Ich musste weggetreten sein, denn ich hörte, wie Joanna und Brian leise miteinander flüsterten.
Brian merkte sofort, dass ich aufwachte und das Gespräch war verstummt.
„Na, Prinzessin. Gut geschlafen?", neckte er mich. Ich lächelte und streckte ihm die Zunge raus. „Tschuldigung, ich wollte nicht wegtreten.", entschuldigte ich mich bei den beiden.
„Es waren nur 10 Minuten.", winkte Joanna ab.
„Aber so viel ich weiss, hast du ihm noch etwas zu sagen, oder?", sah sie mich erwartungsvoll an.
Fragend sah ich sie an und versuchte darauf zu kommen, was sie gemeint hatte.
Sobald sie ihre Hand hob, mit den Rücken nach unten und ihre Finger bewegte, wusste ich was sie meinte.
Meine Gabe.
Ich hatte es bei der letzten Begegnung total vergessen zu erzählen.
„Oooh. Jaa. Stimmt.", sagte ich, als ich endlich auf den Zweig gekommen war, was sie gemeint hatte.
„Brian. Ich wollte es dir letztes Mal schon sagen, aber wir hatten zu wenig Zeit.", begann ich zu sprechen und er sah mich erwartungsvoll an.
„Ich weiss endlich, was meine Gabe ist.", sprudelte es aus mir heraus, als ich es nicht mehr länger zurückhalten konnte.
Überrascht sah er mich an und freute sich für mich.
„Super! Ich wusste, dass du's schaffst. Und? Was ist es?", fragte er verschwörerisch.
Ich sah zu Joanna und sie nickte, und zeigte auf den Becher mit Wasser, was hiess, dass ich es ihm zeigen sollte.
Verwirrt sah er zu seinem Becher, da er nicht wusste, was ich damit vorhatte.
„Keine Angst. Du hast danach immer noch den vollen Becher.", beruhigte ich ihn.
Geschickt liess ich das Wasser aus dem Becher kommen und liess es ein paar Kunststückchen aufführen. Dann nahm ich es in die Hand und legte diese auf die Verletzung an Brians Schulter.
Sofort begann die Wunde zu heilen und Brian sah zu wie ein kleines Kind, das etwas magisches sah.
Es war auch magisch.
Sobald das Wasser wieder im Becher war, traute sich Brian kaum, seine Schulter zu bewegen. Doch als er merkte, dass sie nicht mehr schmerzte, sah er mich erstaunt an.
„Du hast.. Du.. Das Wasser?", war alles, was er im Moment herausbrachte.
„Nicht nur.", sagte Joanna. „Doch ab jetzt ist für mich auch alles neu."
Ich legte eine Hand auf die Erde und diese begann sich zu wölben. Ich errichtete eine Mauer und liess sie wieder sinken. Kleine Steinchen formten sich in alle verschiedenen Formen. Während die beiden vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zubekamen, setzte ich meine Show fort.
Ein Mini-Tornado erschien in meiner Handfläche und schwebte ruhig über meiner Hand. Mit der anderen Hand machte ich eine sanfte Aufwärtsbewegung und liess Brian und Joanna vom Boden abheben. Alle beide ruderten überrascht mit den Armen, um ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren und ich setzte sie wieder ab.
Gespannt sah ich in die Gesichter der beiden und sah, dass sie vor Begeisterung völlig aus dem Häuschen waren.
„Du hast gleich drei?", frage Brian freudig.
Mein Blick wurde ein bisschen traurig.
„Vier.", war alles was ich sagte.
Sein Blick sprach Bände und ich sah ihm an, dass er wissen wollte, was das vierte war.
„Es sind die Elemente. Luft, Wasser, Erde und.. Feuer.", ergänzte ich traurig.
„Warum denn so traurig? Das ist doch fabelhaft! Komm, zeig uns noch, was du mit dem Feuer machen kannst.", forderte Brian mich aufgeregt auf. Er hatte meine Traurigkeit noch nicht bemerkt. Joanna hingegen schon. Sie bedachte mich mit einem sorgenvollen Blick.
„Sie kann nicht.", stellte sie fest.
Brians Blick glitt zu ihr hinüber und dann zu mir. Seine Augen weiteten sich, als er sah, wie ich mich quälte.
„Was ist denn los?"
Beschämt sah ich zu ihm und fühlte mich gleich noch schlechter. Ich wollte ihn nicht enttäuschen.
„Ich...kann nicht..ich...habe Angst.", brach ich unter Tränen doch noch aus mir raus.
Sofort war er an meiner Seite und nahm mich in den Arm.
Er liess mich nicht los, bis ich mich ausgeheult hatte und flüsterte mir immer wieder aufmunternde Worte zu.
Dann nahm er mich an den Schultern und schob mich gerade so viel weg, dass er mir tief in die Augen schaute und doch noch sehr nah war.
„Du kannst mich nicht enttäuschen, Prinzessin. Niemals."
Ein Keuchen entglitt meiner Kehle und
mir fiel auf, dass ich die Luft angehalten hatte.
Langsam liess ich alle Luft aus meiner Lunge weichen und atmete tief ein, bevor ich begann zu gestehen.
„Ich kann es nicht benutzen. Nicht nach dieser Zerstörung. Es ist böse."
