Kapitel 1.1 - Miss Beyron & 1.2 Norman, der Wirt

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Die Sonne strahlte und weckte die kleine zusammen gerollte Fremde unter der Brücke. Sie streckte sich und gähnte herzhaft. Gemächlich drehte sie sich auf den Rücken und sah in Richtung Sonne. Was für ein schöner Morgen, dachte sie. Rasch stand sie auf, rückte ihre Hemden zurecht und begann ihren Beutel eilig zu packen. Sie riss den Mauerstein hinaus, klemmte ihren Münzbeutel unter ihr Mieder. In den grösseren warf sie einige Pence und Schilling, falls sie überfallen werden sollte konnte sie ihnen diese Münzen übergeben. Keiner würde Zweifel daran hegen, ob sie noch mehr besässe. Vorsichtig schob sie den Mauerstein zurück. Sie hatte sich genau überlegt, wie sie nun vorgehen sollte. Sie benötige auf jeden Fall ein neues Kleid. Sie sah an sich hinunter... zerrissene Träger, das Mieder war halb zu sehen und ihr Rock hing mehr in Fetzen von ihr herunter, als dass er noch ganz war. Wenn ich so bei der Grafschaft antrete, dann kann ich gleich wieder gehen, dachte sie verbittert. Sie nahm die Stufen zur Strasse hinauf und machte sich auf den Weg zum Stadtzentrum. Es war zwar ein kleiner Umweg, sie kannte die Schneiderin von früher aus einem ganz anderen Leben, doch sie war zuversichtlich, dass die Dame sie nicht erkennen würde. An einer Ecke, bevor sie zum Marktzentrum gelangte, blieb sie stehen und klopfte sich den Staub und den Dreck aus den Kleidern, wischte sich mit dem Seidentuch, welches sie unter ihrem Hemd versteckte, das Gesicht ab. Nach einem Blick in den Brunnen, sah sie, dass dies vergebens war und ging langsam auf den Laden der Schneiderin zu. Vor dem Schaufenster wagte sie einen Blick hinein, es schien sich niemand im Laden aufzuhalten. Sie nahm einen tiefen Atemzug und öffnete die aus Birkenholz gefertigte Ladentür. Der Laden hatte sich kaum verändert. Rundherum in den Regalen lagen die feinsten Stoffe von unterschiedlichster Qualität. Seide, Samt, Brokat, Leinen, Spitzen, Musselin, Wolle alles wovon eine Frau normalerweise träumte. Sie lief an den verschieden Regalen entlang und bewunderte die schönen Stoffe, selbstverständlich ohne sie mit ihren schmutzigen Fingern anzufassen.

„Bitte kann ich... dir helfen?" Die skeptische Frage kam von einer Frau, die gerade hinter einer Tür hervor trat. Sie erkannte sie als eine der Helferinnen der Schneiderin

„Ich habe gerade die Stoffe bewundert"

„Ja sie sind sehr schön... und sehr teuer" meinte die Frau argwöhnisch. Ihr entging die Anspielung nicht und deshalb sagte sie

„Oh natürlich, ich habe ein wenig gespart, um mir ein neues Gewand zu kaufen. Ich bräuchte ein ganz einfaches". Ohne Umschweife ging die Frau zu einem der Regale nahm eine Rolle Stoff hinunter und sagte

„Das einzig billige, was wir an Stoff zu bieten haben, ist diese Art von Wolle. Sonst ist alles von bester und feinster Qualität!"

„Nora? Nora! Haben wir eine Kundin?" kam es aus dem Raum hinter der Tür. Dann kam eine Frau von ungefähr dreissig Jahren durch die Tür. Sie hatte langes blondes Haar, welches sie offen über ihrem Rücken trug. Einen hellen Teint, hohe Wangenknochen und hellblaue Augen. Sie sah zuerst die Kundin und dann ihre Helferin Nora an.

„Madam, ich wollte sie nicht belästigen, es handelt sich nicht um eine Kundin. Sonst hätte ich sie bestimmt herbeigeholt" meinte Nora kleinlaut und rasch, wobei sie einen Knicks machte.

„Das musst du mir erklären Nora, es handelt sich nicht um eine Kundin?" Dann wandte sie sich an den Gast und meinte „Wollten sie bei uns etwas kaufen?" Noch völlig verwirrt von der ganzen Situation antwortete sie

„Ja... ich wollte ein einfaches Kleid kaufen". Die Frau lächelte sie an und sagte

„Mein Name ist Miss Elisabeth Beyron. Mir gehört diese Schneiderei und selbstverständlich finden wir etwas für sie. Wie ist ihr Name?"

Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt