„Ach verdammt... bist du den nie zufrieden?!" schollt sie sich.
„Mit was nicht zufrieden?" erklang eine ruhige tiefe Stimme hinter ihr. Rose warf vor Schreck den Eimer um und sprang auf. Es schepperte und das ganze Wasser verteilte sich über den Boden. „Verzeihung, ich wollte euch nicht ängstigen" antwortete er mit seiner rauen Stimme.
„Mylord!" nickte sie. Ihr Herz galoppierte und sie presste eine Hand auf ihre Brust. Warum in drei Teufelsnamen?! Aber sie konnte die Worte gerade noch zurückbehalten und sagte stattdessen „Ich bin nicht ängstlich! Ich bin es nur nicht gewohnt von Jemandem angeschlichen zu werden" sagte sie erregt. Sie versuchte die aufsteigende Verärgerung zu verbergen, was ihr allerdings sehr schlecht gelang. Er schien nicht weiter darauf einzugehen und musterte sie. Er musterte sie gründlich, fast schon obszön. Rose stand stocksteif da und funkelte ihn an. Was erlaubte dieser Hüne sich eigentlich?! Sie wusste, dass es Herrschaften gab, die sich an ihren Angestellten vergingen und sich mit ihnen vergnügten, doch so eine war sie nicht und würde auch keine werden! Sie hatte das Gefühl ihr Zittern und ihr lauter Herzschlag könnte man von weither sehen und hören. Unerklärlicherweise war sie sich nicht sicher was ihr mehr den Atem verschlug, dieser Hüne, der sie mit seinen Augen verschlang oder ihr eigenes verräterisches Interesse an ihm.
„Warum bist du noch hier unten? Es ist schon zu spät, um noch einer Arbeit nachzugehen" meinte er kühl. Er schien sie genug geprüft zu haben und sah ihr nun wieder in die Augen. Rose spürte, wie sich ihre Glieder langsam aus der Erstarrung lösten
„Ich wollte diese Arbeit noch vor dem zu Bett gehen beenden Mylord" war ihre Antwort. Rose nahm den Lappen auf, womit sie Staub gewischt hatte und warf ihn in den leeren Eimer. Das Wasser, welches über den Boden rann, war schon in den unterirdischen Kanal gelaufen der unter der ganzen Anlage lag. Den Eimer stellte sie in eine Ecke und wollte an ihm vorbei gehen, doch er schnitt ihr den Weg ab und hielt sie grob am Arm fest
„Ich bin noch nicht fertig. Woher hast du die Rolle Pergament?" sagte er bedrohlich. Rose sah ihn eine Zeitlang an und wusste nicht genau von was er sprach, dann fiel ihr ein, dass Norman ihr ein Paket gereicht hatte mit dem Auftrag es nur Lord Blackheat persönlich zu übergeben. Rose riss ihren Arm los, empört über den anschuldigenden Ton und fragte sich, ob sie diesem arroganten Tölpel eine Antwort geben oder ihn in Ungewissheit lassen sollte. Sie entschied sich aber angesichts seines durchdringenden Blickes, ihm eine Antwort zu geben
„Norman der Wirt hat es mir aufgetragen und gesagt ich dürfe es nur Lord Blackheat übergeben! Was ich auch vorhatte, bevor ich von einer Bestie verfolgt wurde! Mittlerweile hatte ich es allerdings vergessen, doch ich habe auch nicht damit gerechnet, dass mein Hab und Gut durchsucht wird". Ihm schien die Zweideutigkeit nicht entgangen zu sein. Er sah sie prüfend an und sagte dann
„Ich bin mir noch nicht sicher, ob mich diese Antwort zufrieden stellt. Ich werde sie jedenfalls überprüfen". Rose sah ihm in die Augen, erst jetzt sie, dass diese eigentlich von sehr dunklem braun waren. Noch nie hatte sie so dunkle Augen gesehen. In der Nacht zuvor waren sie ihr schwarz vorgekommen und tot. Nun erkannte sie weiche Augen in denen viel Gefühl lag, doch schnell verdunkelten sie sich wieder und waren starr und unnachgiebig. Er drehte sich um und ging aus der Küche ohne ein weiteres Wort. Der Hüne liess Rose mit ihren Gedanken allein zurück. Sie war verwirrt. Eine bessere Beschreibung gab es nicht. Sie stand noch geraume Zeit im Dunkeln der Küche und liess die Situation revue passieren. Als sie sich wieder fing, schleppte sie sich erschöpft in ihre Kammer. Molly hatte sie ihr im Laufe des Tages gezeigt. Als sie in der Kammer ankam, überkam sie auch die Müdigkeit. Sie goss Wasser aus der Kanne in eine Keramikschale und wusch sich damit den Schmutz aus dem Gesicht, zog ihre Kleider aus und schlüpfte in ihr Nachthemd. Sie kroch unter die weichen Laken und legte sich auf ihr Bett. Die Matratze und das Kissen waren mit Stroh gefüllt, wie es in den meisten vornehmen Häusern, bei den Bediensteten, der Fall war. Es vergingen nur Sekunden und Rose verfiel Morpheus.
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Schottisches Feuer und englische Anmut - Band 1
Historical FictionEngland im Umbruch. Der junge König Henry VIII hat nicht das Geschick und das gute Herz seines Vaters geerbt. Er will Krieg und Schottland endlich unter englischer Herrschaft wissen. In diesen Sog gerät der kampferfahrene Alexander de Warenne, Lord...
