagte ich ihr und rappelte mich mühselig vom Boden auf. Wenn ich in einem Bett schlafen wollte, so musste ich im selben Bett bei James schlafen. Und das wollte ich immer noch nicht.

Von Schatten zu Schatten huschend, schlichen wir uns durch den frischen Schnee zu dem Schuppen der Gefangenen hin. Doch Joanna lief einfach daran vorbei und weiter.
„Joanna? Du sagtest ein Gefangener wolle mich sprechen."
Zweifel überkamen mich.

Was hat sie vor?

Sie drehte sich zu mir um und zeigte auf ein anderes Gebäude. Es war versteckt zwischen Bäumen und man hätte es glatt übersehen können, wenn man nicht wusste, dass es dort stand.
„Dort sind noch mehr?", fragte ich fassungslos.
„Bis jetzt nur einer.", erklärte sie mir.
Gerade wollte sie zur Tür laufen, als ich sie zurück hielt, weil ich ein Geräusch gehört hatte. Ich zog sie ein bisschen mehr zurück, in die Schatten der Gebüsche und verwischte mit einer kleinen Handbewegung unsere Spuren im Schnee.
Keine Sekunde später liefen ein paar Wachen an uns vorbei. Zum Glück hatten sie uns nicht bemerkt, weil sie zu vertieft in ein Gespräch waren.
„Was meinst du. Wie lange dauert es noch, bis er sie endlich für sich gewonnen hat?", fragte der eine.
„Keine Ahnung. Ewig. Sie ist ein ziemlich harter Brocken.", schmunzelte der andere.
Mehr konnten wir nicht verstehen, da sie schon zu weit weg waren.
Joanna und ich sahen uns an. Ihr Blick dankte mir, dass ich sie zurückgehalten hatte und so die Wachen uns nicht erwischten.
Ich nickte ihr zu und deutete ihr, dass die Luft jetzt rein war.
Sie machte sich am Schloss zu schaffen, während ich wachsam durch die Büsche sah.
Man konnte ja nie wissen.
Das Schloss flog auf und sie öffnete die Tür.
Drinnen sass ein Mann am Boden. Mit dem Rücken an die Wand gelehnt, den Kopf gesenkt. Eine Fussfessel war an seinem Fuss befestigt.
Er kam mir bekannt vor und ich musterte den Mann von Fuss bis Kopf.
Sein Gesicht konnte ich nicht sehen, er schien zu schlafen.

Dieser Körper.. den kenne ich.

Es waren diese starken Arme, die mir so oft Halt gaben. Diese Hände, die mir überall ein Kribbeln hinterliessen. Diese Fast schwarzen Haare.
„Ich wollte dir zuerst nicht sagen, dass er nach dir gefragt hat. Ich wusste nicht, ob du ihn sehen willst. Er ist der Br-.", begann Joanna zu erklären, wurde aber von mir unterbrochen.
„Brian!", schrie ich so leise ich konnte.
Er sah auf und sobald er mich sah, erschien das schönste Lächeln auf dieser Welt. Ich konnte nicht mehr anders als zu ihm zu rennen, mich auf die Knie fallen lassen und ihn so fest ich konnte in die Arme zu nehmen.
„Mein Gott, was machst du da? Du bist ja verletzt..! Wieso hast du dich von ihm gefangen nehmen lassen?", sprudelte es aus mir heraus.
„Wow, wow, ganz langsam.", versuchte er mich zu beruhigen.
„Also erstens wollte ich dich befreien und zweitens ist mir das nicht gelungen."
„Ja das seh ich.", sagte ich verzweifelt.
„Du hättest das nicht tun sollen, Brian. Er wird dich quälen, bis zum Tod.."
Er sah mir tief in die Augen und ich verlor mich sofort in seinen wunderschönen, grünen.
Sanft strich eine Hand über meine Wange und ich genoss diese Berührung so sehr, dass mir Tränen in die Augen traten. Wie sehr ich das vermisst hatte!
„Er hat dich hart getroffen.", sagte er, als er meine Verletzungen berührte.
„Nicht so schlimm, wie ihn. Seine Zunge ist komplett angeschwollen.", lenkte ich ab.
Er musste kurz schmunzeln. „So kenn ich dich."
Wir genossen den Moment, dass wir uns wieder hatten. „Ich hab dich vermisst, Prinzessin.", gestand er und sah mir tief in die Augen.
Jetzt konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten und eine fiel heraus.
„Ich hab dich auch vermisst."
Er hob seine zweite Hand, wischte die Träne ab und legte sie an die andere Wange.
Ich sah ihn an und in seinem Blick sah ich, dass er das gleiche wollte, wie ich.
Der geringe Abstand zwischen uns schloss ich und legte meine Lippen auf seine. Es war ein Kuss, in den alle unsere Gefühle widerspiegelt wurden. Zuerst war es ein normaler Kuss, sanft und liebevoll. Dann wurde er verstärkt und all die Trauer, Wut, Sehnsucht und Lust wurden hineingelegt.
Ich vergass völlig, dass Joanna auch hier war, bis sie sich räusperte.
So war es immer mit Brian. Ich vergass einfach, was um mich herum passierte.
Peinlich berührt drehte ich mich zu ihr um und sah, dass sie uns völlig geschockt ansah. Das hätte sie wohl nie im Leben erwartet.
„Oh, Joanna, das ist Brian. Brian, das ist Joanna. Joanna ist eine Freundin. Sie wuchs hier gezwungener Massen auf..", stellte ich sie ihm vor.
„Joanna, weisst du noch, als du mich gefragt hattest, wieso ich immer noch nicht bei James eingeknickt bin? Das ist der Grund.", erklärte ich ihr und zeigte auf Brian.
Er lächelte ihr entgegen, welches sie schüchtern erwiderte.
„Sophie..", begann sie ihre Bedenken zu äussern.
„Du weisst schon, wen du da vor dir hast?"

Aah darum geht es ihr.

Ich lächelte sie an und nickte.
„Ja, weiss ich. Naja, anfangs, als ich ihn kennen gelernt hatte, wusste ich es nicht. - Aber ihm gehört mein Herz.", gestand ich ihr.
Als er das hörte, fing er an zu strahlen und zog mich auf seinen Schoss.
Joanna, welche sich langsam beruhigt hatte, setzte sich auf der Wand gegenüber auf den Boden.
„Deshalb will er unbedingt, dass du dich für ihn umentscheidest.", murmelte sie vor sich hin.
Brian legte die Stirn in Runzeln und sah mich fragend an. „Was meint sie damit?", fragte er mich.
Das was ich ihm jetzt sagen musste, was mir alles andere als angenehm.
„Bei unserer letzten Begegnung hatte ich dir doch erzählt, dass er mich geküsst hatte.", fing ich an und er nickte.
„Nun ja, es hat sich noch nichts geändert.. Er versucht es immer noch. Vor zwei Tagen wollte er seine Zunge in meinen Mund stecken. Daher meine Verletzungen.", erklärte ich mit bitterem Nachgeschmack im Ton.
„Und deshalb seine Zunge.", fügte Joanna hinzu.
Mir schauderte es bei der Erinnerung.
„Ich konnte mich nicht wehren..", versuchte ich mit zitternder Stimme zu erklären.
Brian nahm mich in den Arm und drückte mich fest an sich. „Schon gut, Prinzessin. Du kannst nichts dafür. Du hast getan, was du konntest.", tröstete er mich. Sein Duft nach Holz und Tannennadeln hüllte mich ein und ich war zu Hause.
Er war mein zu Hause.

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