Teil 15, 16 und 17

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Isil

Ich kochte vor Wut als ich erfahren hatte, dass Sinan Tolga zum Fußballspiel eingeladen hatte. Sein Gesicht wollte ich nicht sehen und erst recht nicht nach dem Auftritt hier im Haus. »Musste das wirklich sein? Können wir den Tag nicht gemeinsam verbringen, Sinan?«,fragte ich ihn schon zum wiederholtsten Mal. 

»Isil, wir haben jedes Spiel gemeinsam geguckt. Du kannst doch in dein Zimmer gehen«,teilte er mir leicht lächelnd an. Ich stöhnte genervt auf und nickte nur. Die Chipstüte fühlte ich in ein Teller um und legte es zu den anderen FastFood auf den Esstisch, im Wohnzimmer. Alles war für die Jungs eingerichtet, so wie früher. Ich wollte gerade in mein Zimmer flüchten als es an der Tür klingelte. »Ich gehe schon«,sagte ich und machte mich auf den Weg zur Tür. Ich würde wahrscheinlich wirklich in mein Zimmer gehen und dort etwas unternehmen. Doch meine Pläne hatte ich ohne Tolga gemacht. Ich machte die Tür auf und dort stand Tolga, Hand in Hand mit Pinar. »Isilcim«,sagte sie gespielt und umarmte mich. Ich knirschte mit den Zähnen und ließ sie schnellsmöglichs los. »Ah, Sinan«,sagte sie und zwängte sich an mir vorbei. Ich hörte sie wie sich lachend in seine Arme warf und ins Wohnzimmer ging. Ich legte meine Hände auf die Tür und ermöglichte somit keinen Zutritt in das Haus für Tolga. »Was soll der Scheiß?«,zischte ich ihn an. »Was soll schon sein? Ich will jetzt mit meinem Bruder Fußball gucken«,teilte er mir grinsend mit. Wütend ging ich ins Wohnzimmer und warf mich auf die Couch neben Sinan. Tolga folgte mir gleich danach und setzte sich zu Pinar. Ich legte meine Kopf auf Sinans Arm, der sofort seinen Arm um mich legte. »Hier hab ich unser Bier«,sagte Tolga etwas gereizt und reichte Sinan eine Flasche. »Danke, Bruder«, bedankte sich Sinan und nahm sofort ein Schluck. Ich nahm mir die Popcorn Schüssel auf den Schoss und aß davon, während alle im Fussballfieber waren. »Isil bist du vielleicht schwanger?«,fragte sie mich neugierig und deutete auf die Schüssel, die fast leer war. Ich verschluckte mich am Popcorn und musste husten. Sinan schlug mir sofort auf den Rücken und reichte mir etwas zu trinken. Diese Frage hatte mich aus der Fassung gebracht. »Wie kommst du aus so etwas dummes?«,zickte ich sie an und sie zuckte nur mit der Schulter. »Kann doch sein. Du bist verheiratetet und es kann ja sein, dass ihr beim Sex nicht verhütet«,teilte sie uns mit ohne sich auch nur zu schämen in Sinans Gegenwart so zu sprechen. »Nein, bin ich nicht«,knurrte ich sie an und sah zu Tolga. Sein Blick war immer noch auf mich gerichtet und er analysierte mal wieder alles an mir. Sofort sah ich an mir herunter und hob mein Top etwas hoch, da man etwas von meinem Ausschnitt sehen konnte. Ich lehnte mich genervt wieder zur Couch und kuschelte mich an Sinan an.

