Am nächsten Tag fiel mir das Aufstehen besonders schwer. Wie um Himmels Willen sollte ich James jetzt noch in die Augen schauen?
Sobald ich meinen Gedanken fertig gedacht hatte, flog auch schon die Tür auf und er stand da.
„Guten Morgen, Kleine. Wie ich sehe, bist du schon wach.", begrüsste James mich.
Ich brummte vor mich hin, während ich mich mühsam hoch hievte.
Heute verlief das Frühstück stillschweigend. Er hatte mich noch nicht mal frisch machen gelassen.
„Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?", unterbrach er dann doch noch die Stille mit gereizten Ton.
„Das gleiche könnte ich dich auch fragen.", warf ich ihm den Vorwurf zurück.
„Ich hab schlecht geschlafen.", versuchte er sich heraus zu reden.
„Ich auch.", gab ich kurz und knapp zurück, ohne meine Mimik zu verändern. Ich hatte ein stählernes Pokerface aufgesetzt.
Das Stillschweigen setzte sich fort und keiner von uns hatte auch vor, dies zu brechen.
Wir nicht, aber jemand anderes.
Aufgeregt kam Josh hereingestürmt und flüsterte James etwas ins Ohr, was ihn Wachsam werden liess.
Er sprang sofort auf, als Josh fertig war und befahl mir sitzen zu bleiben, ehe er sich aus dem Staub machte.
Was wohl so wichtig ist, dass er alles stehen und liegen lässt?
Mir war das egal. Sicher wieder etwas, was mir nicht gefallen würde.
Da ich sowieso hier sitzen bleiben musste, nahm ich mir die Schüssel mit den Erdbeeren und begann sie zu verputzen.
Mit vollgeschlagenem Magen übermannte mich die Müdigkeit und ich liess es zu. Mein Kopf fiel auf den Tisch, was ich nicht mehr richtig mitbekam, so schnell war ich weggetreten.
Ein gleichmässiges Rütteln weckte mich kurz auf und ich sah, dass James mich trug. Ich war zu müde, um mich zu wehren und liess es geschehen.
Sonnenstrahlen und fröhliches Vogelgezwitscher weckten mich auf.
Um mich zu orientieren bewegte ich meinen Kopf nach links und sah, dass ich in einer Hängematte lag, welche vom leichten Wind ein bisschen schaukelte. Ich drehte meinen Kopf nach rechts, erschrak mich fast zu Tode und fiel knapp nicht aus der Hängematte.
Da lag doch tatsächlich James neben mir und beobachtete mich!
„Wow, Kleine. Man könnte meinen du seist neben einem Monster aufgewacht.", scherzte er.
Bin ich ja auch.
Doch diese Gedanken behielt ich für mich. Ich wollte aufstehen, weil mir ziemlich unwohl war, so nahe bei ihm zu sein.
Er nahm meine Hand und zog mich zu sich.
„Wo willst du denn hin?", fragte er neugierig.
Scheisse. Mir wollte keine Ausrede einfallen.
Mein langes Schweigen deutete er als nirgendwo hin.
„Dachte ich mir. Ich hab nichts dagegen, wenn du so nah bei mir bist.", grinste er mich an.
Ich aber!
Ich brauchte all meine Selbstbeherrschung, um ihm das nicht ins Gesicht zu werfen.
Eine Bestrafung konnte ich mir nicht leisten, wenn ich stärker werden wollte.
Er nahm meine beiden Hände in seine und legte die andere an meine Wange.
Währenddessen legte er ein Bein über meine und legte sein Gewicht darauf, so dass ich mich nicht mehr bewegen konnte.
Oh nein! Nicht!
So sanft wie möglich, strich er mit der freien Hand über meine Wange. Sein Blick war voller Begehren. „Es wird Zeit, dass ich ihn aus deinem Kopf verdränge."
Wir wussten beide, dass Brian damit gemeint war.
Was James aber nicht wusste war, dass es nicht funktionieren würde. Dafür liebte ich ihn zu fest.
Ich wollte meinen Kopf wegdrehen, was mir leider nicht gelang, da er mit der freien Hand mein Kiefer fest im Griff hatte.
Wehrlos lag ich da und musste zuschauen, wie er mir immer näher kam und schlussendlich meine Lippen mit den seinen bedeckte.
Es war einfach nicht das gleiche, wie mit Brian. Aber eine Angst überkam mich, als ich mich dabei ertappte, den Kuss als nicht all zu schlimm einzustufen. Es war seine Gier und Lust, die ich fühlte und mich durcheinander brachten.
Will er mich wirklich oder will er nur Brian eins auswischen?
Durch diese Gedanken konnte ich mich wieder sammeln und ich wusste wieder, zu wem ich gehören wollte.
Es war schwer, dies immer im Vordergrund zu halten, wenn ein anderer dich immer und immer wieder küsste.
Mit seiner Zunge strich er über meine Lippen und mein ganzer Körper versteifte sich.
Er tat so, als hätte er das nicht bemerkt und küsste mich weiter. Seine Lippen begannen meine zu trennen. Sobald ein kleiner Spalt da war glitt er geschickt mit seiner Zunge in meinen Mund.
Das war mir dann doch zu viel und ich biss mit aller Kraft zu, bis ich Blut schmeckte. Sein Blut.
IGITT!
Doch um zu reagieren und das Blut auszuspucken hatte ich keine Zeit.
Ein wuterfülltes Knurren drang in meine Ohren und er verpasste mir eine saftige Ohrfeige. Er schlug so stark zu, dass mir schwarz vor Augen wurde und ich mein Bewusstsein verlor.
Ich kämpfte mich zurück und sah gerade noch, wie er jemanden anschrie, dass mich jemand verarzten soll.
Dann wurde es wieder schwarz.
Ein rütteln holte mich zurück und ich sah direkt in seine Augen. Sie waren voller Wut und Schmerz.
„Da.. hätte..t du nich...un ..ollen.", versuchte er mit der bereits angeschwollenen Zunge zu sprechen.
Ich konnte mir ein Grinsen nicht unterdrücken und wurde dafür sofort bestraft. Er schlug mit der Faust mit voller Wucht auf meine Rippen.
Es knackte bedrohlich und der Schmerz mummte mich ein, in die Dunkelheit.
Ab und zu gelang es mir vor der Dunkelheit zu flüchten und ich wachte auf. In diesen kurzen Momenten war Joanna sofort an meiner Seite. Sie verbrachte die ganze Zeit bei mir, wenn sie nicht bei den Gefangenen war und pflegte mich so gut es ging.
Nach zwei Tagen ging es mir allmählich besser. Die Schmerzen waren noch sehr stark, aber sie rissen mich nicht wieder bei der kleinsten Bewegung in die Dunkelheit zurück.
Von Joanna erfuhr ich, dass James die ganze Zeit geflucht hatte, weil er keinen Bissen hinunter kriegte und alle Mühe hatten, ihn zu verstehen.
Als ich dies hörte, musste ich lachen, was mir wiederum grosse Schmerzen bereitete.
Heute konnte ich endlich wieder in meine Zelle gehen, doch an Training war nicht zu denken. Mit diesen Schmerzen würde ich sowieso nichts richtiges zu Stande bringen.
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White Wolve
Manusia Serigala{Rohfassung, wird irgendwann überarbeitet} Einsames, ruhiges Leben führen? Check ✔️ Traummann finden? Nicht erfüllt ✖️ Die 25-jährige Sophie sehnt sich nach mehr Action in ihrem Leben und will ihren Traummann finden. Doch das fällt ihr nicht leicht...