Brian wusste, wovon ich sprach, denn sein Blick sagte mir, dass er meine Misere verstand.
Ich konnte ihm trotzdem nicht mehr länger in die Augen sehen, ich schämte mich so.
Er hob mein Kinn mit einer Hand an und zwang mich ihn anzusehen.
„Das Feuer ist nicht böse. Der, der es für böse Taten benutzt, ist böse. Feuer ist für die Freude und Wärme. Es bedeutet Liebe und Leidenschaft. Nur wird das gerne vergessen."
Bei jedem seiner Worte wurde mir wärmer ums Herz, welches plötzlich anfing wie wild zu klopfen und mein Atem wurde unregelmässig. Ich wusste, dass er während er sprach an uns dachte. Unsere Liebe und Leidenschaft.
„Das werde ich nie vergessen können.", flüsterte ich ihm entgegen.
Gerade als er mich küssen wollte, hörten wir, wie jemand den Schlüssel ins Schloss steckte.
Alarmiert sah ich hoch und blickte zu Joanna, welche vor Panik hätte schreien können. Zum guten Glück tat sie das nicht. Ich packte sie am Arm und zog sie mit in die hinterste Ecke. Einen letzten Blick auf Brian, welcher mir aufmunternd zunickte und dann errichtete ich eine Wand. Eine Wand, welche durch den Raum ging. Der Raum sah nun immer noch gleich aus, war aber ein bisschen kleiner, was ich hoffte, den Wachen nicht auffallen würde.
Gerade noch rechtzeitig war alles verstummt. Mein Herz schlug so laut, dass ich mich hätte verfluchen können.
Joanna neben mit zitterte vor Angst. Sie konnte es sich am wenigsten von uns leisten, erwischt zu werden. James hatte ihr schon mehr als ein mal gesagt, wie einfach sie zu ersetzen wäre. Und dies wollte ich nicht zulassen.
Meine Wand war so dicht, dass wir nicht hören konnten, was die Wachen machten.
Nach einer viertel Stunde liess ich ein kleines Loch erscheinen, welches gerade genug gross war, um zu erkennen, ob die Wachen noch da waren.
Niemand mehr war da. Ich liess die Wand versinken und suchte nach Brian. Doch auch er war nicht mehr da.
Panik stieg in mir auf.
Was tun sie mit ihm?
Joanna legte mir eine Hand auf die Schulter und drehte mich zu ihr um.
„Sie werden ihn nicht töten. Jedenfalls noch nicht."
Na toll.. viel besser..
Versteckt schlichen wir wieder zurück und begaben uns in unsere jeweiligen Kammern. Sie in ihr Zimmer und ich in meine Zelle.
Kaum hatte ich die Türe leise hinter mir geschlossen und mich umgedreht, erschrak ich mich und nahm einen Satz nach hinten und stiess mir die Türfalle in meinen Rücken. Schmerzerfüllt tat ich einen Schritt zur Seite.
„Ich warte schon eine Weile auf dich, Kleine.", begann James zu sprechen. Er kam mir mit jedem Wort näher.
„Wo warst du?"
Es war eine normale Frage, doch in seinem Ton hörte ich die Gefahr.
„I-i-ich..b-brauchte frische L-luft.", stotterte ich, gepackt von der Angst.
Jetzt stand er mir direkt gegenüber, keine fünf Zentimeter aus einander.
Hoffentlich glaubt er mir das.
Ich musste hart schlucken.
„So?", war alles, was er dazu sagte. In seinen Augen schimmerte etwas Gefährliches.
„Wie kommt es dann, dass dich niemand gefunden hatte?", fragte er mich.
Scheinheilig zuckte ich mit den Schultern. „Vielleicht, weil niemand richtig gesucht hatte?", beantwortete ich seine Frage.
Ein gefährliches Zucken spielte in seinem Mundwinkel.
In dem Moment, als ich noch etwas ergänzen wollte, sah ich, dass eine Faust direkt auf mich zu kam. Ich hatte keine Zeit mehr, um zu reagieren und schloss die Augen. Er donnerte seine Faust direkt neben meinem Ohr gegen die Tür. Für einen Moment war ich taub und dann erschien ein ekliges Pfeifen.
Schockiert schaute ich zu James, welcher mit seinem Mund an mein nicht taubes Ohr ging und mir zu flüsterte.
„Keine Angst, Kleine. Ich hätte dich niemals getroffen, wenn ich nicht will."
Starr vor Angst tat ich keine Bewegung.
Er drückte mich an die Wand und Küsste mich, ehe er mich beiseite schob, die Tür öffnete und mich ansah.
„Das Angebot, dass du bei mir im Bett schlafen kannst, gilt noch immer."
Ein bisschen zu heftig schüttelte ich den Kopf und mir brummte der Schädel.
„Na dann. Bis morgen früh."
Mit diesen Worten verschwand er und schloss die Tür ab.
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White Wolve
Hombres Lobo{Rohfassung, wird irgendwann überarbeitet} Einsames, ruhiges Leben führen? Check ✔️ Traummann finden? Nicht erfüllt ✖️ Die 25-jährige Sophie sehnt sich nach mehr Action in ihrem Leben und will ihren Traummann finden. Doch das fällt ihr nicht leicht...