»Weißt du noch wo wir uns damals 3 Kinder gewünscht hatten?«,holte mich Sinan mit der Frage in die Realität. »Nein, Sinan wir wollten nur 2. Du 3«,sagte ich lachend und spielte mit meinen Fingern herum. »Stimmt. Und ich konnte dich nie für mehr überreden«,sagte er etwas traurig. »Biz bu hale nasil geldik Isil? (Wie sind wir nur so geworden?)«,fragte er mich und blickte mir fragend in die Augen. Ich zuckte mit der Schulter und vergrub meinen Kopf in seiner Brust. Ich vernahm die Blicke, die mir Tolga schenkte. Er sah mich wütend an und zerdrückte die Flasche Bier, die er in der Hand hatte. Jetzt grinste ich ihn dämlich an und verschränkte meine Finger mit die der Sinans. Vom Augenwinkel sah ich, dass Tolgas Hand auf Pinars Schoss lag. Er streichelte ihr Bein und sah sie vielsagend an. Sie störte es natürlich nicht. Ich fühlte mich schlecht, weil ich mit einem anderen Mann schlief, der dazu der beste Freund meines Ehemanns war und sie fickte durch die Welt. Ihr war alles egal. Ihr war es egal was man von ihr dachte und wie man über sie redete. Vielleicht hasste ich dies an ihr, dass ihr alles egal war. Ich wollte manchmal auch so sein. Einfach mal auf niemanden Nachsicht nehmen und dies tun was ich will. »Wenn man euch so sieht, bekommt man Lust auf Liebe«,teilte uns Tolga sarkastisch mit. Sinan lachte kurz darüber und deutete wieder auf den Fernseher, wo gerade die Wiederholung des Tores war.

Als endlich das Spiel zur Halbzeit ging, ging ich in die Küche und machte Essen. Zwar war es spät, aber wenn Männer hunger hatten, kannten sie keine Uhrzeit. Ich erwärmte das Hähnchen und deckte den Tisch. Pinar gesellte sich zu mir und setzte sich an den Tisch. »Wie ist Tolga so?«,fragte sie mich. »Wieso?«,entgegnete ich ihr mit einer Frage zurück. »Er ist heiß. Vielleicht wird mehr aus uns«,sagte sie und lächelte mich an. »Pinar, du und eine Beziehung? Komm, bleib realistisch«,gab ich lachend von mir und legte die Gabeln auf den Tisch. »Vielleicht ist er der Junge für den es sich lohnt anders zu denken«,sagte sie nachdenklich. Und ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass Tolga etwas mehr war als nur ein Junge,mit dem sie etwas hatte. »Er ist nicht so wie er aussieht. Er ist ein Arschloch«, versuchte ich sie zu warnen. »Hör auf mir zu sagen, wer falsch ist und wer nicht«,zickte sie mich an und warf ihre Haare zurück. »Ich will doch nur das Beste«,sagte ich und guckte ihr in die Augen. Ich sah sie kurz aufblitzen und danach zuckte sie nur mit der Schulter. »Ich habe es satt, dass alle entscheiden was das Beste für mich ist. Ich spüre es, Isil. Tolga ist anders«,sagte sie verträumt und starrte auf den Teller. Sie ging aus der Küche vermutlich ins Badezimmer. Ich ließ mich nicht ablenken und kochte weiter. Plötzlich hielt mir jemand die Augen zu und dann spürte ich seinen Körper der sich an meinen presste. Als er mich am Nacken küsste, bekam ich eine Gänsehaut und versuchte mein stöhnen zurück zuhalten, was mir nicht geling. Ich drehte mich um und schubste ihn weg. »Bist du bescheuert?«, schrie ich ihn an, aber so leise, sodass nur er es mitbekam. »Vielleicht willst du mich ja nochmal?«,zwinkerte er mir zu. »Niemals! Das war eine einmalige Sache. Ich werde nie wieder den gleichen Fehler machen«,teilte ich ihm mit und wollte weg von ihn. Er wollte etwas erwidern, aber dann betrat Pinar die Küche. Sie fragte uns nur was wir hier machten und sofort fiel Tolga eine Lüge ein. Danach damit sie nichts schöpfte, drückte er seine Lippen auf ihre und küsste sie. Während des Kusses guckte er starr in meine Augen und am liebsten würde ich ihn den Kopf abreißen. Arschloch. Endlich ging er aus der Küche und Pinar half mir noch ein bisschen. 

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